Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1932
- Issue
- 8 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- Seite 18 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fllitteilmigeti Des Mischen Lehrern ereins kör Sapern ZeKriitleitung: Max Adler, München 1932 München, 15. September Nr. 8 Bericht über die Tagung des Jüdischen Lehrervereins für Bayern am 17. und 18. Juli Von M. B. H. Es ist bei den heutigen Verhältnissen für eine Vereinsleitung wahrlich nicht leicht, Mitglieder ihres Vereins zu einer Tagung zusammenzubringen. Viele Vereine bringen auch den Mut zu solchen Veranstaltungen nicht auf. Um so erfreulicher ist es, daß trotz der Not der Zeit eine so stattliche Anzahl jüdischer Lehrer sich zusammenfanden, um gemeinsam zu pädagogischen und wirtschaftlichen Fragen Stellung zu nehmen. Und das sei gleich vorweggenommen, unendlicher Dank für diese Tagung, ..bei der jeder, mag er zu den pädagogischen Richtungen eingestellt sein, wie er will, viel mit nach Hause nahm, gebührt der Vereinsleitung, an deren Spitze Kollege Rosenfeld (München), die mit Mut und Tatkraft die Versammlung vorbereiteten und durchführten. Wer Sonntag nachmittags in Würzburg spazieren ging, ganz gleich, welche Straßen er passierte, stieß auf einzelne Trupps jüdischer Lehrer. Ganz bestimmte Gruppen und auch Sologänger — sie zusammen bildeten den Ausschuß — lenkten gegen 3 Uhr ihre Schritte der Sandbergerstraße zu, da sie sich hier im neuen Seminar zu einer Ausschußsitzung zusammenfanden. Wichtige und ernste Dinge waren vorzubesprechen, um den Mitgliedern der morgigen Tagung allzu lange, allzu anstrengende Debatten zu ersparen. Der Ausschuß des Vereins hat seine Aufgabe sicher erfüllt. Weniger gut aber hat die Kommission für das gemütliche Beisammensein (gibt es eine solche?) am Abend gearbeitet. Von einem „gemütlichen“ Beisammensein konnte wohl keine Rede sein. Man traf sich mit Bekannten, man unterhielt sich, man spielte Schach. Das genügte aber nicht, um einen Abend „gemütlich“ zu machen. Es hätte sicher besser geklappt, wenn etwas organisiert gewesen wäre. So hätte z. B. ein Theaterstückchen aus alter gemeinsamer Schulzeit zur frohen Stimmung beigetragen. Aber jetzt kommen die Vorschläge zu spät. Vielleicht denkt man das nächste Mal daran. So verließ man gegen 11 Uhr den Saal, ohne viel Aufsehens zu machen. Nun kam der Haupttag, der 18. Juli. Wer es nicht vorzog, um 6.15 Uhr „Schulen“ zu gehen, der durfte wegen der gestrigen „Anstrengungen“ und in Anbetracht der schweren Verhandlungen des Tages bis 8 Uhr schlafen. Diese Kräftesammlung war wichtig im Interesse unseres Standes und Berufes, sie wurde auch ausgeführt von Vertretern aller Lager und Richtungen; daher war sie eine „überparteiliche Konzentration“. Nach 9 Uhr begann der Einmarsch in den Saal, in dem schon fest gearbeitet wurde. Denn wer % Stunde später den Saal betrat, dem leuchteten von der Ostseite des Saales hebräische Buchstaben, groß und schön, Wörter, ungeachtet des Eindrucks, den sie auf den Betrachter ausübten, wie T'- neben TlÖH-und ganze Wortgnnmen entgegen. Diese Buchstaben-Gemälde-Galerie verdiente höchste Anerkennung, da sie die große Geschicklichkeit des ..Malers“ verrieten. In entgegengesetzter Richtung hatte die Schriftkunst Berlichingen ihre Kunsterzeugnisse ausgestellt, von denen das schön gemalte Seder-Handtuch und die neuartige Form des Barchesdeckchens die Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Fortsetzung folgt. 25jähr. Amtsjubiläum Rabbiner Dr. Freudentbals Am 1. September d. J. feiert, dem Ernst der Zeit entsprechend, unter strikter Ablehnung jeder äußeren Ehrung Herr Rabbiner Dr. Freudenthal sein 25jähriges Amtsjubiläum im Dienste der Nürnberger Kultusgemeinde. Der Bedeutung des Jubilars als Rabbiner, Prediger, Seelsorger, wissenschaftlicher Forscher und seiner Stellung im Verband Israelitischer Gemeinden, in den Rabbinerverbänden und in der Großloge werden wohl die jüdischen Zeitungen aller Anschauungen gerecht zu werden versuchen. Das Nürnberger israelitische Gemeindeblatt widmet ihm eine eigene Festnummer mit Beiträgen prominenter Persönlichkeiten des deutschen Judentums. Dennoch besteht Veranlassung, soweit der beschränkte Raum, der den Mitteilungen zur Verfügung steht, es zuläßt, in aller Kürze die Stellung Dr. Freudenthals als Schulmann zu umreißen. Selbst Sohn eines jüdischen Volksschullehrers (israelitische Volksschulen Neuhaus und Rodach, später Simultanschule Grünstadt in der Pfalz) und stolz darauf, begann er sein öffentliches Wirken mit einer umfassenden Lehrertätigkeit an den Breslauer Gymnasien und Töchterschulen, die er als Rabbiner in Dessau und Landesrabbiner von Anhalt, sowie als Rabbiner von Danzig eifrig fortsetzte. Namentlich in der letzten Gemeinde „bemühte er sich ganz besonders um den Ausbau des Religionsunterrichts und um die Hebung des religiös-geistigen Lebens in der Gemeinde. Die erstmalig von ihm seit 1902 jährlich herausgegebenen Berichte über die Religionsschule enthalten eine Reihe von wertvollen einschlägigen Aufsätzen und Predigten1.“ Im Jahre 1907 folgte er einem ehrenvollen Ruf nach Nürnberg. Seit dieser Zeit hat sich Herr Dr. Freudenthal in gleich vorbildlichem Eifer bemüht, das Unterrichtswesen der Gemeinde weiter auszubauen. Fast an allen Schulen wird der Religionsunterricht durch festangestellte akademisch oder seminaristisch vorgebildete Lehrkräfte während der stundenplanmäßigen Unterrichtszeit erteilt, so daß, soweit nicht unüberwindliche technische Schwierigkeiten das ausnahmsweise unmöglich machen, die jüdischen Schüler in der gleichen Zeit wie ihre christlichen Mitschüler innerhalb des Anstaltsgebäudes Religionsunterricht erhalten. Das war nur zu ermöglichen durch die Anstellung einer hinreichenden Anzahl von Lehrkräften, selbst zu einer Zeit, als andere Gemeinden schon Abbaumaßnahmen trafen. Gleichzeitig verstand es Herr Dr. Freudenthal in vielseitigen Bemühungen, den Stand des Religionsunterrichtes zu heben. Diesem Ziele dienen nicht nur Elternabende, sowie die von ihm geleiteten Beratungen des Lehrkörpers, in welchen zu allen auftauchenden Problemen eines modernen Religionsunterrichtes eifrig Stellung genommen und unter seiner bewährten Führung, die den lokalen Verhältnissen am besten entsprechende Lösung oder Anpassung zu finden, immer wieder versucht wird, sondern ebenso seine Schulbesuche selbst, die den Lehrer selbst immer wieder durch neuartige Betrachtungsweisen, durch interessante Darstellungen schwieriger Lehrstoffe und durch klärende, Überblick verschaffende Ergänzungen namentlich auf dem Gebiete der biblischen und jüdischen Geschichte, sowie der Religionsphilosophie fesseln und überraschen. Auch als pädagogischer Schriftsteller ist er hervorgetreten und es ist hier neben seinen straffen Lehrplänen für alle Klassen von der Grundschule bis zur Abschlußreife seine den Ubersetzungsstoff in mustergültiger Form enthaltenden Lehrstoffsammlungen zu erwähnen, die. heute in ihrem Werte umstritten, doch unzweifelhaft den pädagogischen Anschauungen der älteren Lehrergeneration voll entsprochen haben und auch heute noch bei entsprechender Benützungsweise mit gutem Erfolg ihre Aufgabe erfüllen. Auch ein eigenes Schulgebetbuch wurde 1909 von ihm geschaffen. Insbesondere aber verdient sein Religionsbuch für den israelitischen Religionsunterricht an den oberen Klassen der höheren Schulen (Verlag der Friedrich Kornschen Buchhandlung. Nürnberg) Hervorhebung. Auf die Bedeutung des Buches für jeden Lehrer, der in seinem Schiurvortrag moderne r.pcipnt-en pu das geheiligte Bibelwort in selbständig verarbeiteter Form darzubieten gewöhnt ist. sei nur hingewiesen. In nächster Zeit wird unter reger Mitarbeit des Jubilars ein neues Religionsbuch erscheinen, das einem dringenden Bedürfnisse abhelfen will. Endlich sei — als letztes nur dem Raume nach — noch gesagt, daß Herr Rabbiner Dr. Freudenthal ein warmherziger Freund seiner Lehrer ist und ihre berechtigten Interessen in uneigennütziger Form stets mit allem Nachdruck zu vertreten bereit ist. Wenn der verehrte Jubilar in diesen Tagen mit neuem Mute und neuen Plänen — Kraft schöpfend aus dem Rückblick auf ein gesegnetes Wirken in Gemeinde. Schule und Tudentum — "n reinem Lebenswerke weitem zu bauen sich anschickt, s" darf er überzeugt sein, daß ihn dazu auch die wärmsten Glückwünsche des jüdischen Lehrervereins begleiten. Blum. 1 Siehe: ..Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg“ (Abschnitt Rabbinat), Verlag Bulka, 1925.