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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-10-01 · 19 (1.10.1932) · p. Seite 289

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
19 (1.10.1932)
Date
1932-10-01
Page
Seite 289 (sequence 1)
Language
German
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Bayerische Kachrichtenblatt öer IsraelMschen RultuSgemeinöen in München/ Augsburg/ Hamberg unö öes Verbanöes Homerischer Israelitischer Gemeinöen Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am l.u. 15. jeden Monats. —Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr.64, Tel.73664 u. 73665, Postscheck München 3987, Jahr. Anzeigenpreis: Die 4gespaltene Millimeter-Zeile 40 Rpf. Schriftleitung: Dr. L. Feuchtwanger, München, Grillparzerstr. 38 Familienanzeigen, Stellengesuche u. ähnliche Angebote 15 Rpf. VIII. Jahrgang München, 1. Oktober 1932 Nummer 19 Inhalt: Die drei Schofartöne nach dem Sohar — Radikale Politik Vereine — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntma- — Ein Gespräch mit Alfr. Adler über jüdische Erziehungsfragen chungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: — Jakob Bernays — Hauptversammlung des Landesverbandes Bekanntmachung über Zulassung israelitischer Religionslehrer jüdischer Metzgermeister in Bayern — Jüdische Jugendarbeit zur Unterrichtserteilung an staatlichen oder staatlicher Aufsicht in der Pfalz — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde unterstehenden Schulen — Personalia Bamberg — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Die drei Schofarföne nach dem Sohar Der erste Ton verschönt sich im Aufsteigen, erklimmt die Himmel, durchbricht die hohen Berge und gelangt zu Abraham, bleibt über seinem Haupte schweben, wird ihm zur Krone und er kann seinen Thron bereiten. Und so haben wir im „Buche der Agada“ gelernt, daß in der Stunde, wenn der erste Ton auf steigt, Abraham sich erherrlicht und einen Thron bereitet,- an dem „Vater“ und „Mutter“ besuchend verweilen. Der zweite Ton ist zerbrechend in seiner Kraft. Wenn der aufsteigt, zerbrechen alle Gerichte, welche ihm begegnen, bis er zur Stätte Isaaks gelangt. Wenn dann Isaak erwacht und Abraham erblickt, der seinen Thron bereitet, um vor ihm zu stehen, dann beugt er sich und bricht seine harte Kraft. Darauf wolle, wer den SchMar bläst, Herz und Willen richten, daß er die Macht des harten Gerichts breche. Der d itte Ton steigt auf und spaltet die Himmel und erweckt die Liebe. Es gelangt dieser Ton zum Haupte Jakobs, da erwacht Jakob und sieht Abraham (seinen Thron) bereiten, von der anderen Seite. Dann umfassen sie Isaak von beiden Seiten, sodaß seine Kraft nicht nach außen dringen kann.So beugen sich alle Gerichte, wenn die Liebe sich erweckt. Darauf wolle man Herz und Willen richten bei diesen Tönen und in Buße umkfchren zu seinem Herrn. Aus der neuesten deutschen Ausgabe des Sohar, die von dem hervorragenden Kenner Ernst Müller, dem Bibliothekar der Wiener jüdischen Gemeinde besorgt wurde. Diese schön gedruckte und zuverlässige Ausgabe (Wien, Heinrich Glanz, 1932) wurde in diesen Blättern (Nr. 9 vom 1. Mai 1932, S. 133) durch Herrn Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal (Köln) ausführlich besprochen. Der Sohar, ein mystischer Kommentar zur Bibel, ist von dem Spanier Moses ben Schemtob de Leon um 1300 aus vielen Quellen und Überlieferungen zusammengestellt. Das eigentümliche Werk, ein Gestrüpp von bizarren Gleichnissen, Wort- und Zahlenspielereien, geheimnisvollen Bibeldeutungen, in hebräischer und aramäischer Sprache abgefaßt, ist in der Folgezeit ebenso vergöttert wie verfemt worden und wurde bekanntlich von unberechenbarem Einfluß aut die ganze spätere kabbalistische Literatur und auf das gesamte Judentum. Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang in Wien, der auch in München wohlbekannte hochangesehene Gelehrte, widmet dem Sohar im letzten Heft der „Menorah“, der besten jüdischen Zeitschrift, die wir in Deutschland haben und die noch viel größere Verbreitung verdient, anläßlich der Müllerschen Neuausgabe eine sehr instruktive Abhandlung, besonders über die verschiedene Wertung dieses „Geheimbuches“ in der Judenheit. Auf diesen Aufsatz, der gegenüber dem Müllerschen Artikel „Sohar“ im 5. Band des Jüdischen Lexikons viele neue Gedanken enthält, sei hier nachdrücklich verwiesen.

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