Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 23 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 359 Schulwesens; an die Stelle der zwei Gymnasien traten ein simultanes Gymnasium bei St. Anna und eine Bürgerschule bei St. Salvator. Doch schon 1828 wurde durch Ludwig I. der Benediktinerorden nach Augsburg berufen und von diesem wieder ein katholisches Gymnasium mit Erziehungsanstalten er- Neben Augsburg wiesen auch die evangelischen Reichsstädte Nör dlingen, Memmingen und Lindau lateinische Schulen auf, die zur Zeit der beginnenden Reformation aus den bisherigen Kloster-, Pfarr- oder Stadtschulen entstanden. In Kaufbeuren litten die Schulverhältnisse lange Zeit unter den konfessionellen Streitigkeiten, bis im Jahre 1602 zwei Lateinschulen, eine evangelische und eine von den Jesuiten geleitete katholische, eingerichtet wurden. Durch kurfürstliches Dekret vom 16. August 1804 wurden beide Schulen aufgehoben; erst 1820 entstand wieder eine auf katholischen Stiftungen aufgebaute dreiklassige Privatlateinschule und daneben eine Gewerbeschule, die Vorgängerin der Realschule. In Kempten war neben der alten lateinischen Klosterschule in der Stiftsstadt (Neustadt) nach langen Kämpfen, in die selbst Kaiser und Papst eingegriffen, auch bei der Pfarrkirche St. Mang in der Reichsstadt (Altstadt) eine lateinische Schule begründet worden (1462). Letztere, seit der Reformation protestantisch, erhielt in der Zeit der Aufklärung den Charakter einer Bürger- und Realschule und ging bei der Vereinigung der Reichsstadt mit Bayern 1802 als Unterstufe in das neue bayerische Gymnasium über. Die Schule beim Stift aber entwickelte sich zu einem förmlichen Gymnasium, vor allem bestimmt für den Unterricht der Söhne des oberschwäbischen Adels. Es stand unter der Leitung von Lehrern verschiedener Ordensgesellschaften, der'Bartholomäer, Petriner, Benediktiner, zuletzt seit 1752 der Piaristen (patres piarum scholarum) und wurde 1804 vom bayerischen Staate übernommen. Im nordschwäbischen Gebiete bildete das Donaustädtchen D i 11 i n g e n die geistige Metropole des katholisch-kirchlichen Lebens. Die dortige Universität mit Gymnasium verdankte ihre Entstehung dem Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchseß von Waldburg (1543—73). In M i n d e 1 h e i m , das 1617 an Bayern fiel, wurde von Herzog Maximiliain I. mit der Berufung der Jesuiten (1618) eine höhere lateinische Schule eröffnet und später ein philosophischer Kurs angefügt. Bei der Übernahme des Kollegiums durch den Malteserorden ging die Schule daselbst völlig ein. — In Günzbürg, dem Hauptort der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau, wurden durch Maria Theresia die Piaristen mit der Leitung des Schulwesens (Knabenschule, vierklassiges Gymnasium und vorübergehend ein philosophischer Kurs) betraut. Mit dem Übergang des Gebietes an Bayern 1806 und der Abberufung der Piaristen wurde die höhere Schule aufgehoben. Das nach dem Landshuter Erbfolgekrieg aus altbayerischen Gebieten um Neuburg und Lauingen gebildete Fürstentum Pfalz-Neubürg wurde unter Pfalzgraf Ottheinrich (1505 bis 1559) um 1542 der Reformation zugeführt. Sofort wurden auch die in den genannten Städten bestehenden lateinischen Schulen im evangelischen Sinne umgestaltet. Die Lauinger Schule, unter Herzog Wolfgang (1559—69) unter persönlicher Mitwirkung des Straßburger Humanisten J. Sturm als Gegengewicht gegen die Diliinger Akademie zu einem Gymnasium illustre ausgebaut, erfreute sich einer hohen, wenn auch nur kurzen Blüte. Denn als Herzog Wolfgang Wilhelm (1614—53) im Fürstentum den Katholizismus wiederherstellte, wurde sie nach 50jährigem Bestände 1616 in eine katholische Lateinschule umgewandelt, die bis in die siebziger Jahre des nächsten Jahrhunderts fortbestand. In Neuburg wurde die höhere Schule 1617 von den Jesuiten übernommen und 1629 durch drei Lyzealkurse erweitert. Für die Lyzeisten, die sich dem geistlichen Berufe widmeten, wurde 1638 ein Seminarium eingerichtet. Dieses sowie das Gymnasium blieben auch nach der Aufhebung des Ordens bestehen; seit der Vereinigung der Kurpfalz mit Bayern 1777 teilte die Neuburger Studienanstalt das Schicksal der bayerischen höheren Schulen. Im Gebiete der zum Protestantismus übergetretenen Grafen von Otting.en- Ottingen hatte die ehedem von der Deutschordenskommende unterhaltene lateinische S hule dauernden Bestand; 1808 wurde sie in ein simultanes F: .gymnasium umgewandelt. Die in Harburg und den säkularisierten Klöstern Zimmern, Christgarten und Mönchsroth eingerichteten Anstalten hingegen wurden nach kurzer Dauer wieder eingezogen. Die zum Herrschaftsgebiet der katholischen Grafen von Öttingen- Wallerstein gehörige Lateinschule in Wallers lein entstand erst im 18. Jahrhundert (1762) unter der Leitung von Piaristen aus dem Kloster Rastatt. Sie blieb auch unter bayerischer Herrschaft fortbestehen, zuletzt als Privatanstalt von 1878—1913. Es folgt die Beschreibung der verschiedenen Klosterschulen, die aus dem Mittelalter in die Neuzeit herein sich erhalten haben und unter dem Einfluß des Humanismus und der von den großen Konzilien ausgegangenen klösterlichen Reformbewegung zu Pflegestätten wissenschaftlichen Lebens wurden. Es waren dies die Schulen zu Irsee, Roggenburg, Ursberg, Wettenhausen. Elchingen, Ottobeuren, St. Mang-Füssen und Hl. Kreuz-Donauwörth. Zu besonderem Ansehen gelanget die Schule des Benediktinerstiftes Ottobeuren, die zeitweise über 200 Schüler zählte. Es kam die Säkularisation und mit ihr die Aufhebung aller Klöster und ihrer Schulen. Abgesehen von den Schulen in Augsburg blieben nur die Gymnasien in Dillingen, Kempten und Ulm erhalten, die übrigen städtischen Schulen wurden dem Geist der Zeit entsprechend zum Teil in Real- und Bürgerschulen umgewandelt und in das Schulsystem des neuen bayerischen Staates eingegliedert. Daß bei dieser Neuordnung der Verhältnisse Verschiedenes reformbedürftig war und mancher alte Zopf beseitigt werden mußte, ist begreiflich. Die Geschichte des jüdischen Schulwerkes in Deutschland liegt noch sehr im Argen. Güdemanns Grundwerke über das jüdische Unterrichts- und Erziehungswesen, vor allem sein Beitrag zu den Monumenta Germaniae Paedagogica liegen 40 bis 50 Jahre zurück; ihnen sind nur wenige untergeordnete lokalgeschichtliche Arbeiten, methodisch und quellenkritisch fragwürdig, an die Seite getreten. Künftige Forschungen auf dem Gebiet der bayerisch-jüdischen Schulgeschichte werden sich die Arbeitsweise und Ergebnisse der drei oben genannten mustergültigen Veröffentlichungen zu eigen machen müssen. F. Aus der Gemeinde München Jüdische Winterhilfe Spenden sind bisher im Büro der Winterhilfe (Herzog-Mai> Straße 3, 1. Stock, (Sprechstunden Montag und Donnerstag von 3.30 bis 6 Uhr) abgeliefert worden von: Bacharach Ernst, Kunigundenstr.; Bacharach Dr. Karl. Pinizenauerstr.; Bankhaus Baer <k Auerbach, Maximiliansplatz; Baerwald Dr. Leo, Haydnstr.; Bauer Nelly, Feldafing; Bensinger Artur, Herzog-Heinrich-Straße; Benjamin Alfred, Herzog-Heinrich-Str.; Berg Martin, Schumannstr.; Bikart Josef, St.-Pauls- Platz; Binswanger Hermann, Schubertstr.; Firma Biü"'- & Einstein, Nockherstr.; Julius Bloch cs. .1. Höchstättcr, csm.wanthalerstr.; Bloch Max Albert, Scheinerstr.; Flora Böhm, Dachauer Straße; Bogopolsky Max. Kaufingerstr.; Buff Dr. Karl. Sonnenstraße. Cohen Heinrich, Löwengrube; Cohn Max, Sanitätsrat. Sehwanthalerstr.; Dispeke; Geh. Justizrat, Widenmayerstr..: Drey Marie, Kommerzienratswitwe, Maximiliansplatz; Droüer Lmanuel. Liebherrstr. 8. Eichengrün S. &. Co., Promenadepl.; Einhorn Artur. Cuvilliesstraße; Einstein Adolf, Kommerzienrat, Lucile-Grahn-Straße; Ellinger Dr. Max, Becthovenstr.; Esslinger Dr. Wilh.. Sternwartstraße; Feibelmann Dr. Willy, Hohenzollernstr.; Bankhaus J. L. Feuchtwanger, Dienerst--.; Finkeischerer Dr. Rabbiner, Arcostraße 3; Flaschner Dr., Haimhauserstr. 18: Freund Max, Elisa - bethstr.; Friediger Markus, Bayerstr.; Fröhlich Eugen, Klosterdrogerie, Neahai:t-er Sir.; Fröhlich Dr. Hans, Elisabethstraße; Fromm Michael. Diliisstr. Geis D-. Robert, Ludwigstr. 27; Gidalewitsch A.. Müllerstr.r Goüherg David, Neuhauser Straße; Goldschmidt Jette, Widermayersu.; Goldschmidt Max, Kobellstr. 4; Guggenheim Jac. b und Josef, Bayerstr.; Gutmann Berta, Widenmayerstr. Haimann J., Seidenhaus, Maximilanspk; Heß Jonas. Hayd iTr.: Heß Resi, Pettenkoferstr.; Hirschfelder Johanna, 'Goethes*:.: