Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 14 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- Seite 220 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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220 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 d e n. Sobald diese Stellen besetzt sind, ist noch die Ansiedlung eines jüdischen Lehrers sowie dreier Handwerker (Schneider, Schuhmacher und Stellmacher) mit je 2 Morgen Gartenland vorgesehen. 60 Jahre Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin blickt in diesen Wochen auf ein sechzigjäriges Bestehen zurück. Sie veröffentlicht aus diesem Anlaß einen Bericht, dem die fünf Dozenten kurz gehaltene, doch überaus wertvolle, wissenschaftliche Abhandlungen beigegeben haben, aus denen auch der Laie ein Bild von der Hochschule und ihrem Gebiet gewinnt. Dem Tätigkeitsbericht des Kuratoriums über das Jahr 1931 geht eine kurze Übersicht über die Geschichte der Hochschule, ihren Auf- und Ausbau während der 60 Jahre, den Kampf um ihre Unabhängigkeit und um ihre Erhaltung, ihr Vorwärtsstreben, ihre Leistungen und ihre Anerkennung. Aus dem Geschäftsbericht des Kuratoriums ist vor allem der starke Besuch der Hochschule hervorzuheben. Obwohl immer wieder darauf hingewiesen wird, daß der Beruf des Rabbiners oder Reli<rionslehrers augenblicklich keine Aussichten bietet, hat sich die Zahl der Studierenden abermals erhöht und ist auf 155 gestiegen. Besonders stark zugenommen hat die Zahl der weiblichen Studierenden. Sodann sei die durch das Vermächtnis von Frau Justizrat Margarete Hausmann ermöglichte Einrichtung und Einweihung des Heims für jüdische Akademiker in Arendsee erwähnt. Das vornehme, vorzüglich geleitete Haus in herrlichster Lage erfreute sich seit seiner Eröffnung regen Zuspruchs und hat sich bereits in weitesten Kreisen jüdischer Akademiker Freunde erworben. Der Finanzbericht bietet ein überaus trauriges Bild, der diesjährige Etat schließt mit einem Defizit von RM. 52 000.— ab. Die Landesverbände und Gemeinden konnten und können nicht mehr jene Beträge beisteuern, die unbedingt benötigt werden; die frühere Spender sind zum größten Teil selbst mittellos. Die Werbetätigkeit brachte infolge der Wirtschaftskrise nur geringen Ertrag. Trotz äußerster Sparsamkeit, trotz wiederholter erheblicher Kürzungen der Gehälter der Dozenten und Angestellten hat die Hochschule behufs Deckung des Defizits zum Verkauf von Effekten greifen müssen und damit den größten Teil ihres Vermögens einbüßen müssen; dieses dürfte schnell völlig aufgebraucht sein, wenn nicht bald materielle Hilfe kommt. Trotz aller finanziellen Nöte muß diese so wertvolle und für das Judentum lebenswichtige Anstalt, deren Schüler in den verschiedensten Ländern und Erdteilen bedeutende Stellen bekleiden, erhalten bleiben. „Wir können uns“ — so* schließt der Finanzbericht — „nur so auf die eigene Kraft der deutschen Judenheit verlassen, wissen aber, daß diese, wenn sie auch geschwächt ist, bei rechter Einsicht und gutem Willen ausreicht, eine Anstalt wie die unsere zu erhalten.“ Die Themen der dem Bericht beigegebenen Abhandlungen lauten: „Vom Ursinn der Bibel“ von Dr. Harry Torcziner, „Zum Begriff: Wissenschaft des Judentums“ von Prof. Dr. Ismar Elbogen. „Theologie und. Geschichte“, von Rabbiner Dr. Leo Baeck, ..Die Idee der religiösen Gemeinschaft im Judentum“ von Prof. Dr. Julius Guttmann, „Zur neueren Talmudforschung“ von Dr. Chanoch Albeck. . Vereine Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Orasgruppe München . Am Donnerstag, dem 7. Juli 1932, fand im großen Saal des Künstlerhauses eine vom Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufene Versammlung statt, in der der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe München, Dr. Alfred Werner, über das Thema „Die politische Lage vor den Wahlen“ sprach. Die klare Aufeinanderfolge der Gedankengänge und die eindringliche Art der Darlegungen fesselten die Zuhörerschaft in besonderem Maße. Der Vortrag, an den sich eine kurze Diskussion anschloß, diente der Orientierung der jüdischen Wählerschaft im Hinblick auf die kommenden Reichstagswahlerf.'Er klang aus in dem Gedanken, daß der jüdische Wähler in den politischen Entscheidungskämpfen nicht allein für sich, sondern auch für die Interessen des gesamten Deutschland einzutreten habe. Jüdischer Jugendverein München. Juli-Programm 1932 I. Donnerstage: Auch im Monat Juli findet bei gutem Wetter ab 19 Uhr unser Turn- und Spielbetrieb in der Mente'rschwaige (Spielwiese des Restaurants Reindl) statt. II. Sonntagsfahrten; Während des Monats Juli wollen wir wieder eine Reihe von Wanderungen unternehmen, die sämtlich von Herrn Theodor N a s c hü t z geführt werden. 17. Juli: Badetour ins Himmelreich (bei Dachau natürlich!) SK. Dachau, Preis RM. 1.—, Treffpunkt Hauptbahnhof äußere Uhr, spätestens % 14 Uhr. 24. Juli: Wanderung zum Steinsee. SK. Eglharting, Preis RM. 1.20, Eglharting, Buch, Besichtigung der tausendjährigen Königseiche, Steinsee, dort baden. Treffpunkt spätestens 14.30 Uhr am Haupteingang des Ostbahnhofes. 31. Juli: Fahrt nach Planegg. SK. Planegg, RM. —.80, Treffpunkt spätestens %14 Uhr Starnberger Bahnhof, äußere Uhr. Badesachen mitbringen:! III. Vereinsalbum: Wegen Anlage eines solchen bitten wir alle unsere Freunde, vorhandene Negative oder Abzüge von früheren gemeinsamen Fahrten, Ausflügen usw. Herrn Siegi Einstein, München 9, Benediktinerplatz 6, zur Verfügung zu stellen, der die Zusamenstellung des Buches freundlicherweise übernommen hat. Freunde! Werbt neue Mitglieder, bringt Bekannte zu unseren Veranstaltungen mit, Gäste sind uns immer herzlich willkommen. Besuchsreisen jüdischer Vorkriegs-Emigranten in der Sowjetunion Die Münchener Vertretung des Reisebüros für den Verkehr mit der Sowjet-Union, In tour ist, Maximiansplatz 12, teilt uns mit, daß jüdischen Vorkriegsemigranten, die den Wunsch haben, ihre in der Sowjetunion lebenden Angehörigen zu besuchen seitens der Sowjetbehörden keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden. Im Gegenteil wird solchen Emigranten zu Besuchszwecken das Sowjet-Einreisevisum durch Intourist auf dem schnellsten Wege besorgt. Bücherschau Begegnungen und Trennungen. Essays über Christentum und Germanentum. Von Sigrid Undset. Deutsch von F. M. Willam. München o. J„ Jos. Kösel &. Fr. Pustet. 165 S. Gebunden RM. 6.—. Die großen Wirkungen der Undset, ihr tiefer Eindruck kam nicht nur aus dem rein Erzählerischen ihrer Bücher. Man spürte hinter der Fabulierkunst den geistigen Urgrund ihrer Werke, ihre starke Persönlichkeit, ihre nicht alltäglich erlebte, sondern erkämpfte und erlittene Weltanschauung. Sie ist nicht einfach eine Märchentante (wie die große verzaubernde Selma), sondern ein durch und durch gewühlter, aus Chaos klar entwickelter Mensch. Jetzt, in diesem kleinen Buch, legt sie Rechenschaft ab über sich, und das heißt über ihren Übertritt zum Katholizismus; über ihren einsamen Hochmut und ihre Erlösung. „Sie