Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 9tr. 2 Nahum Goldman, dessen Auftreten auf dem jüdischen Weltkongreß in Genf noch in Erinnerung ist, wird über Das. jüdi-sche Volk in der Weltkrise sprechen. Man geht nicht fehl in der Annahme, wenn man sich vom Vortrag Goldmans einen ganz besonderen Eindruck verspricht. Eintritt für Erwachsene RM. —.50, für Jugendliche RM. —.30. Bücherschau Rudolf Thiel, Die Generation ohne Männer. Paul Neff Verlag, Berlin 1932. 484 Seiten. Kart RM. 5.50. Der Verfasser ist groß in knalligen Formulierungen und in der wirkungssicheren Herausstreichung der Schlagzeile. Die selbständigen Gedanken bleiben hinter den mit großen Buchstaben geschriebenen Worten in schmerzlicher Weise zurück. „Dieses Buch ist ein Krieg", so beginnt Thiel. Der Krieg gilt: Shaw („oder die Romantik des Common Sense"), Freud („oder der Selbstverrat der Wissenschaft"). Rathen au („oder die Politik der Unpolitischen"), Stefan George Nierenu. Zuckerkranke beachten Sie bitte die neuesten großen Erfolge mit iWfy ES Ueberkinger Adelheidquelle („oder der Krampf in der Kunst"), Thomas Mann („oder die Ironie aus Mangel an Stolz"), Oswald Spengler („oder die Wollust des Untergangs"). Der Kampf gegen diese Männer wird im Namen Nietzsches geführt, leider eines nicht genügend durchgearbeiteten Nietzsche, aus dem leicht große, paradoxe Schlagworte herausgeschnitten werden können. Thiels Sache läuft daraus hinaus, daß dem wollenden, schöpferischen Menschen, nicht dem Wissenden, Zweifelnden, Vorsichtigen die Welt der Zukunft gehöre. „Wir brauchen Zucht und keine Züchtung." „Wir brauchen nichts als einen neuen Willen, gründlich entgegengesetzt den Idealen und Instinkten die wir heute haben." Der Weg zu diesem gut klingenden, aber geistesleeren Ergebnis ist wichtiger als dieses selbst. Den Weg weiß Thiel in der Tat sehr kurzweilig und nie ermüdend zu führen, denn Shaw, Freud, Rathenau, George, Mann, Spengler sind nichts weniger als langweilig; und von ihrer Kurzweiligkeit, ihrem Esprit, ihrer Politik, ihrer Wissenschaft, Kunst, Weltanschauung lebt das Buch, das sie in seitenlangen Auszügen im Namen der unbewußten Seelenkräfte, des „höheren Menschen", bekämpft. Sigmund Freuds Denkmethoden werden von Thiel nicht als Forschung anerkannt; die Lehre Freuds sei durch Suggestion und Autosuggestion zustande gekommen. Er findet scharfe Worte gegen die unmännliche Generation, die die Freudsche Deutung der „Abfälle des Alltagslebens" (die Freudschen „Fehlleistungen" sind gemeint) so beifällig aufnimmt und sich eine Brille aufsetzt, die das Nächste, Kleinste, Dümmste ungeheuer übertreibt, verzerrt, vergrößert. Thiel liebt seine eigenen unbewußten Seelenkräfte und will sie behalten wie sie sind, gefährlich, explosiv, gierig nach dem Verbotenen. Gefürchteten, geneigt z<u neurotischen Extravaganzen. Glimpflicher verfährt er mit R a t h e n a u. Seine Tragödie wird umsichtig und nicht ohne Feingefühl aus dem Zwiespalt zwischen Judentum und Deutschtum abgeleitet. „Das Schicksar Rathenaus beweist, daß Rasse kein Problem ist, wie ein gelehrtes Jahrhundert haben wollte, sondern eine der lebendigen Tatsachen des Lebens, Quell der Kräfte, Quell der Kämpfe." Das mehr als 100 Seiten starke Rathenau-Kapitel gehört in der großen Rathenau-Literatur (vgl. auch Neumann „Ein Held" und Musil „Der Mann ohne Eigenschaften") zu den kundigsten Stücken. — Allein Thiel huldigt nun einmal den Götzen der Zeit: dem Irrationalismus und dem wissensblinden Heroismus. Das eitle Generalmotiv Kampf der Unmännlichkeit verdirbt dem Verfasser jdie besten Einsichten; in dieses Schema werden seine sechs Gestalten unnachsichtig hineingezwängt und zu tragischen Figuren mangelnder Männlichkeit umgedichtet. An diesem Komplex der Schlagzeile scheitert der Autor. F. Martin Buber, Die Legende des Baalschem. Schoken-Verlag. Berlin 1932. 276 Seiten. Preis: Ganzleinen RM. 2.85. Diese um ausführliche Erklärungen erweiterte Neuausgabe ist wegen ihrer ausnehmend schönen typographischen und sonstigen 'buchgewerblichen Ausstattung bei billigstem Preis zu rühmen. Die Legende des Baalschem erschien zum erstenmal vor 25 Jahren im Jahre 1908, eine veränderte Neuausgabe 1916. Welche Stellung diese „Geschichte einer Berufung" im Gesamtschaffen Bubers einnimmt, hat zuletzt Hans Kohn in seiner ausgezeichneten Buber-Biographie (1930) näher beschrieben. F. Josef Hofmiller, Pilgerfahrten. Bei Jakob Hegner in Leipzig (1932). „Bayerns Frühgeschichte spielt sich von der geistigen bis in die Bodenkultur ab zwischen den Stiften von Salzburg, Tegernsee und Freising. Wer Freising nicht kennt, kennt Altbayern nicht." Der Gang, auf dem wir Hofmiller durch die bekannten Stätten von Burghausen, Freising, Ottobeuren, der Wieskirche bei Steingaden, Memmingen; begleiten, ist ein genuß- und lehrreicher Kursus der bayerischen Kulturgeschichte. Ebenso schön und unmittelbar die Fahrten in den Süden! „Heute ist es Mode, nur das Deutsche, das vermeintlich Germanische gelten zu lassen, es gar gegen das Südliche auszuspielen. Was verspricht man sich von dieser gut gemeinten Borniertheit? Hat man nicht im Gegenteil, je mehr man sich bemüht, Deutschland sehen zu lernen, desto feierlicher das Gefühl, im unendlichen abendländischen Raum zu stehen, der von Monreale bis Drontheim reicht und von Ghartres bis Krakau? Gilt dies nicht sogar von Herr Professor Dr. med. Joh. Duck staatl. Professor an der Handels-Akademie in Innsbruck schreibt am 28. Juli 1932: Gerne bestätige ich Ihnen auch unmittelbar, was ich Ihrem Herrn Vertreter hier schon wiederholt mündlich gesagt habe: Mit der Adelheidquelle habe ich seit den 2% Jahren, die ich sie in der Praxis verwende, eine ganze Reihe sehr beachtenswerter Erfolge, von denen folgende 2 Fälle ganz besonders beachtenswert sind: Fall A: 4jäbriges Kind, seit 1V2 Jahren post-anginöse Nephritis im längst chronischen Stadium; alle klinische und private Therapie vermochte keine Eiweiß-Freiheit zu erzielen; auf ausschließliche Anwendung ihrer Adelheidquelle nach 6 Wochen keine Spur von Albuinen, der Zustand hat sich seitdem — 2 Jahre — gehalten, das Kind ist aufgeblüht und hat nie mehr Eiweiß im Harn gezeigt; es trinkt noch täglich früh ein Glas Adelheidquelle. Fall B; 52jährige Dame, seit vielen Jahren Diabetes Mellitus; trotz langer klinischer und privater Insulin-Behandlung nie ganz zuckerfrei; nach 3 Monaten Adelheidquelle — ohne Insulin-Behandlung — vollkommen zuckerfrei;seither — 2 Jahre — nur einmal sehr wenig Zucker nach grobem Diätfehler; der Zucker verschwand bereits am 2. Tage wieder; Patient trinkt ebenfalls morgens ihr Glas Adelheidquelle. Ich halte überhaupt die regelmäßige Anwendung der Adelheidquelle auf nüchternen Magen für das beste, und sehr viele meiner Patienten, besonders ältere, nehmen ebenso wie ich selber täglich ohne Ausnahme prophylaktisch nüchtern morgens ein Glas ^Adelheidquelle und fühlen sich außerordentlich wohl dabei, wohl auch infolge der Stuhlregelung. Ich möchte diese Quelle nicht mehr aus meinem Arzneischatz misse-n.