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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-10-15 · 9 (15.10.1932) · p. Seite 23

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
9 (15.10.1932)
Date
1932-10-15
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 23 vorragender Sachkenntnis und hohem Gerechtigkeitssinn jederzeit verständnisvolles Wohlwollen entgegenbrachte. Wie durften in allen uns bewegenden Fragen auf seinen Rat und seine Unterstützung rechnen. Möge ihm auf seinem neuen, verantwortungsvollen Posten reicher Erfolg beschieden sein! Auf seine Stelle wurde Herr Ministerialrat Sayler berufen. Vereinsmitteilungen 1. Am 16. September verloren wir durch den Tod unsere Kollegin, Fräulein Ida Ottensoser, Lehrerin an der Israelitischen Volksschule in Würzburg. Die Entschlafene, der an anderer Stelle unserer „Mitteilungen“ von berufener Seite ein Nachruf gewidmet wird, gehörte unserem Vereine seit 1919 an. Ihr Wirken galt der Schule, ihre Liebe den Kindern. Wir verdanken ihr wertvolle Anregungen auf dem Gebiete der Berufswissenschaft. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten. 2. Lehrer Bernhard Gutmann in Fürth ist ab 1. September in den dauernden Ruhestand getreten. Wie wir mit großem Befremden hören, soll seine Stelle vorerst nicht wieder besetzt werden. Kollege Ludwig Steinberger in Bad Kissingen feierte am 15. September sein 40jähriges Dienst- und Ortsjubiläum, aus welchem Anlasse ihm zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. Auch wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre gesegneten Wir- Die Religionslehrerstelle in Ursprüngen wurde dem Schulamtsbewerber Bernhard Biegeleisen in Nürnberg übertragen. 3. Neuaufnahmen: Unserem Vereine sind beigetreten: Oberkantor Joseph Liberles in Ludwigshafen und Schulamtsbewerber Nathan Kahn in Kleinbardorf. 4. Infolge Raummangels werden wir die Beschlüsse der Mitgliederversammlung erst in der nächsten Nummer bekanntgeben. München, den 5. Oktober 1932. M. Rosenfeld. M. Adler. Anstellungsprüfung 1932 Bei der diesjährigen Anstellungsprüfung, welche für israelitische Kandidaten in Würzburg zentralisiert ist, beteiligen sich zwei jüdische Schulamtsbewerber und zwei Schulamtsbewerberinnen. Bei der schriftlichen Prüfung im Lehrverfahren aus dem israelitischen Religionsunterricht, abgehalten unter der von der Regierung dazu berufenen Sonderkommission (Bezirksrabbiner Dr. Hanover, Studiendirektor Stoll, Oberlehrer Anfänger), waren für eine dreistündige Arbeit folgende Fragen gestellt: Die Psalmen des Gebetbuches im Religionsunterricht der Volksschule: a) Die Bedeutung der Psalmen für die Bildung der religiösen Persönlichkeit ist unter Heranziehung von möglichst vielen Beispielen darzulegen. b) Welche Folgerungen ergeben sich aus der religiösen und poetischen Eigenart der Psalmen für ihre Stellung im Religionsunterricht der Volksschule? c) Nach welchen methodischen Gesichtspunkten kann die Behandlung im Religionsunterricht der Volksschule erfolgen, um eine möglichst nachhaltige Wirkung auf das Gemüt zu erzielen? (Anführung von Beispielen.) Jüdische Volksschule, Würzburs Gemäß Entschließung der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg wurde Frl. Amalie Unna unter Anerkennung ihrer Dienstleistung infolge Erreichung der Altersgrenze mit Wirkung vom 1. November 1932 in den Ruhestand versetzt. Die aushilfsweise Verwesung der Lehrerstelle ist dem Schulamtsbewerber Julius Roberg, bisher Schulamtsverweser in Thüngen, übertragen worden. Der Schulanzeiger von Unterfranken und Aschaffenburg, Nr. 16, vom 27. September 1932, führt unter erledigten Schulstellen an: „Würzburg, Israelitische Lehrerstelle (Lehrerin ist erwünscht). Gesuche sind bis 1. November 1932 dem Bezirksschulrat einzureichen. Sie müssen die Erklärung über Übernahme der Umzugskosten enthalten.“ Elnzahlungsliste für September 1932 Von: Adler, Berlin RM. 15; Edelstein, Sugenheim 14.50; Lion, Grünstadt 12.50; Blatt, Würzburg 7.50; Frank, Fischach 26.—; Kissinger, Fürth 12.50; Reiter, Gerolzhofen 12.50; Dr. Klugmann, München 12.50; Lachmann, München 10.—: Eisfeld, München 12.50; Müller, München 10.—; Glaser, München 5.—; Neujahrswunschenthebung, München, 31.—. Durch Rosenfeld, München 4.15. Postscheckkonto; 6479 Nürnberg. Würzburg, 3. Oktober 1932. M.Hellmann. Bücherschau Allers, Dr. Rudolf, Privatdozent für Psychiatrie an der Universität Wien. Das Werden der sittlichen Person. Wesen und Erziehung des Charakters. 3. Auflage (6.-8. Tausend) Gr.-8°. (XVI und 316 S.). Freiburg im Breisgau 1930, Herder. AUers macht den Charakter des Menschen, sein Wesen und seine Entstehungsbedingungen zum Gegenstand sehr eindringlicher Untersuchung. Seine Begründungen, von seiner weltanschaulichen Haltung her, widersprechen, wie nicht anders zu erwarten ist, durchaus dem jüdischen Denken. Andererseits können wir ihm doch in vielem zustimmen. Sehr eingehend behandelt Allers die Frage nach dem Wesen, Begriff, Wandelbarkeit, Erkenntnis des Charakters, erörtert auch ausführlich die Probleme, die mit Umwelt und Vererbung Zusammenhängen. Die Methoden der Charaktologie werden umrissen. Scharf unterscheidet Allers Charakter und Person. Charakter eines Menschen ist „eine Gesetzlichkeit seines Handelns, etwa von der Art einer Regel oder einer Maxime“ S. 28. Allers hat sich mit Vorischt und Zurückhaltung die Individualpsychologie Alfred Adlers zu eigen gemacht. (Vergl. den sehr beachtenswerten Artikel „Individualpsychologie“ im Lexikon der Pädagogik der Gegenwart, 1. Bd., Sp. 1217 i., den Allers geschrieben hat.) In den Darlegungen über den Begriff des Triebes ist beachtenswert der Hinweis, daß der Trieb nur „ein hypothetischer, zum Zweck der Erklärung eingeführter Begriff“ wäre. Seite 57. Von grundlegender Bedeutung sind besonders die Ausführungen, die in die Themen, Willen zur Macht und zur Gemeinschaft, Minderwertigkeitserlebnisse, Wirksamkeit der Kompensation und Überkompensation, einführen. Für die pädagogische Praxis sind auch wichtig die Darlegungen über Strenge, Autorität, Strafe und Verwöhnung. Pädagogisch wertvoll sind auch die Bemerkungen über kindliche Charaktere und Erziehungsschwierigkeiten. Hier geht Allers u. a. auch auf die Angst, Lüge, Eigensinn, Trotz der Kinder ein. Auch das Problem der gefährdeten Kinder wird hier besprochen. Beachtlich sind auch die Ausführungen über das Charakterideal und die Wirkungsweise des Beispiels, die Bemerkungen zu den späteren Kinderjahren, Schule, Pubertät, Sexualproblem. Den abwegigen und neurotischen Charakteren ist ein Abschnitt gewidmet. Ein Kapitel über Selbsterkenntnis und Selbsterziehung bilden den Abschluß des Buches. Wer sich mit charakterologischen Fragen beschäftigt, wird der Schrift von Allers Beachtung schenken müssen. Bez.-Rabb. Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim. Rechtsecke Wie den Kollegen aus der Amtlichen Bekanntmachung des Verbandes in Nr. 19 der „Bayer. Israelit. Gemeindezeitung“ bereits bekannt ist, hat das Staatsministerium für Unterricht und Kultus in einer Entschließung vom 15. Juli 1932 eine Entschließung der Regierung von Schwaben und Neuburg bestätigt, nach welcher regelmäßig nur seminaristisch vorgebildete Lehrer zur Erteilung von Religionsunterricht an staatlichen oder staatlicher Aufsicht unterstehenden Schulen zuzulassen sind. Diese Entschließung greift auf die Ministerial-Entschließung vom 28. Januar 1828 zurück, die die Anstellung jüdischer Religionslehrer von gewissen Erfordernissen abhängig macht und die nach obiger Entschließung heute noch insoweit in Geltung ist, als es sich um die Zulassung der von den Gemeinden nach freiem Ermessen anzustellenden Lehrer zur Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts an den staatlichen Schulen handelt. Unter diese Bestimmung fällt jeder lehrplanmäßige jüdische Religionsunterricht an allen staatlichen oder staatlicher Aufsicht unterstehenden Schulen, auch dann, wenn der Religionsunterricht in besonderen, von der allgemeinen Schule getrennten Räumen. (Religionsschule!) erteilt wird. Für den Inhalt der „Mitteilungen“ verantwortlich: Max Adler, München

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