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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-08-15 · 16 (15.8.1932) · p. Seite 247

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
16 (15.8.1932)
Date
1932-08-15
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 247 Die führenden Mineralquellen Süddeutschlands Goldene Staatsmedaille s />ä/ y ft' .6' A® N jtPigSP P* 4^ V a9 a' a» Lp jr > Fp ' * Lp aJI \e> Prospekte nnd Vertreternachweis durch die Mineralbrunnen A.-G. in Bad Uberkingen. Geldmachf und Kulfurleisfung. — über Luxus und schlichte Lebensführung Das höchst aktuelle Thema einer richtigen, d. h. kulturell optimalen Einkommens- und Besitzverteilung ist heute in ein neues Stadium getreten. Wir veröffentlichen hier die jüngsten Äußerungen von zwei hervorragenden Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens zu diesen Fragen, die die jüdische Welt von jeher interessiert haben. Dabei wird stillschweigend im Sinne des großstädtischen westeuropäischen Zivilisationsgedankens die komplexe Erscheinung „Kultur“, die zu allen Zeiten in scharfen Gegensatz zu jeder wahrhaften, verinnerlichten Religion getreten ist, naiv-optimistisch bejaht. Die erste Äußerung „Geldmacht und Kulturleistung“ stammt von dem Wirtschaftshistoriker der Münchener Universität, Professor Jakob Strieder, und bildet einen Auszug seines Aufsatzes in einem der letzten Hefte des „Kunstwarts“. Der zweite Essay stammt von dem berühmten Bonner Romanisten Professor Ernst Robert Curtius. I. Geldmacht und Kulturleistung Von Prof. Dr. Jakob Strieder Wie problematisch und schwer zu beantworten die Frage des Zusammenhangs zwischen Kultur und Geldbesitz eines Volkes, zwischen kultureller Macht und Geldmacht einer Nation ist, kann am besten an einer Gegenüberstellung zweier Zeitalter höchster deutscher Kultur und ihrer jeweiligen, ganz verschieden gearteten wirtschaftlichen Grundlagen aufgezeigt werden. Unzweifelhaft fällt in die letzte Hälfte des 15. und in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Epoche der Hochblüte deutscher Kunst. Es genüge, die großen Namen Albrecht Dürer, Matthias Grünewald, Hans Holbein d. J. und d. Ä. zu nennen, um diese ganz große Zeit deutscher Kulturhöhe vor unserm geistigen Auge aufsteigen zu lassen. Mit diesem Zeitalter höchster künstlerischer deutscher Kultur fällt eine Epoche außergewöhnlicher deutscher Wirtschaftsleistung und daraus hervorgehender Geldmacht zusammen. Das deutsche Bürgertum erscheint als das reichste Europas noch nach der Mitte des 16. Jahrhunderts. Wie in dieser Weise während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kulturelle deutsche Macht mit deutscher Geld-'* und Wirtschaftsmacht zeitlich zusammenfällt, so können wir seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch einen annähernd gleichzeitigen Übergang zur kulturellen Ohnmacht und zum wirtschaftlich-geldlichen Verfall in Deutschland feststellen. Es wäre nun eine reichlich oberflächliche Betrachtungsweise, wenn man Blüte und Verfall der deutschen Kunst und Kultur im 16. Jahrhundert in ursächliche Verbindung mit der gleichzeitigen Hochblüte und dem annähernd gleichzeitigen Verfallsbeginn der deutschen Geldmächte bringen wollte. Gewiß hat sich auch damals schon das Geld als Macht in kultureller Beziehung dadurch bewiesen, daß die bürgerlichen Reichtumsbesitzer neben den alten feudalen Mächten, der Kirche und dem Adel, als Auftraggeber der Künstler eine wachsende Rolle spielten. Man braucht nur den Dürerschen Briefwechsel oder das Tagebuch seiner niederländischen Reise zu lesen, um zu erkennen, was beispielsweise für diesen größten deutschen Maler eine für Kunst empfängliche Kaufmannschaft bedeutet hat. Oder man denke an Hans Holbein den Jüngeren, dem die hanseatischen Kaufleute in London nicht nur Aufträge für die Ausmalung ihres berühmten Gildehauses, des sogenannten Stahlhofs, gaben, sondern den sie auch mit Porträtaufträgen in größter Anzahl bedachten. Es wäre für diejenigen, die gleichzeitig in der Wirtschafts- und in der Kunstgeschichte des 16. Jahrhunderts einigermaßen Bescheid wissen, leicht, viele Dutzende von Beispielen der großartigsten Förderung deutscher Kunst des 16. Jahrhunderts durch die Geldmacht der Kaufleute anzuführen. Und dennoch wäre damit kein Beweis geliefert für die entscheidende Stellung, die Geldbesitz in dem Kunstschaffen eines Volkes spielt. Als Deutschland und Österreich im 17. und 18. Jahrhundert geldarme Länder waren, hat der unbezwingbare Kunstwille des damaligen geistlichen und weltlichen Fürstentums großen Architekten Bauten in Auftrag gegeben von einer Größe und Pracht, daß man meinen könnte, ihr Geldbesitz müsse ganz gewaltig gewesen sein. Tatsächlich waren es aber im wesentlichen geschickte Finanzgebarungen mit Übertragung der Baulasten und Bauschulden auf mehrere kommende Generationen, die viele der großartigsten Barockbauten ermöglichten. Wie getrennt die Linien des Aufstiegs von künstlerischer und materieller Kultur eines Volkes verlaufen können, wird am besten an der deutschen Geschichte des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts gezeigt, Der großen kulturellen Macht, die

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