Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 3 (1.2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 39 erkannt haben wird, die Freiheit theologischer Diskussion. Die. Synagoge wollte den Angreifer vernichten, es gelang ihr, dennoch hatte in Wahrheit Uriel da Costa gesiegt. Was er einst diskutiert hat, die Sterblichkeit der Seele, die Geltung der mündlichen Lehre, ungestraft kann das heute jeder tun. Mit Recht sagt Kastein: „Beide (Da Costa und die Synagoge) hatten die Wahrheit, aber da Costa hatte die Wahrheit ohne Gegenwart." Er hatte die Wahrheit der Zukunft. „Das zu tragen, ist Schicksal des Starken." Exemplar vitae humanae, aber einer vita seiner Zeit. Das erschütternde Bild eines Menschen und einer Zeit ist in dem Buch des Verfassers, das uns viel gelungener erscheint als seine „Geschichte der Juden", vielleicht des engern und konkreteren Gegenstandes halber, hinreißend vor uns aufgerollt. Stil und Darstellung werden mit Recht dem Buch viele Freunde und Bewunderer finden. Was uns auffällt, ist, daß wie in Kasteins jüdischer Geschichte auch in dem neuen Buche der gedankliche Hintergrund von 'dem neuen Nationalismus, wie er jetzt in Deutschland in Schwane ist, von nationaler Romantik geformt wird. Und von einer unkritisch sondernden Bewertung. Kastein glaubt (und das ist ein heute in Deutschland oft gehörter Irrtum), daß das 19. Jahrhundert in seinem Individualismus, Humanismus, Liberalismus oder wie man es nennen wolle, . ein Chaos, ein Gewühl von Interessen und Neigungen, eine unverbundene und darum mit nichts wahrhaft verbundene Welt" hervorgebracht hat. Er irrt: das 19. Jahrhundert und der Beginn des 20. waren das Zeitalter des Nationalismus, der sich zusammenfindenden nationalen und Blutsgemeinschaften, und gerade die „Bejahung ihrer Interessen" hat zu dem Chaos geführt, das den Weltkrieg erzeugt hat und heute auf einen noch größeren zuläuft. Wollen wir dem Chaos entrinnen, genügt es sicher nicht, nur Individuum zu sein, ihr Heimfinden in die „Gemeinschaften des Blutes" führt aber kaum in einen „zeugenden Raum", wohl aber in eine Kampfstätte, wo nicht Individuum gegen Individuum, sondern Volk gegen Volk steht. Neue Bindung tut not, aber sie muß heute mehr umfassen als Blutsgemeinschaft und Volk, wenn wir das Chaos wirklich bannen wollen. Hans Kohn Charakterforschung durch Handschriftanalysen Preis v. Rill. 3.— an. Glänzende Erfolge! Dr- Fenk, MUnchen-Freimann Das Vertrauen unserer Kundschaft ist uns mehr wert, als eine einmalige Kundschaft, die wir mit „Unterpreisen" gewinnen könnten. Wenn wir an Waschmaterial sparen, greifen wir mit den billigeren Mitteln das Gewehe der Wäsche an und verlieren unsere Kundschaft. Wir halten aher fest an unserem besten Material und darauf beruht unser Erfolg. — Bitte überzeugen Sie sich durch einen Besuch unseres Betriebes wie schonend und hygienisch einwandfrei Ihre Wäsche bei uns behandelt wird. Wäscherei „Münchner Hausfrauenhilfe" Landwehrstraße 57/59 Fernruf 5 96 8 58 Aus der Gemeinde München Kranzablösungsspenden Bei Kranzablösungsspenden (vergl. die Bekanntmachung in Nr. 23 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1932) wird Quittung auf eine im Original zweifarbig ausgeführte Karte in nachstehender Form erteilt; diese wird den Hinterbliebenen idurch die Gemeinde übermittelt. zur ehßung des AndenKens von hAt eine KRAnzABLösungs spende zu gunstein deß wohLf AhRtspfLege anseßeß gemeinde üßeRwiesen. manchen, den__.19_ isßAeLitische KuLtusgemeinde manchen Weitere Kranzablösungsspenden sind eingegangen von: Frau Hermine Ellinger, Beethovenstraße, Frau Emma Marx, Elisabethstraße. Deutsch-Jüdischer Arbeitskreis Am Mittwoch, den 11. Januar, sprach Herr Dr.Werner Cahnm a n n im Rahmen einer Veranstaltung des Deutsch-Jüdischen Arbeitskreises über das Thema „Was bedeutet für uns der neue Nationalismus?" Der Vortragende skizzierte zuerst die historische Entwicklung des nationalen und rassischen Bewußtseins. Nach kurzem Eingehen auf die Problematik des Jüdisch-nationalen nahm er vom deutsch-jüdischen Standpunkt aus Stellung zum Nationalismus als politische Erscheinung und als Entwicklungsfaktor zur Bildung des „totalen Staats". An der sich anschließenden Diskussion beteiligten sich die Herren Josephthal, Winkler, Lamm und Obermaier mit interessanten Ausführungen, die ebenso wie der Vortrag selbst ein aufmerksam mitgehendes Publikum fanden. W.