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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-09-15 · 18 (15.9.1932) · p. Seite 283

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
18 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
Seite 283 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 283 Vaniglicki Btttn ... : r Hotel Bayerischer Hof Dienst in Gast «.7Jrs”T:"k=±Ü Augsburg In der Geschichtsschreibung der Forschung (Kunstgeschichte und Farbenlehre) feiert das „historische Menschengefühl“ Goethes neue Triumphe. Der historischen Gewißheit der Tatsachen und des Stoffes steht Goethe in jedem Fall skeptisch gegenüber. Dagegen „das Produktive mit dem Historischen zu verbinden“, also eigenes. Tun bewußt anzuschließen an das, was andere getan und fertig gebracht haben, das sei die eigentliche ethische Grundmaxime der Wissenschaft. Das Historische, „das alte Wahre“,’ wurde für ihn selbst eine bildende Kraft, die ihm die Welt des Geistigen erschloß und in ihren ganzen Reichtum zu eigen gab. — Nach dieser einleitenden Skizze über Goethes Verhältnis zur Geschichte zeigt der zweite Aufsatz „Goethe und das 18. Jahrhundert“ seine Auseinandersetzung mit der geistesgeschichtlich Situation, in die er hineingeboren war. Was das Kriterium für echtes — nicht abgeleitetes — künstlerisches, besonders poetisches Schaffen, für Genialität ist, kann man nirgends besser als aus dieser erhellenden Abhandlung Cassirers ersehen. In Goethes Kunst- und Naturanschauung zeigt Cassirer die Überwindung der formet- und verstandesmäßigen Methode des 18. Jahrhunderts durch die „mitgeborene Form“ und das innere Bildungsgesetz. — Einen besonderen Fall der Goetheschen Traditionswahl erörtert schließlich der dritte Aufsatz: „Goethe und Platon“, wo die Begriffe „Idee“ und „Wirklichkeit“ eine wahrhafte Klärung erfahren. Der Aufsatz Cassirers über Goethes Pandora in der Sammlung „Idee und Gestalt“ (1921) zusammen mit den drei vorliegenden Abhandlungen geben den denkbar gedrängtesten Überblick über die bestimmenden Motive in Goethes Geschichts-, Natur- und Kunstansichten. — Ernst Cassirer, der Verfasser des mächtigen Grundwerkes „Geschichte der symbolischen Formen“ wäre in einer dem hellen Verstand, der Menschlichkeit, Klarheit und intellektuellen Ehrlichkeit zugewandten und nicht abgewandten Epoche vielleicht der beste Interpret Goethes und der anerkannte Führer zu einer ganz strengen geistigen Zucht. Unvergessen bleibt ihm die jüngste überzeugende und abschließende Kritik der Heideggerschen Modephilosophie, die selbst ein — wir fürchten wenig ruhmvolles — Blatt unserer eigenen Generationsgeschichte ist. F. Judith. Roman einer Schauspielerin von Siegfried van Praag. Berlin, Dom-Verlag. Es ist ein gutes jüdisches Buch, diese Judith des Holländers Siegfried vän Praag, übersetzt von Franz Dülberg. Da ist Noos Sachs, Direktor eines Wanderzirkus, der mit seiner kleinen Familie in der guten Tradition seines Volkes lebt, die alttestamentarischen Gesetze eigentlich nur dem Instinkt , nach kennend. Diese guten Instinkte machen ihn zum Vertrauensmann seiner Kollegen: sie alle geben ihm ihr Geld und wissen, selbst nach Jahren bekommen sie das Ersparte auf Heller und Pfennig wieder, ohne Abzug und Verlust. Genau so zuverlässig wie in Geldsachen aber, ist Noos auch in seinen Anschauungen in Sittenfragen. Seine* sehr schöne Tochter Judith hat viel von seinem sittlichen Gleichmut geerbt. Dieser Gleichmut zügelt ihr ganzes, blutvolles Wesen und läßt sie die gefährlichen Stufen des Ruhms ohne Schaden an der Seele erklimmen, immer wieder wird sie vor einem großen, menschlichen Versagen bewahrt, sowohl als glänzende Zirkuskünstlerin, wie auch als größte Tragödin. Wohl kennt sie Liebe und Leidenschaft, aber neben dem Erleben steht, wie bei dem Vater im kleinen so bei ihr im großen, die Verpflichtung gegen ihr ans Genie grenzende Talent. Es tut sehr weh, diesem Talent, diesem strikten Weg zum Ruhm selbst den wahrhaft Geliebten zu opfern, aber fatalistisch geht sie weiter auf dem Weg, den Gott ihr bestimmt, dieser alte starke Gott der Väter. Spät, erst in der Zeit ihrer vollen Reife, kommt dann auch das Muttererlebnis über sie: schmerzlich zuerst, denn am Grabe des geopferten Geliebten erkennt sie ihre wahre Strafe: der Sohn ist nicht von dem geliebten großen Juden, sondern er ist von einem der vielen. Aber darum auch ist er ganz Sohn der Mutter und darum muß er auch zurück gehen in die Welt des alten Noos Sachs. Dort wird auch er wieder der Jude ohne Zwiespalt sein, dem Feinde vergebend und in der eigensten Welt herrschend. Hedwig Hirschfeld-Hassel. Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in 20 Bänden. Band XII (Mai — Mud). 800 Seiten. Leipzig, B. A. Brockhaus, 1932. Der „Große Brockhaus“, der auch wieder in dem neuen Bande ein wahres Füllhorn von Belehrung auf allen Gebieten des menschlichen Wissens ausschüttet, macht eigentlich eine Prüfung nur unter einem Gesichtspunkt fast unmöglich. Doch geben anderseits erst eine größere Anzahl von einzelnen Stichproben aus den verschiedensten Fächern die Gewähr für die höchste erreichbare Zuverlässigkeit und Unparteilichkeit, die das Werk als seinen Ruhmestitel in Anspruch nimmt. Wenn wir also alle das „Judentum“ in weitestenm Sinne betreffenden Artikel genau untersuchen, so ergibt sich, daß sowohl die Träger jüdischer Geschichte (Maimonides, Makkabäer, Mendelssohn, Moses), als auch die religions- oder literarhistorisch wichtigen Begriffe (Masora, Midrasch, Mischna) zu ihrem Rechte Bayer. Konzertdirektion H. Gensberger, Tel. 53616 1. Zyklus Konzerte der im Odeon Weltberühmten 1. Abend (4 Abende im Abonnement) Dienstag, 15. Okt. 3. Abend Freitag, 11. Nov. Erica Morini Franz Völker die berühmte Geigerin 2. Abend Sonntag, 23. Okt. Lotte Lehmann der gefeierte Tenor 4. Abend Mittwoch, 30. Nov. Moriz Rosenthal die einzigartige Sopranistin der große Pianist Abonnementskarten zu M. 15.- 12.- 8.-, ausschl. Steuer (durchwegs beste Saalplätze) sind bereits erhältlich. Ermäßigung gegenüber den Einzelkarten bis zu 40 Prozent. Vorverkauf bei Hieber, Marienpl., Hapag-Reisebüro, Theatinerstraße 38, Musikalienhandlung Merkl, Promenadeplatz 16, Billett-Kiosk, Lenbachplatz Der gute Mantel Das elegante Kostüm nur vom Schneider Feinste Maßanfertigung Zeitgemäß billige Berechnung Garantie für tadellosen Sitz OberschanekrCorneliussfr. 22/1 Tel. 296 591 Maß-Schneiderei für Damen- und Herrengarderobe Zeitgemäße Preise Jos. Eder AUGSBURG Bahnhofstrafie 18 Rüchgeb. part., Tel. 11305

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