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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-09-01 · 17 (1.9.1932) · p. Seite 268

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
17 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 268 (sequence 12)
Language
German
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268 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 sehen Volk und dem Christentum geschlossen wurde, das Judentum übereinstimmend sekretiert wird. Die historisch erhärtete Wahrheit ist: Die tragenden Hauptgedanken des Evangeliums, der Glaube an Gottes Schöpfung der Welt und an das Walten seiner Vorsehung über dem Menschenleben, ferner an sein Gericht als Grund und an seine Herrschaft als Ziel aller Geschichte, die Forderung des Gehorsams gegen sein Gebot und die Liebe gegen die . uns von ihm als Nächste gegebenen Menschen, insbesondere gegen die Schwachen und Armen, alle diese bekannten christlichen Grund- und Hauptgedanken wiederholen die unverfälschte jüdische Lehre, die Lehre der Propheten. Diese jüdische Lehre wird als vom Christentum geläutert und aufgesogen fingiert und läuft nicht mehr unter der Vokabel „Judentum“ mit. Das wahre Israel ist dogmatisch die Christenheit geworden, die Worte „Judentum“ — „jüdisch“ kommen nicht mehr vor, obwohl die religiöse Vorstellungswelt des Judentums seit den Tagen, als Ulfilas seinen Goten die Bibel in ihrer Sprache gab bis heute, die Geschichte der abendländischen Kirche begleitet. So wenig Abt Herwegen mit Schaafhausen einverstanden ist, in der Haltung dem Jüdischen gegenüber unterscheidet er sich nicht von ihm. Im übrigen bieten die Charakterisierungen von antikem Geist und germanischer Volksseele, von Romanentum und Germanentum tiefe Einblicke in die Geschichte und in die Wesenskräfte des deutschen Volkes. „Zu dem Unterschiede, den Blut und Boden zwischen Antike und Germanentum begründen, kommt dem Christentum gegenüber auch noch das Alter dieser Völkergruppen zur Geltung. Die Antike stand im Greisenalter, das Germanentum im Knabenalter, als sie Christus begegneten.“ Die Gesamtansicht und die Wertungen, die Abt Herwegen in seinen bedeutenden und ausgeglichenen Vorträgen gibt, sind selbstverständlich ausschließlich die des dogmatischen Katholizismus: Darnach bemißt sich „Größe“ der Kultur, „Tiefstand“, Vorzüge und Schwäche eines Volkes. Herwegen will die Frage nach der „inneren Wechselwirkung“ beantworten, „in die sowohl die Antike wie das Germanentum zu der Absolutheit des Christentums getreten sind“. „Das Christentum ist in seiner Lehre, seinem Kultus, seiner Moral einzig, ungeteilt und unveränderlich dem Wesensgehalt nach.“ Das Eingehen in diese christliche Welt und das Mitschwingen mit ihren Impulsen ist aber bei den einzelnen Völkern verschieden. Aus der Begegnung des Christentums mit der Antike ist eine andere Legierung entstanden als mit dem Germanentum. „Auf die kürzeste Formel gebracht, könnte man sagen: Für den antiken Menschen ist die höchste Wirklichkeit die höchste Geistigkeit. Für den germanischen Menschen ist die größte Wirklichkeit das ihm greifbar Nächste.“ Das beste Beispiel für die antike Betrachtungsweise sieht Herwegen in der Stellung Augustins zu Christus in Kirche und Sakrament. Man kann hier bei Herwegen die lichtvollsten, charakteristischsten und vor allem authentischsten Erklärungen der gerade für Juden unserer Zone so schwer faßbaren dogmatischen Begriffe „Kirche“ und „Sakrament“ lesen: Wer die Konzeption des „zeitlichen Heilsgeschehens“ als überzeitliche Tatsache nicht im geistigen Prozeß — sei es in der neuplatonischen oder christlich-dogmatischen Sehweise — mitvollzogen hat, von unserem Standort aus natürlich als Verständnis eines fremden Sinnes und Seins, wird niemals einen Sinn mit dem echten christlichen Glaubensgut verknüpfen können. — Im Gegensatz zur antiken Erfassung des christlichen Gedankens sei für den germanischen Menschen die erste Wirklichkeit nicht das Geistige, sondern das Konkrete, Singuläre, das in der unmittelbaren Erfahrung ergriffen werden kann. An der germanischen Philosophie des Mittelalters, am germanischen Kunstschaffen dieser Epoche sucht Herwegen seine gewagte, nicht neue These nachzuweisen. Alle Beispiele, die Herwegen bringt, sind von der stärksten homiletischen Eindringlichkeit; sie lassen außerdem wie durch ein Guckloch in den vielfältigen Reichtum des christlichen Mittelalters, seiner Vorstellungswelt in Schrift und Bild blicken. Herwegen will zeigen, wie die unmetaphysische, auf das Konkrete, Greifbare, das „Historische“ im weitesten Sinn eingestellte Denkweise dem Germanen das Durchdringen zum geistigen Kern des Mysteriums äußerst erschwert. Die Meß-Erklärungen, das kultische Gedächtnis in der antiken und germanischen Welt verdeutlichen diesen Unterschied am besten. Im Begriff der „Abgeschiedenheit“ von der Welt im antiken und germanischen Christentum trete die Verschiedenheit altchristlicher und mittelalterlicher Mystik noch einmal eigenartig hervor. Die intimitas divina — Leidenschaftslosigkeit, Seelenruhe beim altchristlichen und romanischen Menschen, gemütvolle, innige Hingabe in drohender pantheistischer Übersteigerung in der germanischen Fassung — ist selten so feinsinnig, mit äußerster Diskretion und scharfsinnig-überlegen zugleich interpretiert worden. Herwegen stellt die schwere Frage: „Liegt es nun in der Konsequenz dieser Feststellung, daß das Christentum zum Germanentum in einem unversöhnlichen Gegensatz stünde, während es mit der ,Romanitas4 nahezu identisch wäre?“ Herwegen antwortet natürlich verneinend, „weil das Christentum auf einer wesentlich höheren Ebene steht als jedes Volkstum und jegliche Naturveranlagung“. Germanische und antik-romanische Anlagen ergänzen sich. „Der germanische Mensch ist als Mensch der Übergänge, der Entwicklungen, des Grenzenlosen, weniger schnell fertig, seinem Wesen nach jugendlicher und deshalb in größere Tiefe hinein formbar als der südliche Mensch.“ Nur mit tiefer Bewegung kann der bewußt-jüdische Mensch, der von den Betrachtungen in den vorliegenden Vorträgen ausgeschlossen ist, die starke geschlossene Anschauung von Gott, Welt, Mensch aufnehmen, die sich hier manifestiert. Eine Kritik an dieser Metaphysik soll hier ebensowenig in Frage kommen wie an den großen wissenschaftlichen Erkenntnissen über mittelalterliches Denken und Verstehen, wie es uns Abt Herwegen vermittelt. Auch die typische geläuterte Einsicht des heutigen deutschen Juden in den Zusammenhang der weltlichen und außerpolitischen Dinge umfaßt mit alles Erkennbare über die Verschiedenartigkeit des Verschmelzungsvorganges von Christentum und Romanentum einerseits und Christentum und Germanentum andererseits; denn mitten in diesen Umschmelzungsprozeß war auch der Jude seit Beginn unserer Zeitrechnung schicksalhaft hineingestellt. Von dem Ergebnis dieses Prozesses ist nicht nur das jüdische Schicksal abhängig gewesen, sondern der jüdische Mensch ist dabei ohne es zu wollen mitgeformt worden. Deshalb werden die Salzburger Vorträge zu diesem Thema auch von Juden gehört und hoch geschätzt werden. F. Jüdischer Arbeitsnachweis München, Herzog-Max-Straße 5/1 Tel. 39288 Wir bitten, sich bei Bedarf unseres Arbeitsnachweises zu bedienen. Gut empfohlene und bewährte Kräfte stehen zur Verfügung. Wir führen nachstehend einige auf: I. Büro- und Verkaufskräfte: Nr. 96 Anfangskontoristin, sehr begabt und äußerst tüchtig. Nr. 97 Kontoristin mit sehr guten Kenntnissen in der engl., franz. und span. Sprache. Nr. 98 Kontoristin oder Telefonistin, vertraut mit allen Büro- Arbeiten, 24 Jahre alt, gute Zeugnisse. Nr. 99 Verkäuferin, 29 Jahr alt, 7 Jahre Praxis in Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäften; mit sehr guten Zeugnissen. II. Hausangestellte: Nr. 100 Junges tüchtiges Mädchen im Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe ausgebildet, gewandt im kochen, sehr kinderlieb, übernimmt jede Arbeit. Oskar Böhm Glasermeister München Thierschstr. 39 Fernruf 26103 Neubauten Einglasen von Schaufenstern Ein- und Umglasen von Glasdächern bei langjähriger Garantie Ausführung sämtlicher Reparaturen In allen Stadtteilen ohne Preisaufschlag / Offerte kostenlos

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