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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1933-01-15 · 1 (15.1.1933) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1933
Issue
1 (15.1.1933)
Date
1933-01-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 1 zu dürfen. Man ahnt ja oft nicht, welch vielseitige Verwendung kunstvoll drapierte Tischdecken haben, welch malerische Wirkung mit den einfachsten Hilfsmitteln erzielt werden kann. „Tausend fleißige Hände regen....." Und wenn gar der Abend etwa zu Gunsten »der Ferienkolonien und ähnlicher Zwecke veranstaltet wird, dann möchte ich den sehen, der nicht willig Hand und Börse dem guten Zwecke öffnet. Eine wunderbare Aufgabe: Jugend hilft der Jugend! Von (den vorstehenden Gesichtspunkten aus gesehen, bedeuten Schulfeiern mehr als bloße Tändelei, sie schlagen die goldene Brücke zwischen dem grauen Alltag und fröhlichem Spiel, sie vereinen Alter und Jugend zu herzerfreuender Harmonie, sie lehren uns Große wieder, wie Avenarius singt: „Mit dem Auge fühlen, mit dem Herzen sehn", und lassen sinnlebendig in uns das Dichterwort verstehen: „Es liegt ein tiefer Sinn im kindschen Spiel!" Fernunterricht in Religion? Wenn jemand die Meinung vertritt, daß alles schon dagewesen sei, dann zeigt er damit, daß er noch vieles zu lernen hat. Die Beilage „Schule und Haus" im Israelitischen Familienblatt beweist immer wieder einmal, daß es Möglichkeiten gibt, von denen man bisher bei uns noch nichts wußte, die höchstens im Lande der „unbegrenzten Möglichkeiten" möglich waren. Wir alle wissen was für ein unermeßlicher Schaden dadurch entsteht, daß es viele jüdische Gemeinden gibt, in denen die Kinder ohne jede religiöse Belehrung aufwachsen. Wir haben auch schon oft Vorschläge gemacht, wie diesem Übelstande abgeholfen werden kann. Die Verwirklichung dieser Vorschläge stellt allerdings Anforderungen an den Opfersinn der jüdischen Gemeinschaft Ein viel „billigeres" Mitfei hat nun Herr Dr. Eugen Mayer, Frankfurt, in Nr. 1 der Beilage „Schule und Haus" des Israelitischen Familienblattes vom 5. Januar 1933 in Vorschlag gebracht. Er verlangt allen Ernstes — es soll wirklich kein Purimscherz sein! —, daß die beiden Unterrichtsausschüsse des Preußischen Landesverbandes gemeinsam einen „fortlaufenden schriftlichen Religionsunterricht, Wochenlektionen über Geschichte, Glaubenslehre und Hebräisch ausarbeiten, die dann wöchentlich von einer Zentralstelle aus unmittelbar an die in Betracht kommenden Kinder (von uns gesperrt. Schriftltg.) verschickt werden." Diese „religiösen Kurzbriefe" bieten, wie Herr Dr. Mayer meint, „eine neuartige und dankbare Aufgabe, deren Bewältigung nicht zu schwierig sein dürfte, wenn die geeigneten, d. h. die allerbesten Kräfte (auch begabte Junglehrer!) herangezogen werden". Sollen wir unseren wirklich unzureichenden Raum für den durchaus überflüssigen Nachweis der Unausführbarkeit eines solchen Vorschlages in Anspruch nehmen? Wir wollen lediglich der Meinung Ausdruck verleihen, daß ein Fernunterricht in Religion aus psychologischen, pädagogischen, methodischen und anderen Gründen eine vollkommene Unmöglichkeit ist und daß es etwas ganz anderes ist, ob erwachsene Menschen in modernen Sprachen und anderen Fächern Unterricht auf dem Korrespondenzweg erhalten, oder ob Kinder in die Lehren und in die Geschichte des Judentums eingeführt werden sollen. Wir stimmen dem Verfasser selbstverständlich zu, wenn er verlangt, daß „kein jüdisches Kind in Deutschland ohne Belehrung über sein Judentum aufwachsen darf". Verwirklicht kann diese Forderung aber nicht durch Einführung eines „religiösen Fernunterrichtes" werden, sondern nur durch Anstellung einer genügenden Zahl von Orts- und Bezirkslehrern. Das ist zwar keine »neuartige Aufgabe"; aber ein umso bewährteres Mittel zum Schutze gegen Entjudung und andere Zeitkrankheiten. Darum fordern wir wiederholt: Stellt Lehrer an! M.A. Vereinsmiffeilungen * 1. Personalien Wie wir sehr verspätet in Erfahrung gebracht haben, konnte unser Kollege, Oberlehrer Wechsler-Aschbach, im März vorigen Jahres auf eine 50jährige Tätigkeit in seiner Gemeinde zurückblicken. Wir nehmen gerne Veranlassung, unserem treuen Vereinsmitgliede noch nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Ad meoh w'esrim schonoh. Am 12. Januar feierte unser Vereinsmitglied, Oberlehrer Jakob Haymann in Rodalben seinen 60. Geburtstag. Wir entbieten unserem Freunde auch an dieser Stelle ein herzliches Masel tow. Lehrer Salomon Neumann in Kassel, Mitglied unseres Vereins, ist in die Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden eingetreten und hat sich der konservativen Fraktion angeschlossen. Wir freuen uns, daß der tüchtige Kollege jetzt Gelegenheit hat, sich für die Interessen der jüdischen Lehrer einzusetzen. Kollege Fulder-Treuchtlingen tritt Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Wir wollen jetzt schon unsere Kollegen auf die Lehrerstelle an der privaten Volksschule Treuchtlingen hinweisen. Mit dem Lehrarnte soll auch das Kantorat und die Schechita verbunden werden. . 2. Verwaltungssitzung Am 25. Dezember fand in Nürnberg eine Sitzung -der Verwaltung statt, in der eine Reihe vordringlicher Fragen zur Behandlung kamen. U. a. wurde beschlossen, die ordentliche Mitgliederversammlung für dieses Jahr wieder in Würzburg und zwar am 16. und 17. Juli abzuhalten. In den vereinigten Ausschüssen der Rabbinerkonferenz und des Lehrervereins, die am darauffolgenden Tage zur Besprechung der Lehrplanfrage zusammentraten, wurden Richtlinien für den Erstunterricht im Hebräischen angenommen, die an anderer Stelle zur Veröffentlichung kommen werden. 3. Reichsverband der jüdischen Lehrervereine Nach längerer, durch die Zeitverhältnisse hervorgerufener Pause fand im Anschluß an eine Sitzung des Jüdischen Lehrervereins für Preußen in Berlin am 3. Januar eine Ausschußsitzung, des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine statt. Der Preußenverband1 befaßte sich besonders mit der Errichtung einer Pensionskasse des preußischen Landesverbandes und der Lehrerbildungsfrage (Kölner Seminar). Im Mittelpunkt der Beratungen des Reichsverbandes stand die Frage der Venbandsorgane. Dabei wurde die Forderung absoluter Unabhängigkeit der Vereinsblätter als condicio sine qua non als Grundlage für die weiteren Verhandlungen festgelegt. Dem Schriftleiter der Verbandsorgane, Kollegen Steinhardt, wurde das einmütige Vertrauen ausgesprochen. Weitere Beratungsgegenstände waren Berichte der pädagogischen (Kommission, des Ausschusses für Jugendwohlfahrt und Stellungnahme zum Reichsverband der deutschen Juden. Die gefaßten Resolutionen werden in den jüdischen Zeitungen bekanntgegeben. 4. Adressen der Mitglieder Wir bitten unsere Mitglieder wiederholt und dringend in ihrem eigenen Interesse uns von einer erfolgten Wohnungsänderung unverzüglich Mitteilung zu machen. 5. Vereinsbeiträge Unter Hinweis auf § 12 unserer Satzungen machen wir darauf aufmerksam, daß der Mitgliedsbeitrag pro 1933 am 1. Januar fällig ist. Der Beitrag kann jedoch in zwei Raten und zwar bis 15. Januar bzw. 15. Juli gezahlt werden. München, den 8. Januar 1933. M. Rosenfeld M. Adler Bezirkskonferenz Fürth Die nächste Konferenz findet am Sonntag, den 22. Januar, statt. Blumenthal Einzahlungen im Dezember 1932 Von: Haymann, Rodalben 15.50; Oppenheimer, Fürth 10.—; Berlinger, Schweinfurt 10.—; Bamberger, Würzburg 16.—; Katz, Nürnberg 25.—; Hönlein, Nürnberg 25.—: Schapiro, Bamberg 30.42; Strauß, Eichstätt 10.—; Nußbaum. Neumarkt 25.—; Strauß, Frankfurt 8.—; Levite, Günzenhausen 14.50; Rosenstiel, Mutterstadt 15.—; Adler, Schweinfurt 15.—; Schloß, Mellrichstadt 12.50; Wetzler, Ludwigshafen 5.—: Eschwege, Würzburg 25.—; Freudenberger, Würzburg 7.50; Roberg, Würzburg 10.—; Oppenheimer, Bamberg 15.—; Martin. Haßloch 15.—; Glaser, München 10.—; Rosenwald, Frankfurt 15.—; Stein, Haßfurt 12.50; Zeilberger, Landau 25.—; Heß. Nürnberg 12.50. Würzburg 1. Januar 1933. Scheckkonto: Nürnberg 6479 M. Hellmann Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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