Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 23 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 361 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 361 Vorzügliche Betten Hotel Bayerischer Hof DienstanrGast Augsburg. Aus der Gemeinde Augsburg Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Augsburg Am 5. November 1932 fand eine sehr stark besuchte ordentliche Mitgliederversammlung statt. Die erfreulich anregende und lebhafte Aussprache zeigte den Wunsch und den Willen unserer Kameraden, die uns als jüdische Frontsoldaten zufallende Aufgabe zu erfüllen, aufklärend und vermittelnd auf weiteste Kreise zu wirken. Die Neuwahlen ergaben, nachdem unser langjähriger 1. Vorsitzender, Kamerad Oberdörfer, eine Wiederwahl abgelehnt hatte, folgendes Ergebnis: 1. Vorstand: Kam. Untermayer; 2. Vorstand: Kam. Wormser; Schriftführer: Kam. Dr. H. Raff; Kassier: Kam. Farnbacher. Am Trauertage für die Gefallenen, dem 13. November, fand, gleichzeitig mit den Gottesdiensten in den katholischen und protestantischen Kirchen, ein Trauergottesdienst in der Synagoge statt.- Anschließend-.daran . hielt unser Bund noch eine Trauerfeierlichkeit am Ehrenmal für die Gefallenen im israelitischen Friedhof ab. Bei den Feierlichkeiten des „Bayerischen Kriegerbundes“, des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ und des „Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ waren wir auf Einladung der genannten-Verbände durch Abordnungen vertreten. Israelitischer Frauenverein Augsburg Wir machen unsere verehrten Mitglieder darauf aufmerksam, daß anfangs Dezember die Sammelbüchsen abgeholt werden und bitten derselben jetzt noch’freundlich zu gedenken. Wir hoffen, trotz der Schwere der Zeit, auch in diesem Jahr wieder auf. einen ansehnlichen Erfrag den wir für eine Kohlenspende zu Chanukka verwenden werden. Heute schon sei für jeden Betrag herzlich gedankt.. Aus der Gemeinde Bamberg Jüdischer Jugendverein E. V., Bamberg I. Interne Veremsabehde:-Donnerstag, 8. Dezember, Rezitationsabend, Leitung Fritz Ehrlich, Bamberger Hof; Donnerstag, 22. Dezember, Chanukka-Abend, Harmonie. II. Arbeitsgemeinschaften: Donnerstag, den 1. Dezember, Donnerstag, den ,13. Dezember. Leitung: Herr Rabbiner Dr. Kalten, Bamberger Hof; Frau Rabbiner Dr. Katten (siehe Aushang). III. Turnen für Herren: jeden Dienstag 20.30 Uhr: für Damen: jeden Montag 20.50 Uhr Fischereiturnhalle. Aus bayerischen Gemeinden Wiederbesetzung des Rabbinates Burgpreppach Das durch die Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Ephraim zum Rabbiner von Bad Kissingen. frei gewordene Bezirksrabbinat Burgpreppach, mit dem auch die Leitung der jüdischen Bürger¬ und Talmud Thora-Schule dort verbunden ist, wurde nunmehr wieder besetzt. Die Wahl fiel auf.Herrn Rabbiner Saul Munk ,in Berlin, den ältesten Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Meier Munk und Schüler des Berliner Rabbinerseminars. Mögen dem neuen Führer des Bezirks,recht viele Jahre gesegneten Wirkens in Burgpreppach, der alten Thoralehrstätte, beschieden sein! ■ i hi }:■. Aus dem Reiche Der Allgemeine Rabbinerverband und die Not des deutschen Judentums Die ordentliche Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbändes fand am 15. und 16. November in Mainz statt. Die Beratungen begannen am Abend des 15. November mit der Erstattung des umfangreichen Geschäftsberichtes durch Rabb. Dr. Dienemann, Offenbach. Das Hauptreferat hielt Rabb. Dr. Wiener, Berlin, über „Jüdische Lehre und Jüdische Theologie“. Der Referent und die zahlreichen Diskussionsredner bemühten sich um eine systematische Grundlegung des jüdischen Lehrinhaltes in Auseinandersetzung mit den mannigfachen Richtungen und Anschauungen im Judentum der Vergangenheit und den Strömungen innerhalb der. christlichen Theologie der Gegen- Der als Gast anwesende Professor Dr. Isrnar Elbogen, Berlin, berichtete im Namen der Anstalten, die der wissenschaftlichen Erforschung des Judentums und der Ausbildung der Rabbiner gewidmet sind, über die katastrophale Lage dieser Institute und die zur Abhilfe unternommenen Schritte. Unter dem Eindruck des Berichtes beschloß die Versammlung eine Resolution, mit der Mahnung an die eigenen Mitglieder, ihre Gemeinden auf den eingetretenen Notstand nachdrücklich hinzuweisen und ihnen die Verpflichtung gegenüber den Stätten der jüdischen Wissenschaft zum Bewußtsein zu bringen. - - - ■ ■ Die eingehende Diskussion bezog sich sowohl auf die Erörterung praktischer Hilfsmaßnahmen für die Gemeinden und die einzelnen als auch auf die Erörterung der Gefahren, die den Gemeinden und dem Judentum aus dem Abfall ringender und erregter Jugend erwachsen. Zum' ersten Vorsitzenden des Verbandes wurde Dr. B a e c k, Berlin, wiedergewählt. -- Über den Hauptvortrag Dr. Wieners und-die sich daran schließende Diskussion entnehmen wir dem Bericht von Herrn Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden, aus der Jüdischen Wochenzei: tung für Nassau (vom 18. Nov.):" Wiener versuchte in seinem Vortrag eine Auseinandersetzung mit der neuen „dialektischen Theologie“ des Protestantismus. Er geht mit ihr von der Tatsache der Offenbarung aüs, die nicht bewiesen werden kann, aber auch nicht bewiesen zu werden braucht, die aber auch nicht auf der Bibel beruht und deshalb von den Problemen der Bibelkritik nicht berührt wird. Als den Kern der speziell jüdischen Offenbarung bezeichnete er nicht die Existenz Gottes oder die Ethik, sondern den Bund des allwaltenden Gottes mit Israel,-die Erwählung dieses partikularen Volkes von dem universalen Gott, u. z. diese Tatsache nicht als die Binsenwahrheit angesehen, daß geschichtlich die jüdische Religion im jüdischen Volksleben entstanden ist, sondern als religiöse Ergebenheit, für uns heute ebenso wie schon für Hosea. Der Begriff Israel füllt die Lücke zwischen Philosophie und Gesetz, zwischen Haggada und Halacha ebeno wie er das Mittelglied zwischen Mensch und Menschheit ist. Es ist nun einmal offenbar, daß Gott Israel zum Träger seiner Wahrheit gemacht hat, und das gibt, in allem Sündenbewußtsein des Martyriums dem Judentum , den Optimismus seiner Erlösungslehre. Eine stundenlange hochstehende Diskussion schloß sich an Wieners Ausführungen; besonders Maybaum, Frankfurt a. d. 0., grenzte noch weiter ab. wie weit eine jüdische Theologie der protestantischen folgen kann und wie weit nicht, und betonte mit anderen Rednern, daß diese Glaubensdinge im Judentum überhaupt nicht so wichtig sind. Doch stimmte Baeck am Ende Wiener darin zu, daß der jüdische Theologe an den gelehrten Fragen seiner Zeit nicht vorübergehen darf und sich seinen Standpunkt ihnen gegenüber schaffen muß, zumal er nicht, wie der Katholik und Protestant Fakultäten hat, die für ihn denken. Gelegentlich der Mainzer Tagung des Allgemeinen Rabbinerverbandes hielt auch die Vereinigung der liberalen