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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-08-01 · 15 (1.8.1932) · p. Seite 234

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
15 (1.8.1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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234 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 in allernächster Zeit ihre Tätigkeit aufnehmen wird, wird dem Wohlfahrtsamt eine Entlastung bringen. Bei der Durchwandererstelle sprachen 1931 812 Personen vor, der Etat der Wanderfürsorge beträgt zirka RM. 5000.—: RM. 1200.— Zuschuß aus dem Wohlfahrtsetat der Gemeinde, RM. 1500.— Verband Bayer. Israel. Gemeinden, RM. 200.— Gemeinde Augsburg, RM. 1200.— Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten. Zur Unterstützung der Durchwanderer mit Bargeld, Speisemarken und Schlafkarten wurden RM. 2600.— verwendet, RM. 1500.— sind für 202 Fahrkarten verauslagt worden. Durch ein Abkommen mit Österreich und der Tschechoslowakei ist es seit Beginn des Jahres 1931 möglich, Wanderer auch auf weite Strecken durchzubefördern. Zur Zeit hat die Regelung durch die Schwierigkeit in der Devisenbeschaffung eine Unterbrechung erfahren. Unterhandlungen wegen einer Neuregelung sind im Gang. Dem Arbeitsnachweis sind im Laufe des Jahres 310 Stellengesuche Vorgelegen. 109 Personen konnten in Stellen vermittelt werden, darunter 25 aushilfsweise. 87 Arbeitsgesuche erledigten sich ohne Mitwirkung des Arbeitsnachweises, so daß am 1. Jan. 1932 noch 145 Arbeitssuchende verfügbar waren. Die Berufsberatung wurde von 16 Jungen und Mädchen aufgesucht, 7 konnten durch Vermittlung der Berufsberatung in Lehrstellen vermittelt werden, 7 haben selbst Stellen gefunden, 2 haben sich zur weiteren Ausbildung entschlossen. Der Referent gedenkt mit warmen Worten des Dankes Frau Liesel Löffler, die vor wenigen Tagen gestorben ist. Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer dankt Herrn Justizrat Dr. Straus für seine Ausführungen über das Wohlfahrtsamt. Frl. Kitzinger berichtet über die Nothilfe im Winter 1931/32, soweit sie im Zusammenhänge mit dem Wohlfahrtsamt stand. Im Laufe des Winters fanden 6 Verteilungen für nichtjüdische Hilfsbedürftige statt. Jedesmal wurden mehrere 100 Personen mit den aus der Nothilfe zugewiesenen Mitteln unterstützt. In der Ritterschen Speiseanstalt wurde eine Wärmestube unterhalten, die dem allgemeinen Besuch? offenstand. Frl. Fränkel berichtet über die Arbeit des Jugendamtes. Von insgesamt RM. 20 000.—, die zur Verfügung standen, wurden RM. 6000.— in der offenen Fürsorge und RM. 14 000.— in der geschlossenen Fürsorge zur Bezahlung von Verpflegszuschüssen für 62 in Heimen untergebrachte Kinder verwendet. Insgesamt wurden 231 Kinder befürsorgt. 34 Kinder sind im Laufe des Jahres in Heimen untergebracht worden, davon 19 vorübergehend. 3 Kinder kamen in Familienpflege. In 12 ärztlichen Beratungsstunden wurden die Kinder regelmäßig ärztlich überwacht. Der Hort, der täglich von etwa 40 Kindern besucht wird, bedeutet eine große Entlastung des Jugendamtes. In Verbindung mit dem Hort steht eine Kinderspeisung, die der Schwesternbund der München-Loge durchführt. Der Mädchenklub wird insgesamt von 16 berufstätigen Mädchen besucht. Für die Erholungsfürsorge standen etatmäßig keine Mittel zur Verfügung, nur durch eine anläßlich des Ablebens von Herrn Kommerzienrat Martin Rosenthal gemachte Spende war es möglich, einer Gruppe von 28 Kindern, einer Reihe von Lehrlingen und Mädchen und 5 Erwachsenen einen Erholungsaufenthalt zu verschaffen. Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer gibt in seinem Schlußwort seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Gemeinde dem Wohlfahrtsamt nur mehr den Rahmen zur Verfügung stellen kann. Die Aufbringung der Mittel sei zur Pflicht jedes Einzelnen geworden. Dr. Neumeyer weist auf die Wichtigkeit der Geburtenzunahme im Interesse der Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft hin. Er schließt mit einem nochmaligen Hinweis aut die Wichtigkeit der Mithilfe iedes einzelnen Gemeindemitgliedes und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Bericht der Vereine im Herbst mit dem gleichen Interesse entgegen genommen wird. Justizrat Onpenheimer bit+et. daß das Referat üb^r die Vereine vor einem möglichst großen Kreic; ^egch»n wird. Es sei notwendig. neue Menschen für die Wohlfahrtsarbeit zu gewinnen. Nachforschung nach einem russischen Gefangenen Der ehemalige russische Soldat Ephraim Abramow i t z aus Wilna, der angeblich in einem deutschen Gefangenenlager gewesen ist, wird seit Jahren von seinen Angehörigen gesucht. Nachforschungen bei den amtlichen Nachweisebüros in München, Spandau und Wien, waren bisher erfolglos. Sollte irgend jemand einen Gefangenen dieses Namens gekannt haben oder über seinen Verbleib etwas wissen, so wird gebeten, entsprechende Mitteilungen an das Rabbinat München, Haydnstraße 10/11, gelangen zu lassen. Kommerzienrat Albert Schulmann gestorben Im Alter von 78 Jahren ist am 14. Juli Albert Schulmann, eine der bekanntesten und geachtesten Persönlichkeiten des Münchener Wirtschaftslebens gestorben. Albert Schulmann war im Jahre 1854 in Kronheim geboren und lebte seit 1869 ununterbrochen in München. Seit 1. Januar 1897 gehörte er bis Mitte 1919 — über 22 Jahre — der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde an, deren Kassier er 1911/12 war». Im April vorigen Jahres ging ihm seine Gattin, geborene Rau, im Tode voraus. K.-R. Schulmann wurde im Jahre 1890, bald nachdem er die väterliche Firma übernommen hatte, in die Vorstandschaft des Münchener Handelsvereins berufen, dessen dritter Vorsitzender er bis zu seinem Ableben war. Schon 1886 wurde er zum Börsenkommissar gewählt und 1890 zum Mitglied des Börsenausschusses; seit 1902 war er Mitglied des Börsenvorstandes, der ihn 1911 zum stellvertretenden Vorsitzenden wählte. Neben einer erfolgreichen Tätigkeit im Bankgeschäft, in dem er den Typus des soliden alten Bankiers darstellte, leistete der Verstorbene in seinen Ehrenämtern für die Münchener Börsen und den Bankierstand Hervorragendes. Seine reiche Erfahrung, gepaart mit gründlichem Wissen und unermüdlicher Arbeitskraft, sicherte ihm eine überragende Autorität, sein gewinnendes Wesen, sein lauterer Charakter und seine große Hilfsbereitschaft die Zuneigung und Verehrung aller, die dem Verstorbenen näher gekommen sind. Aus bayerischen Gemeinden Bezirksrabbiner Dr. 8. Bamberger im Ruhestand Am 1. Juli trat Bezirksrabbiner Dr. S. Bamberger, der fast ein Menschenalter als treuer Wächter des gesetzestreuen Judentums in Bad Kissingen gewirkt hat, in den Ruhestand. Vor fast 30 Jahren wurde er als Nachfolger seines Schwiegervaters von Schrimm nach Kissingen berufen. Viele Einrichtungen zeugen von seiner unermüdlichen Arbeitskraft, so u. a. das Israelitische Kurhospiz, das weit über Kissingen hinaus bekannt geworden ist. Als Nachfolger wurde Herr Bezirksrabbiner Dr. Max Ephraim aus Burgpreppach gewählt. Rabbiner Dr. Ephraim ist Schüler des Hildesheimerschen Rabbinerseminars. Wir wünschen Herrn Rabbiner Dr. Bamberger einen langen gesegneten Lebensabend. Aus dem Reiche Jahres- und Entlassungsfeier am Rabbinerseminar zu Berlin Wie alljährlich seit 30 Jahren fand auch in diesem Jahr am 4. Tammus, dem Sterbetage Rabbi Esriel Hildesheimers, in der Synagoge des von ihm vor fast 60 Jahren begründeten Rabbinerseminars eine Gedenkfeier statt, mit der stets die Entlassung von Absolventen verbunden ist. Unter den zahlreichen Teilnehmern befanden sich fast alle Seminarstudenten, die hauptamtlichen Dozenten Drs. Grünberg, Weinberg und Auerbach, die Hilfsdozenten Drs. Erich E. Hildesheimer und Alexander Alt- ' mann, als Vertreter des Kuratoriums Dr. Meier Hildesheimer 'und Handelsgerichtsrat Struck, sowie viele ehemalige Schüler und Freunde der Anstalt. Nach einleitender Psalmrezitation hielt der Vorsitzende des Dozentenkollegiums Dr. Grünberg die Gedenk- und Festrede. Nach einem Abriß der Lebens- und Entwicklungsgeschichte des Anstaltsgründers und Grußesworten für den durch schweres Leiden seiner umfangreichen Forschungs¬ und Lehrtätigkeit ferngehaltenen langjährigen Führer des Seminars Dr. Joseph Wohlgemuth, richtete er an Absolventen und Studenten die Mahnung, sich würdig des Gründers urH der von ihm dem Judentum nach einer Periode geistigen Ver-

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