Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 18 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- Seite 273 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2727810-2727950-2727968--08734-2741955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vagerische Israelitische Gemelnöezeitung Kachcichtenblatt üer IsraeMschen Kultuügemeinöen in München/ Augsburg/ Hamberg unö Ses Llerbanöes Va^erischer Israelitischer Gemeinöm unö Üeü Verbanöes -ayertscher Israelitischer Gemeinöm Erscheint am l.n. 15.jeden Monats. — Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr.64, Tel. 73 6 64 u. 73665, Postscheck München 3987, Schriftieitung: Dr. L. Feuchtwanger, München, Grillparzerstr. 38 Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Die 4gespaltene Millimeter-Zeile 40 Rpf. Familienanzeigen, Stellengesuche u. ähnliche Angebote 15 Rpf. VIII. Jahrgang München, 15. September 1932 Nummer 18 Inhalt: Das Neujahrsfest und seine Symbole nach dem Midrasch — Das alte Israel bis zum Tode König Salomos — Amtseinführung des Aschaffenburger Bezirksrabbiners Dr. Fritz Bloch — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Vereine — Bücherschau — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden: Bekanntmachung betr. den Vorbeterdienst an den hohen Feiertagen in zuschußbedürftigen Gemeinden — Bekanntmachungen der Israelit. Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über den Filialgottesdienst an den hohen Feiertagen und die Vermietung von Synagogenbetstühlen — Bekanntmachung über Glückwunschablösung 1932 — Personalia. Dsr ^Isujsiu'Lissl und seine Symbole nach dem Midrascb Von Rabbiner Dr. Katten-Bamb erg Der Monat Das Rosch-haschono-Fest hat einen Platz der Mitte, da es den genauen Jahresteiler für das mit dem Nissan beginnende politische Jahr bildet. Seine Strahlungskraft erstreckt sich vorwärts und rückwärts wie die des Sabbats, von dem mystisch gewandte Zeitbetrachtung sagt, daß an ihm die Wochentage sich emporheben und niedergleiten wie Wasser an Wellenkämmen. Tischri, der siebente Monat, darf frei als der „gesättigte“ gedeutet werden, denn in ihm füllen sich Scheunen und Keltern, Sündenvergebung, Laubhütte und Feststrauß sind in ihm. (Waj. r. 29). R. B er ach ja nennt ihn den Schwurmonat (in freier Deutung des schewi‘i), weil Gott mit der stärksten Schwurbindung sich Abraham verpflichtete, als Zeichen der stärksten Liebesunid Gehorsamsbereitschaft, zu der ein Mensch sich je verstanden hat (ib). Das Wort Tischri, als aramäisches gefaßt, könnte übersetzt werden „du lösest“. Gott löst, erläßt, bedenkt die Fehltaten seines Volkes (ib). Der Tag Die historisierende Legende erkennt die Bedeutung des Tages darin, daß Bedrohliches, den Lebensfortgang in Frage Stellendes beseitigt und eine Wendung herbeigeführt wurde, durch die Freiheit und Wesenserfüllung, menschliche Entwicklung und göttliche Verheißung in ihren Zielen gesichert sind. Am 1. Tischri ward Adam erschaffen und in den Garten der Lust geleitet. (Pes. R. Kali. 23). Sara, Rahel und Hanna wurden gesegnet, Josef ward aus dem Gefängnis entlassen, der ägyptische Frondienst von den Vätern abgenommen (b. Talm. R. hasch. 10). Mit der Erhörung der Sarah fand das Leid aller bekümmerten, bresthaften, seelisch gemarterten Mitlebenden ein Ende. Nicht nur alle kinderlosen Frauen empfingen mit ihr, auch allen Kranken ward Genesung, der Taube erlangte das Gehör, der Blinde die Sehkraft, der Geistverstörte den Verstand. (B. r. 53. Oz. Midr. Eisenstein 493). Bezüglich der Rahel muß das in griechischer Zeit, wahrscheinlich in essäischen Kreisen entstandene „Buch der Jubiläen“ eine der im babyl. Talmud von R. Elieser geäußerten entsprechende Tradition gehabt haben. Es heißt darin: Und sie empfing und gebar einen Sohn am Neumond des vierten Monats im sechsten Jahr der vierten Jahrwoche (Buch d. Sub. 28). Die Pekida der Sara läßt das Buch allerdings im Ellul geschehen und Isaak, der nach rabbinischer Überlieferung am Pessach geboren wurde, am zweiten Fest, dem Wochenfest, geboren sein. Anklage und Gericht Die Mächte der Verneinung, die Israels Dasein bestreiten, haben es an diesem Tage auf einen entscheidenden Schlag abgesehen. Sie bieten ihre ganze Kunst und Gewandtheit auf, um Israel zu Fall zu bringen. Jakobs Widerspiel Esau, in symbolischer Erhöhung Urgestalt des Bösen und als solche ewig existent, stellt die Sonne, die als die Herrscherin der Gestirne seinem eigenen ziellosen Herrschaftswillen entspricht (Ber. r. 1), als Kronzeuge vor Gott, um über Israels Bündigkeit auszusagen. Der Herr jedoch verlangt einen weiteren Zeugen. Der Böse geht den Mond suchen, den er aber nicht finden kann, weil er sich am Neumondstage versteckt hält, und der Unheilsplan ist gescheitert. (Jalk. R‘ubeni nach Midr. hane‘elam). Mit dem Maß der Strenge eröffnet Gott das Gericht, um es mit dem Maße des Erbarmens zu beschließen. So heißt es Ps. 47. 6: Elohim ist aufgestiegen im Posaunenschall, der Ewige in der Stimme des Schofars. Das besagt: mit dem Vorsatz