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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-12-15 · 11 (15.12.1932) · p. Seite 28

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
11 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
Seite 28 (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen Des Milchen ieljrenwetns für Vapem Sehr!ftleitun g: Max Adler, München 1932 München, 15.Dezember Nr. 11 Der hebräische Unterricht auf der Unterstufe im Rahmen des Gesamtunterrichtes Von A. Berlinger (München) Der Lehrer kann nun jedes beliebige Wort, das er im Gesamtunterrichte gehabt hat, diesem Kasten entnehmen. Jederzeit sind die im Unterricht vorkommenden Wörter bereit. Der Lehrer zeigt sie den Kindern, die Kinder selbst dürfen sie vorführen, die Wörter werden sofort auf geeignete Weise eingeübt, und die Kinder setzen sie dann in ihren Lesekästen. Wenn nun der Lesekasten wieder eingeräumt ist, verschwinden damit nicht auch die Wörter, so, wie es früher gewesen war. Die Täfelchen bleiben an einfachen, an der Schulwand entlanggezogenen Drähten so lange hängen, so lange man ihrer zur Einprägung des Wortbildes, zur Einübung und zur Leseübung bedarf. Durch diese Täfelchen wird es auch nie an Stoff zur Leseübung mangeln, und zwar zur sinnvollen. Um mehr Wörter aufhängen zu können, habe' ich eine praktische Einschiebtafel aus Sperrholz gemacht. Es werden sich nun bald nach Erlernung einiger Buchstaben kleine Sätzchen bilden lassen. Man kann den hebräischen Unterricht vollkommen in den anderen Unterricht einbauen, und es können die Wörter genommen werden, die sich zwingend aus dem Sachunterricht ergeben. Dieses ist mir unmöglich, wenn ich mich mit der Erlernung des Buchstabenmaterials. an den Gang einer in den Händen der Kinder befindlichen Fibel halten muß. Der hebräische Unterricht darf nicht durch den Gang der Erlernung des Buchstabenmaterials erschwert, und beeinflußt werden und nicht vom Gesamtunterrichte deshalb isoliert dastehen. Darum bin ich der Ansicht, daß es im ersten Schuljahr überhaupt keiner Fibel bedarf, daß diese im Gegenteil im fortschreitenden Unterrichte hinderlich sein kann. Das erste Buch, das die Kinder in die Hand bekommen, sollte ein jüdisches Lesebuch sein. Mit Hilfe der immer fortschreitenden Erlernung der Buchstaben und der Schreibung der bereits im Sprech- und Sachunterrichte erfaßten Wörter und Tätigkeiten fertigen sich die Kinder mit Zuhilfenahme von Illustrationen (Farbstifte) selbst ihre Fibel und haben an dem selbstgefertigten Heft sicher mehr Freude als an der ihnen in die Hand gegebenen Fibel. Bei Kindern, die längere Zeit gefehlt haben, muß auf Vervollständigung ihres Heftes besonders geachtet werden. Durch das nachher erwähnte Wortkästchen wird dies nicht schwer sein. Ein nachteiliger Umstand ist bis jetzt der, daß wir keine geeignete einheitliche Liniatur haben für die hebräische Quadratschrift. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn ein für das ganze Land verwendbares hebräisches Heft herausgebracht würde. Die quadradierten Rechenhefte, die wir bisher benützen, sind ein Notbehelf, weil, keine anderen da sind. Es sind sicher viele Kollegen, .die geeignete Vorschläge dahingehend machen können. Wenn einmal die Kinder so weit sind, daß das ganze Buchstabenmaterial ihnen vermittelt ist — was wohl bis zu den Weihnachtsferien geschehen sein dürfte — und die Eintragungen ins Heft gemacht werden können, tritt selbstredend der Lesekasten in seiner Verwendung gegenüber dem Hefte in den Hintergrund. Es ist nun zu überlegen, ob es nicht gut wäre, auch einen Wortkasten für die Hand des Schülers zu schaffen. Die Durchführung würde etwa folgendermaßen gedacht sein: wenn die neuen Worte und Wortarten durchgenommen, dargestellt und geschrieben sind, erhalten die Kinder die auf kleinen Kärtchen vorgedruckten Wörter zum Einlegen in ihr nach Wortarten eingeteiltes Kästchen analog dem großen Kasten in der Schule. Das Kästchen wird gewöhnlich zu Hause gelassen und nur zeitweise auf Verlangen oder zur Kontrolle zur Schule mitgenommen. Wenn man nun den Kindern .noch gestattet auf die leere Rückseite das durch das Wort dargestellte Bild zu malen, ist dies eine freudige nutzbringende Beschäftigung. Ich habe im vorigen Jahr den dahingehenden Versuch gemacht, den Kindern ein solches Wortkästchen hersteilen zu lassen, bin aber wieder davon abgekommen, weil die Kärtchen nicht bedruckt waren und die Beschreibung durch die Kinder zu viel Zeit in Anspruch nahm. Aber wenn die Kärtchen bedruckt ausgegeben werden, dann ist’s den Kindern eine Freude. Sie fühlen dadurch das stete Fortschreiten in der Ergänzung ihres Wortschatzes, tun sich beim Einlernen leicht, legen zuhause die Kärtchen nach allerlei Gesichtspunkten zusammen, bilden sich Sätzchen durch Legen, arbeiten der Anlage eines Vokabelheftes vor. Wenn man-bedenkt, was für eine Freude ein solches Kästchen macht, wie dadurch das spätere Chumeschlernen vorbereitet werden kann und wie das Kind zur häuslichen Selbstarbeit und Selbsterarbeitung angehalten wird, so glaube ich, daß ein solches Wortkästchen noch ein begehrtes Lehrmittel werden kann. Die Anschaffungskosten im Großen können sicher keine bedeutenden sein. Je mehr der Wortschatz bei den Kindern reicher und die Sicherheit im Schreiben größer geworden . ist, desto enger kann sich der hebräische Unterricht an den Gesamtunterricht anschließen und dadurch, fester mit ihm verknüpft, seelisches und geistiges Eigentum des Kindes werden. Das dritte Trimester dient zur Verknüpfung des Sprachschatzes, seiner Erweiterung, seiner Übung. Inhaltlich benützt man dazu Bildbetrachtungen, Erzählungen, Reihenbildungen, Darstellungen aus der biblischen Geschichte. Darstellungen aus dem Ablauf des jüdischen Jahres, im Sprechunterricht erarbeitete Vokabelreihen, Rätsel, kleine Gedichtchen und Liedchen und dergl. Es beginnt in möglichst enger Verbindung mit-dem Gesamtunterricht ein freudiges Arbeiten in der Darstellung des Sprachschatzes, das gleichzeitig durch die immerwährende Wiederholung höhere Sicherheit und größere Geläufigkeit und zunehmende Bereicherung der hebräischen Sprache verleiht. Bietet z. B. der Sachunterricht die Einheit „Herbst“ oder ..Früchte des Herbstes“, kommen im jüdischen Unterrichte die Obstsorten und die wichtigsten Brochaus zur Behandlung. Man wird eben auf diese Weise versuchen, immer enge Verbindung mit dem Gesamtunterrichte herbeizuführen. Zum Beispiel: :Va’“ 17'?y nyoy us ns Try “tron Was ist am Schuljahrsende erreicht? „1. Durch die weitestgehende Anwendung der arbeitsschulmäßigen Gestaltung, durch innige Konzentration mit dem Gesamtunterricht, durch kindertiimliche und kindsgemäße Methode sind die Kinder am Ende des ersten Schuljahres in den Besitz eines etwa 150 bis 200 Wörter umfassenden, in sich nach allen Seiten begrifflich und gedanklich verwobenen Sprachschatzes gelangt. 2. Der mustergültige Vortrag des Lehrers, die fortwährende, mit immanenter Wiederholung durchsetzte Übung im Sprechen entzündet ein hebräisches Sprachgefühl als den Keimboden für das selbständige Wachstum des Sprachvermögens und Grundlage eines phonetisch richtigen und inhaltlich verstandenen Lesens hebräischer Texte. 3. Ein zunächst unbeabsichtigter, aber naturgemäß sich, ergebender Erfolg besteht in der Erlernung der Ouadratschrift, und in der Fähigkeit, lauttreue Wörter aus dem Gedächtnis niederzuschreiben. 4. Die im Schüler geweckte Freude an ihrem inneren geistigen Wachstum, die erzeugten Erkenntnis- und Gefühlsdispositionen für das Hebräische gründen Neigung und Fähigkeit zu weiterem Fortschritt, sich letzten Endes auswirkend zu einem verständnisvollen Auffassen des in unserem heiligen Schrifttum niedergelegten religiösen Bildungsgutes.“ . Im zweiten Schuljahr handelt es sich zunächst um eine Zusammenstellung der erlernten Vokabeln und deren Ergänzung mit den wichtigsten Wörtern. Es werden diese Reihen auf Tafeln oder auf Stoff aufschabloniert und von den Kindern in ein Vokabelheft eingetragen, vielleicht mit Bildern,

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