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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-10-15 · 9 (15.10.1932) · p. Seite 21

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
9 (15.10.1932)
Date
1932-10-15
Page
Seite 21 (sequence 1)
Language
German
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UttrllunM öes lüilifchen Mervereins für Sapem 5edrikt1eltun§: Max Adler, München 1932 München, 15. Oktober Nr. 9 Ida Offensoser Ida Ottensoser, im Lehrerhause zu B'urgpreppach geboren, hat ihre Ausbildung in der staatlichen Lehrerinnenbildungsanstalt Aschaffenburg gefunden. Nach kurzer Erzieherinnentätigkeit in einem Privathause amtierte sie mehrere Jahre an der privaten Mädchenschule in Fürth, bis sie im Jahre 1908 von der Kultusgemeinde Würzburg an die jüdische Volksschule berufen wurde. Während voller 24 Jahre hat sie an der Würzburger Schule segensreich gewirkt, geliebt von den Kindern, verehrt von den Eltern, geachtet bei den jüdischen und nicht- - jüdischen Standesgenossen in Würzburg und Bayern. Schon im letzten Jahre zeigte es sich, daß die physische Kraft dem hohen Geistesfluge und dem starken Willen nicht mehr Folge leisten konnte. Am Abend des 15. September hat deshalb die Verwaltung der Kultusgemeinde Würzburg ihrem Wunsche auf Gewährung eines zeitlichen Ruhestandes Rechnung getragen. Der von der Kultusverwaltung bei dieser Gelegenheit geäußerte Wunsch, daß ihr baldige Genesung und Wiederaufnahme ihrer erfolgreichen Berufstätigkeit in absehbarer Zeit beschieden sein möge, hat sie nicht mehr erreicht, denn schon am darauffolgenden Freitag vormittag ist sie von uns gegangen. Ihre am 18. September erfolgte Beerdigung auf dem Friedhof zu Würzburg, welche unter überaus starker Beteiligung der jüdischen Bevölkerung und der jüdischen und nicht jüdischen Standesgenossen stattfand, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung. Die an der Bahre gehaltenen Nachrufe zeichneten das Bild der idealen Lehrerpersönlichkeit der Heimgegangenen. In langen Jahren ihrer Berufstätigkeit hatten Geist und Wille den Sieg davon getragen über die von Natur in bescheidenem Maße ihr verliehenen Körperkräfte. Ihre großen Erfolge als Erzieherin und Lehrerin waren durch ein Dreifaches bedingt: durch die gründliche wissenschaftliche Durchbildung auf allen Gebieten der Pädagogik und ihrer Hilfswissenschaften, die sie in unablässigem Streben durch Benutzung aller sich bietenden Fortbildungsgelegenheiten, durch Besuch von Hochschulkursen, von pädagogischen Fortbildungskursen im In- und Auslande sich angeeignet hat; auch eine Reise ins heilige Land lag in der Richtung ihrer pädagogischen Bildungsinteressen. Ferner durch die Meisterschaft, mit der sie die Technik des Unterrichtes zu höchster Künstlerschaft gesteigert hat und endlich durch die selbstlose und völlige Hingabe an ihren Beruf, für den sie sich aufgeopfert hat in einer Form, die als Spiegelbild der von Pestalozzi vorgelebten „Liebe zum Kinde“ bezeichnet werden darf. Die rastlose pädagogische Fortbildung in ihrem Berufe hat sie zu einer Führerin im Kreise ihrer Berufskollegen und -kolleginnen gemacht, wenn es galt, neue Wege im Unterricht zu beschreiben; die Vorbildlichkeit ihres Unterrichtes hat sie hervorragend befähigt, der in der Lehrerbildungsanstalt heranwachsenden jungen Lehrergeneration, die ihre Klasse seit fast einem Vierteljahrhundert als Obungsstätte besucht hat, Anleitung, Anregung und Muster zu bieten. In den Fortbildungskonferenzen der jüdischen Lehrerschaft Würzburgs, in den wöchentlichen in der Lehrerbildungsanstalt stattfindenden pädagogischen Aussprächen zwischen Lehrenden und Lernenden, in den zahlreichen Konferenzen des allgemeinen Würzburger Lehrerinnenvereins wurden ihre Anregungen und Vorführungen, bei denen sie in tiefer Bescheidenheit ihr Wissen und Können gegenüber den Kollegen und Kolleginnen selbst nie nach seinem wahren Werte geschätzt hat, als führende und fruchtwirkende Leistungen erkannt und gewertet. Tiefempfunden war die Trauer, die in den Nachrufen des Bezirksrabbiners, Herrn Rabbiner Dr. Hanover, des Gemeinde- und Schulvorstandes, Herrn Justizrat Dr. Haas, des Direktors der Lehrerbildungsanstalt, welcher auch der Beziehungen der Heimgegangenen zum Jüdischen Lehrerverein dankbar gedacht hat, der Vorsitzenden des Würzburger allgemeinen Lehrerinnenvereins und des Seminarlehrers Bamberger, der namens der zionistischen Ortsgruppe Würzburg ihre Mitarbeit bei der Gründung und Leitung der Würzburger hebräischen Sprachkurse rühmte, zum Ausdruck kam. Sie hat in Würzburg und darüber hinaus in der jüdischen Lehrerschaft Bayerns sich ein Andenken gesichert, das in treuer und dankbarer Erinnerung fortleben wird. Sie ruhe in Frieden! Bericht über die Tagung des Jüdischen Lehrervereins für Bayern am 17. und 18. Juli Von M. B. H. (Fortsetzung und Schluß) Auch für das lesbare geistige Wohl sorgte die Ausstellung der Fa. Hoffmann. Sicher war der Besucher in die Betrachtung all dieser Dinge so sehr versenkt, daß er selbst die Zahlungsaufforderungen des glockenzeichengebenden Kassiers überhörte. Wie anders wären sonst die geringen Einzahlung^.. zu verstehen? Verhältnismäßig sehr pünktlich begann Herr Oberlehrer Rosenfeld, unser bewährter Vorsitzender, mit seiner Begrüßungsansprache. Er dankte den Kollegen, die es sich trotz der Schwere der Zeit nicht nehmen ließen, zu erscheinen. Dann wurden begrüßt: Herr Saalheimer als Vertreter des Verbandes, Herr Dr. Auerbach (Würzburg) als Vertreter des Rabbinats, Herr Rindskopf als Vertreter der Kultusgemeinde Würzburg, Kollege Steinhardt (Magdeburg) als Vertreter des Reichsverbandes und Kollege Kaufmann (Tauberbischofsheim) als Vertreter des badischen Lehrervereins. Kurz und bündig waren die Begrüßungsansprachen und ebenso kurz die Antworten. Wie sichs gehört! Auch ein Begrüßungsschreiben des Herrn Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer und des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Hanover wurden verlesen. Darauf ergriff unter dem stellvertretenden Vorsitz des Herrn Dr. Bamberger (Nürnberg) Kollege Rosenfeld das Wort zu seinem Tätigkeitsbericht. In meisterhafter Sprache, mit kraftvollen Worten und Satzwendungen, verstand es der Redner, alle Anwesenden in seinem Bann zu halten. Er führte aus, daß nicht die Not der Zeit, die so leicht die Stellungen ändert, uns von dem Weg abbringen darf, den unsere Geschichte vorschreibt. Wir haben drei Aufgaben zu erfüllen und dieses Dreigestirn muß uns als Ziel voranleuchten, muß uns Lichtpunkt sein, dessen wir in einer solch dunklen Zeit doppelt bedürfen. Die Tätigkeit der Leitung gliederte sich in drei Teilaufgaben: Geistige Hebung des jüdischen Lehrerstandes, Förderung des Schulwesens und Vertretung der wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen. Düstere Stimmung herrschte im Saale beim Erwähnen der während des Jahres verstorbenen Kollegen. Wundervoll und erhebend waren die Schlußworte, in denen der Redner aufforderte zum Kampf gegen haßerfüllte Anfeindungen, genau so, wie es unsere Vorfahren getan haben. Es heißt jetzt „das Vertrauen stärken, den Mut stählen, uns wappnen, uns in Herz und Seele überwinden“ zur Selbstbehauptung. Und das alles zur Verherrlichung Gottes. Reicher Beifall dankte dem Redner. Dr. Bamberger gab diesen Gefühlen beredten Ausdruck. In der anschließenden Diskussion wurde dann eine Resolution angenommen, die die Begründung eines Reichsverbandes der jüdischen Landesverbände begrüßt. Die übrige Debatte stand unter dem Motto: Tempo. Tempo! Auch war man sicherlich auf den Vortrag des Kollegen Berlinger (München) gespannt, da ja die Ankündigungen der wortbemalten „Plakate“ viel versprechen ließen. Kurz vor 12 Uhr begann nun Kollege Berlinger mit seinem groß angelegten Vortrag über: „Der Religionsunterricht auf der Unterstufe im Rahmen des Gesamtunterrichts“. Ausgehend von allgemein bekannten Erkenntnissen über das Wesen und den Sinn des Gesamtunterrichtes, verlangte Redner Eingliederung des Religionsunterrichtes in den Gesamtunterricht. Beide dürfen nichts Getrenntes sein, denn die Konzentration, die dem Wesen der

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