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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-11-15 · 10 (15.11.1932) · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
10 (15.11.1932)
Date
1932-11-15
Page
Seite 25 (sequence 1)
Language
German
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MeilunM Des Iüöischen Lchrmmelns für dapttn Schriftleitung: Max Adler, München 1932 München, 15. November Nr. 10 Der hebräische Unterricht auf der Unterstufe im Rahmen des Gesamtunterrichtes Von A. Berlinger (München) Der Erstunterricht im Hebräischen und die Überbrückung zum eigentlichen Übersetzen war schon immer ein Problem, an welchem wohl jeder Lehrer sich versucht hat. Auch in unserer Bezirkskonferenz München war oft und viel die Rede von dem Stand der neueren Psychologie und ihrer Anwendung auf den Religionsunterricht und dessen Methode. Ganz selbstverständlich nahm der Erstunterricht einen breiten Raum in den Verhandlungen ein. So hielt ich ein kleines Referat über die Hilfsmittel im Anfangsunterrichte und wurde daraufhin gebeten, ein dahin gehendes Referat für die Lehrerversammlung zu übernehmen. Inzwischen sind die neuen Richtlinien für den Gesamtunterricht erschienen und so erweiterte sich mein Referat auf das Thema: „Der hebräische Unterricht auf der Unterstufe im Rahmen des Gesamtunterrichtes.“ Es wird sich in den weiteren Ausführungen nicht vermeiden lassen, im Rahmen des Themas auf das Theoretische einzugehen, und zwar auf das Grundsätzliche des Gesamtunterrichtes, und was die neuen Richtlinien über denselben bestimmen. Es wird des Ferneren zu sprechen sein über diese Methode und deren Anwendung auf das Hebräische, ferner, wie die Durchführung gedacht ist, welche Hilfsmittel dazu benötigt werden, was sich für Forderungen daraus ergeben, und schließlich, welche praktischen Anträge zu stellen sind. Ich muß nun vorausschicken, daß ich mich in bezug auf das Grundsätzliche für den Gesamtunterricht auf das verlassen kann, was in der diesbezüglichen, als schon ziemlich reichhaltig anzusehenden Literatur über den Gesamtunterricht erschienen ist. Es werden im Rahmen der heutigen Ausführungen wohl keine erschöpfenden Darstellungen über das Wesen, und im besonderen über die Problematik des Gesamtunterrichtes erwartet werden. Nur in Kürze will ich zusammenfassen und ein Bild zu geben versuchen über Sinn, Wesen und Bedeutung, Möglichkeit, Stoff und den Grenzen des Gesamtunterrichtes. Bei dem Worte Gesamtunterricht denkt man gewöhnlich, oder doch wenigstens zunächst, nur an den heutigen Anfangsunterricht. Jedoch ist der Sinn des Gesamtunterrichtes auch so aufzufassen, daß er auch für die Mittel- und Oberstufe Geltung haben soll. Gesamtunterricht ist die straffe Konzentration sämtlicher Unterrichtsdisziplinen um einen gemeinsamen Stoff. Die Idee des Gesamtunterrichtes wird von einigen Pädagogen, z. B. von Wilhelm Albert, für alle Klassen gefordert. Es entspringt diese Stellungnahme ungefähr der Herbert-Ziller-Idee der Konzentration um den Gesinnungsstoff. Das Erleben des Kindes steht im Mittelpunkte des Unterrichtes und knüpft an den heimatkundlichen Unterricht an. Fragen wir uns zunächst, was ist Gesamtunterricht. Unter Gesamtunterricht verstehen wir einen Unterricht, der im Gegensatz steht zu der Spaltung der täglichen Schularbeit in eine Anzahl meist äußerlich und innerlich voneinander getrennter Fächer. Er stellt sich dar als eine Konzentration um die Sacheinheit, die der Natur des Kindes der Unterstufe entsprechend, eine konkrete sein muß. Es sind nicht von einander abgeschiedene Systeme, sondern diese werden ihren Impuls und Ausgangspunkt in der Sacheinheit suchen und wieder in diese zurückmünden. Der Gesamtunterricht auf der Unterstufe wird also Sammelunterricht sein müssen, der sich um eine bestimmte Sacheinheit gruppiert. Für die Unterstufe leitet der Gesamtunterricht seine Berechtigung aus der seelischen Eigenart des Schulanfängers her. Die kindliche Seele lebt in diesem Alter noch im Stadium der unentfalteten Einheit. Ich und die Außenwelt sind noch ungeschieden. Alles bezieht das Kind nur auf sein kleines Ich. Alles, was da ist, ist nur so da, wie es die kleine unentfaltete Seele sich malt. Das Kind phantasiert seine Gefühle und Gedanken in die von ihm wertvoll gehaltenen Dinge. Solange es sich mit den beseelten Gefährten seiner Umwelt, z. B. Stöcken, Steinen, Sehnlichen, Puppen, Pferdchen, Bälle, in personaler Bindung beschäftigt, bringt es diesen Dingen die größte Aufmerksamkeit entgegen. Wird es aus dieser seiner Welt herausgerissen, und soll sich mit Dingen in der Weise der Erwachsenen nach bestimmten Zwecken und Zielen beschäftigen, so verschwindet sein Interesse. Deshalb dürfen die ersten Unterrichtsgegenstände nicht tote Buchstaben und nackte Zahlen sein, sondern beseelte Gefährten der einheitlich als Ganzes aufgefaßten Kindwelt. Auf der Mittel- und Oberstufe soll straffe Konzentration in umgekehrter Weise auf die Seele des Kindes eine einheitliche Wirkung ausüben. Was die Möglichkeit und die Grenzen des Gesamtunterrichtes betreffen, kommt Böhm in „Gesamtunterricht und seine Grenzen“ zu der Ansicht: „eine eindeutige Definition des Begriffes Gesamtunterricht läßt sich nicht geben. Die Gesamtunterrichtler wollen in ihrem Totalitätsstreben einen Zustand der menschlichen Entwicklung erreichen, der sich im Schulalter keinesfalls erreichen läßt. In den unteren Schuljahren, vorzüglich in den beiden ersten, ist der ungefächerte Unterricht möglich. Er erfüllt wohl die Aufgabe dieser Schulzeit am besten. Es werden sich aber auch schon hier Fächer einstellen, — das erste Fach dürfte Rechnen sein — die aus ihrer Wesenheit heraus facheigene Tätigkeit erfordern und ihre besonderen Wege gehen müssen, wenn sie zu wirklicher Bildung führen sollen. Je weiter wir auf der Stufenleiter der Schuljahre hinaufkommen, desto mehr hat der geschlossene Unterricht zuzurückzutreten und dem gefächerten Platz zu machen. Vor dem facheigenen Aufbau und Wert der einzelnen Bildungsgüter hat der Gesamtunterricht Halt zu machen. Der Gesamtunterricht findet also seine erste Grenze in der Geltung und Gesetzlichkeit der Fächer. Eine fernere Grenze ist ihm gezogen durch die Auswertung der Fächer. Das im Gesamtunterricht Erlebte muß geübt werden, wenn es Eigentum der Kinder werden soll. Nach dem eigentlichen Gesamtunterricht setzt also die Übung ein. Der gesamte Unterricht darf also nicht Gesamtunterricht sein, denn, wenn die Übungen übersehen werden, büßt der Gesamtunterricht das Merkmal des Unterrichtes ein. Die dritte Begrenzung findet der Gesamtunterricht darin, daß man fordern muß, trotzdem er Ganzunterricht ist, muß er doch möglichst bei der Sache bleiben und darf nicht zu viele Stoffe aufgreifen, sonst wird er überschachtelt und verliert dadurch seinen Sinn. Der Begriff Gesamtunterricht bleibt dann nicht tragfähig. Die Möglichkeit und Notwendigkeit des Gesamtunterrichtes auf der Unterstufe steht außer Zweifel. Er ist zu bezeichnen als ein freier, ungebundener, ungefächerter Ganzunterrich t.“ Inbezug auf den hebräischen Unterricht wird es nun auch nicht anders sein. Er muß in den zwei unteren Schuljahren Gesamtunterricht sein und vom dritten Schuljahr ab als Einführungsunterricht in Pentateuch und Gebete seine eigenen Wege gehen, allerdings in möglichster Anschließung an die übrigen Fächer, namentlich der deutschen Sprachlehre. Es ist selbstverständlich, daß man die Konzentrationsidee zwischen den einzelnen Fächern weitmöglichst auch im Hebräischen verwirklicht. Es müssen noch in Kürze zwei wichtige Forderungen an den Gesamtunterricht hier angeführt werden: Da der Sachunterricht Kern und Grundlage des Gesamtunterrichtes sein muß, um den sehr lückenhaften Vorstellungsschatz der Schulneulinge kennen zu lernen und zu erweitern, muß er seine Stoffe aus dem kindlichen Gedankenkreis nehmen; der Wortschatz des Kindes muß erweitert werden. Darum sind ihm Stoffe zugewiesen aus der nächsten Umgebung des Kindes, z. B. Schule, Haus und Familie, Hof und Garten, am Abend, am Morgen, Mutter hat große Wäsche, Besuch zu Hause, unsere Tiere im Hause und draußen, im Garten, auf der Straße, auf dem Spielplatz, sonstige Spiele, Drachensteigen, am Wasser, auf dem Markte, am Bahnhof, unsere Ferien, Dorf und Stadt, Reisen und Ausflüge, ernste und frohe Tage, der Winter ist da, bei den Handwerks-

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