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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-12-15 · 11 (15.12.1932) · p. Seite 30

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
11 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
Seite 30 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 31 Vereinsmitteilungen 1. Personalien. Vor einigen Wochen feierte unser Kollege Joseph Kissinger in Frankenwinheim seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar, der zu den Gründungsmitgliedern unseres Vereines zählte und in Frankenwinheim mehr als 50 Jahre segensreich gewirkt hat, entbieten wir auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche. Dem Kollegen Julius Kissinger (München) wurde der Titel Hauptlehrer verliehen. -v Die ReMgionslehrerstelle Geroda (mit den Fildalgemeinden Unterriedenberg und Völkersleier) wurde dem Schulamtsbewerber Nathan Kahn aus Kleinbardorf übertragen. 2. Volksschullehrerstelle in Speyer. Die letzte Nummer der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung enthält eine Bekanntmachung des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden, wonach die Stelle eines Volksschullehrers an der Volksschule in Speyer mit sofortiger Wirkung zu besetzen ist. Wir machen unsere Kollegen auf dieses Ausschreiben noch besonders aufmerksam. 3. Erholungs- und Altersheim für Lehrer und Kantoren E. V. in Bad Ems. Einem Berichte über die 2. Hauptversammlung des Vereines entnehmen wir, daß das Heim trotz der schwierigen Zeitverhältnisse sich weiter gut entwickelt. In dem Heime sind als Dauerinsaßen 7 Personen untergebracht. Außerdem war die Anstalt in diesem Sommer von'94 Personen besucht. Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt 699, darunter 622 Lehrer und Kantoren, 27 Rabbiner, 12 andere'Beamte und 30 Lehrerinnen und Lehrerwitwen. Es besteht Veranlassung im Kreise unseres Vereines, auf dieses Heim, das als .segensreiche Einrichtung allgemein bekannt ist, hinzuweisen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 5 RM., für Pensionisten 3 RM. Die Förderung der Anstalt sollte allen Kollegen eine elbstverständldche soziale Pflicht sein. 4. Vereinsbeiträge. Nach Mitteilung unseres Kassiers sind noch eine große Anzahl von Mitgliedern mit ihrem Beitrage für 1932 im Rückstände. Wir müssen die Säumigen dringend und nachd rück lieh st an ihre Pflicht erinnern und bitten sie umgehend ihre Beitragsschuld zu begleichen. Wir können unsere sozialen Aufgaben, die in dieser Notzeit uns besonders am Herzen liegen, nur dann erfüllen, wenn jedes Vereinsmitglied seine Pflicht tut. München, den 8. Dezember 1932. M. R o s e n f e 1 d. M. A d 1 e r. Zahlungen im Oktober 1932 Von: Brückheimer, Marktbreit 12.50; Liffgens, Memmingen 13.50 Oppenheimer, Fürth,10.—; Manes, Nürnberg, 15.—,; Blum, Nürnberg, 25.—; Stein, Regensburg 7.50; Heller-Adder, Königshofen i. Gr. 15.—; Kahn, Gaukönigshofen 25.—; Adler, München 12.50; F. Kissinger, München 12.50; J. Kissinger, München 12.50; Derselbe: Tedegr. Ablösung 2.—. Einzahlungen im November 1932 Von: Heß, Miltenberg 15.—; Orpenheimer, Fürth 10.—: Neumann, Kassel 20.—; Bernstein, Zweibrücken 12.50: Grünebaum, / Obbach 25.—; Kissinger D., Würzburg 15.—; Adler, Frankfurt 18.—; Lamm, Pirmasens 25.—; Wormser, Nürnberg 18.—; Kissinger S., Würzburg 7.50; Reinhold, Forchheim 25.—; Rülf, Nürnberg 15.—; Steinberger, Kissingen 25.—; Sulzbacher, Nürnberg 10.—; Ochsenmann, Frankfurt 8.—; Kissinger J., Frankenwinheim 15.—; Kissinger M., Frankemvinheim 15.—; Strauß, Weiden 10.—; Geßner, Rostock 15.—; Kurzweil, Otlingen 25.—; Sonn, Fulda 20.—; Uhlfelder, Nürnberg 10.—; Heimann, Augsburg 10.—; Wetzler, Ludwigshafen 7.50; Wiedemann, Landau RM. 15.^—. Die Kollegen werden ersucht, den Beitrag für 1932 baldmöglichst auf unser Konto: Nürnberg 6479 einzuzahlen. Würzburg, 1. Dezember 1932. M. Hellmann. Büchersdiau Dr. Desiderius Breitenstein O. F. M., Die sozialistische Erziehungsbewegung. Ihre geistigen Grundlagen und ihr Verhältnis zum Marxismus. VIII und 207 S. Freiburg im Breisgau 1930. Herder. Die sozialistische Erziehungsbewegung hat besonders durch eine ihrer Formen, die „K i n d e r f r e u n d e“ — vergl. den Artikel „Kinderfreunde“ im Lexikon der Pädagogik der Gegenwart, I. Band S. 1342 — die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gelenkt. Daher wird die Schrift Breitensteins, welche die geistigen Grundlagen der sozialistischen Erziehungsbewegung darzustellen versucht, besonders den im Lehr- und Erziehungsberuf Stehenden willkommen sein, zumal jene Darstellungen, die sich bisher mit der Kinderfreundebewegung beschäftigen, mehr das Leben in den Kinderrepubliken schildern als die geistigen Grundlagen nahebringen, auf denen die Kindergemeinschaften sich aufbauen. Nur einiges aus der sehr aufschlußreichen Schrift mit vielen Literaturangaben können wir hervorheben. Der Ausgangspunkt der Untersuchung, welche auch den Gegensatz: Pädagogik als Norm- und Seinswissenschaft ins Licht stellt, ist die Lehre von Marx und Engels. Auf den Revisionismus wird Bezug genommen, weil er als Bindeglied zwischen Marxismus und den parallellaufenden Richtungen innerhalb der sozialistischen Erziehungsbewegung von Bedeutung ist. Die r evi si.o ni s t i s ch - marxistische und die marxistisch-idealistische Erziehungsbewegung wird dargestellt, ferner auch jene, die vom marxistischen Sozialismus sich abwendet und auf idealistischer Grundlage sich aufbaut. Die Bemühungen von Löwenstein, Max Adler, Radbruch, Rühle, Kanitz, K a - werau, Hendrik de Man, Beyer u. a. werden eingehend gewürdigt. Es werden auch die Zusammenhänge der sozialistischen Theorieen. mit den Gedankengängen des Neukantionismus — Vergl. Paul Eggsteins sehr beachtliche Feststellungen im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik LX (1928) 449 ff., auf die, mit ihnen übereinstimmend, Breitensteinhinweist — und der Individualpsychologie Alfred Adlers aufgezeigt. Breitenstein hält sich in seinen Darlegungen von jeder unsachlichen Polemik fern, obwohl das Weltanschauliche zu seinem Rechte kommt. Wir können auch von unserem jüdischen Standpunkte aus jenen kritischen Bemerkungen, die sich von den sozialistischen Erziehungsbewegungen distanzieren, zustimmen. Wenn z. B. Breitenstein hervorhebt, daß der Kausalismus, die beherrschende Grundidee der sozialistischen Erziehungstheorie, wie sie von Löwenstein und Adler aufgestellt worden ist, einen unüberbrückbaren Gegensatz von Marxismus und Katholizismus begründet, so können wir das gleiche auch im Hinblick auf unsere jüdische Auffassung und Haltung sagen. Wir stimmen Breitenstein durchaus zu, wenn er sagt: „Vom Kausalismus her leitet sich die^Leugnung der Willensfreiheit und die Aushöhlung des Wesens der Persönlichkeit, die nur als Glied der Gemeinschaft gesehen wird und von der Gemeinschaft aus Wert und Würde erhält.“ S. 165. Eine uneingestandene Korrektur der kausalistischen Grundauffassung erblickt übrigens Breitenstein mit Recht in der Tatsache, daß man in der sozialistischen Erziehungsbewegung die ..in aller Schärfe betonte intellektualistische ,Ethik4 noch nicht für zulangend ansieht, und stärkste Gefühlspflege (Jugendweihe, Feste. Fahnen, Abzeichen) und Verantwortung für notwendig hält“ S. 166. Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher in Bad Dürkheim. r i , , j i Mathen *» HW;chiHer5tr- Für den Inhalt der „Mitteilungen“ verantwortlich: Max Adler, München

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