Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1933
- Issue
- 1 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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pnittellungen Des JüötMien feljrmierräs für flapern 1933 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. Januar Nr. 1 Der hebräische Unterricht auf der Unterstufe im Rahmen des Oesamtunterrichtes Von A. Berlinger (München) Schluß Ein Lesebuch darf nicht sein: 1. Ein Buch zur Erlernung der hebräischen Buchstaben nach •den bisherigen Grundsätzen eines Fibelunterrichtes. 2. Ein Buch zur Erlernung der Schriftformen nach der Schreibschwierigkeit geordnet. 3. Ein Buch, geordnet zur Erlernung der Technik des Zusammenlesens. 4. Ein Buch, in dem den Kindern eine Menge Leseschwierigkeiten vorgeführt werden, denn dadurch wurden die bisherigen Fibeln von allerlei Rücksichten auf die angeführten Punkte gezwungen, ein Konglomerat von allen möglichen und unmöglichen Inhalten ohne sprachliche Vollständigkeit und vielfach ohne Kindertümlichkeit zu werden. Wenn auch von den einzelnen Verfassern diese Mängel, teils mit mehr, teils mit weniger Geschick verdeckt werden konnten, so wird der psychologisch tiefer schauende Lehrer diese Mängel als lästig bei seinem Unterricht empfinden und bald darauf kommen, daß die neuen Fibeln den alten gegenüber den modernen Grundsatz berücksichtigen, daß die Kinder nur verstandene Worte lesen sollen. Ich glaube, daß ich mich über die Anforderungen, welche an ein weiterführendes Lesebuch zu stellen sind, hier in diesem Kreise nicht weiter zu verbreiten brauche. Jedenfalls möchte ich mich gegen einen, sich leicht bietenden Grundfehler wenden, der darin besteht, daß grammatikalische Rücksichten bei Abfassung des Lesebuches bestimmend wirken, wie es in zahlreichen Fibeln, bzw. deren Weiterführung, erfolgt ist Sinn und Zweck eines Lesebuches sind nicht die eines Sprachbuches. Es bleibt lediglich dem Ermessen des Lehrers überlassen, wie er ein hebräisches Lesebuoh für seine Sprachformübungen zu verwerten gewillt und imstande ist. Aus den Ausführungen ergeben sich in Kürze folgende Forderungen und Anträge: Die Verwaltung des Lehrervereins wird beauftragt: 1. a) Zur Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes für den Religions- und hebräischen Unterricht für Bayern mit den zuständigen Stellen in Verbindung zu treten. b) Die Aufnahme dieses Lehrplanes in die bayerische Lehrordnung (Landeslehrplan) anzuregen. 2. Der Lehrerverein möge in einer ihm geeignet erscheinenden Weise die Bearbeitung eines hebräischen Lesebuches in die Wege leiten, dieses, sowie andere für einen neuzeitlichen hebräischen Unterricht benötigten Lehrmittel zur Anschaffung empfehlen, beim Verband bayerischer israel. Gemeinden dafür eintreten, daß dieser die Beschaffung der Lehrmittel als eine seiner wichtigsten Kulturaufgaben ermögliche. 3. Der Lehrerverein möge anregen, daß der Religionsunterricht in möglichst organisatorischer Verbindung mit dem Volksschulunterricht gebracht wende. 4. Der Lehrerverein möge sich für eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl für den jüdischen Religionsunterricht einsetzen. Schulfeiern Von Dr. Siegfr. Keßler Das Schulleben hat für das Kind nicht nur Schattenseiten, es gibt auch Freuden und Lichtblicke: Frühstückspausen, Wandertage, Ferien und Schulfeiern, wobei letztere die Höhepunkte kindlichen Glücks darstellen, Einschnitte des Schuljahres, nach denen das Kind zu zählen pflegt, wie die alten Griechen nach Olympiaden oder unsere Altvorderen nach Jobeljahren. „Weißt Du noch, letzte Chanukkahfeier____?" oder: ..Noch drei Wochen— 14 Tage____und dann ist unser Purimf est!" Den ewig Grießgrämigen ins Stammbuch: „Nein, die Leistungen werden nicht ungünstig beeinflußt! Der Schulunterricht leidet nicht unter den Vorbereitungsarbeiten!" Im Gegenteil, er wird gefördert, der Unterrichtsstoff befruchtet, der Eifer verdoppelt, die Lust erhöht: es dürfen zur Belohnung ja nur die mitwirken, die neben natürlicher Eignung musterhaftes Betragen und dauernden Fleiß zeigen. Die Befolgung gerade dieses Grundsatzes wälzt dem Lehrerdramaturgen und -regisseur manch schweren Stein vom Herzen; denn wie könnte er alle angehenden Stars der Schauspiel-, Tanz- und ähnlicher Künste, die (nach mütterlicher Ansicht) nur in Hauptrollen auftreten sollen, beschäftigen? Dabei hat ein' richtiges Theaterstück doch nur Hauptrollen, ... wenn man es versteht, den Mitwirkenden klar zu machen, daß ein Jeder an seiner Stelle in Erfüllung seiner Aufgabe zum Gelingen des Ganzen beitragen kann. Ja. liebe Eltern, überlaßt die Regie widerspruchslos diesmal nur dem verantwortlichen Lehrer, und ihr erlebt das blaue Wunder, Kinder zu sehen, die sonst das Haus tyrannisieren, hier aber sich aus Gemeinschaftssinn freudig in das Kollektiv unterordnen lernen, und solche, die scheu und zurückhaltend im Leben und Haus sich geben, hier aus sich herausgehen und ohne Ziererei Kräfte und Anlagen offenbaren, die bis dahin auch den Nächsten unbekannt waren. Doch darin nicht allein sehe ich die hohe Bedeutung der Schulfeiern. Sie bringen Schule und Elternhaus einander näher und geben der echten Lehrerpersönlichkeit willkommenen Anlaß, in feinsinniger Weise,-ohne aufdringliche Moral, durch die Programmgestaltung auf das Elternhaus einzuwirken. Durch das Programm, das Schmerzenskind all derer, die sich einmal damit befassen mußten. Drum sei hierüber ein besonderes Wörtlein gesagt. Ich stelle zwei Forderungen an das Programm: es muß literarisch wertvoll sein und vor allem eine jüdische Note tragen, womit in engherziger Weise durchaus nicht einem nur-jüdischen Programm das Wort geredet werden soll; denn ich verkenne durchaus nicht 'die Schwierigkeiten, die sich der Erfüllung gerade dieser Forderung entgegenstellen. Daß es möglich ist, und daß man sogar edn Programm mit einheitlichem Thema zusamenstellen kann, glaube ich selbst vor einigen Jahren bewiesen zu haben, als ich eine Chanukkahfeier mit dem Motto veranstaltete: „Die jüdische Frau im jüdischen Heim!" Lebende Bilder (nach Motiven von Oppenheim) zeigten das Wirken der Frau an den Festtagen des Jahres, Gedichte jüdischer Autoren bereiteten den Inhalt der einzelnen Bilder vor, die jüdischen Festweisen, gesungen und gespielt, erklangen, den Stimmungsgehalt sinnvoll untermalend, und zum Schluß zeigte ein Märchenspiel die jüdische Mutter als Helferin ihrer Kinder, auch beim Hebräischen!! In ähnlicher Weise kann man biblische Szenen vor Augen führen oder, wie ich es kürzlich erleben durfte, ein biblisches Schauspiel, von Jugendlichen nach dem Bibelwort selbst verfaßt, in mustergültiger Weise darstellen. An Stoffen fehlt es nicht. „Greift nur hinein" oder schaut euch in den Dichtungen der Weltliteratur um, denn manchmal genügen ja auch Einzelszenen, in denen jüdisches Wesen und jüdischer Geist vorbdldlich dargestellt werden. Und gibt es nicht eine Fülle hebräischer und jüdischer Lieder, die, von frischen Kinderstimmen gesungen, unsere Herzen höher schlagen lassen? Und warum nicht auch einmal hebräische Szenen in der Originalfassung?1 Wenn dann, etwa im zweiten Teile des Abends, „weltliche" Literatur urid Humor zu ihrem Rechte kommen, wohlgemerkt: „Literatur", dann dürfte auch durch dieses Synthese der Abend in harmonischer Weise ausklingen. Aber die Kosten!!?? Die sind recht gering, denn welche Freude bereitet es den Kindern, aus Papier und sonstwie billigen Stoffen sich die Kostüme und Requisiten selber herstellen 1 Daß auch das möglich ist, bewies uns jüngst die Israelitische Volksschule München in ihrer Schulfeier, die auch sonst auf beachtenswerter und vorbildlicher Höhe stand.