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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-07-15 · 7 (15.7.1932) · p. Seite 17

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
7 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 17 Nr. 7 Religiöns- und talmudischen Fächern konnte abgesehen werden, da den Kollegen anderweitig reichlich Gelegenheit hierzu geboten ist. J. Kissinger. 2. Kitzingen Im abgelaufenen Jahre wurden neun Konferenzen abgehalten lind zwar am ersten Mittwoch jedes Monats. Die Zusammenkünfte fanden im israelitischen Lehrerseminar zu Würzburg statt. Die Beteiligung war stets eine sehr gute. Auch pensionierte Kollegen nahmen an. den Sitzungen teil. Ständiger Punkt der Tagesordnung war das Studium der ■ nuin3 'Dp nvjtpo und mD-in kioj unter der bewährten Leitung des Bezirksrabbiners Dr. J. Wohlgemuth (Kitzingen). In Referaten wurden folgende Themen behandelt: 1. Mehrere Kapitel aus dem Werke: Das Judentum und die Umwelt von Prof. Gutmann. 2. Erfahrungen in der Fibelstufe nach der Mandelbaumschen Fibel. 3. Methodische Behandlung des Übersetzungsstoffes im 2. und 3. Jahrgang. 4. Vereins- und Standesangelegenheiten fanden ausreichende Würdigung. Die Konferenz-Bibliothek wurde fleißig benützt und konnte auch durch einige Neuanschaffungen erweitert werden. N. Bamberger, Kitzingen. 3. Bamberg Die Fortbildungskonferenz Bamberg besteht in diesem Monat zwei Jahre und ist somit die jüngste Unterorganisation des Bayerischen Jüdischen Lehrervereins. Wohl bestand schon früher ein loser Kontakt zwischen den Lehrern des Rabbinatsbezirkes, der sich aber nur in gelegentlichen, zwanglosen Zusammenkünften äußerte und mehr geselligen Charakters war. Erst der energischen, zielbewußten Vorarbeit des jetzigen Bezirksrabbiners Dr. Katten (Bamberg) ist es zu verdanken, daß eine Fortbildungskcnferenz zustande kam. Angeschlossen sind die Kollegen der Gemeinden Demmelsdorf, Hirschaid, Mühlhausen, Forchheim und Bamberg. Eine wertvolle Bereicherung der Bezirkskonferenzen könnte noch durch den Beitritt der Kollegen nördlich der Mainlinie erfolgen. Die Konferenzen wurden regelmäßig alle vier Wochen abgehalten. Zweck derselben ist die Weiterbildung und Vertiefung in den hebräischen Fächern, die Besprechung pädagogischer Fragen und Standesangelegenheiten, die Anleitung zur Ausarbeitung von Predigten und Schiur-Vorträgen, sowie das freundschaftliche Verhältnis zwischen den Kollegen zu heben und zu fördern. Diesen Anforderungen sind die Zusammenkünfte, die sich immer eines vollzähligen Besuches erfreuten, in jeder Weise gerecht geworden. In wechselnder Reihenfolge wurden von Herrn Dr. Katten sowie von den einzelnen Kollegen im vergangenen Jahre folgende Themata behandelt: Das Leben Abrahams an Hand des Midrasch, Hammurabbi und seine Zeit, die Entstehung und die Bedeutung unserer Gebete, das Arbeitsprinzip im Religionsunterricht auf der Unterstufe, moderner Fibelunterricht, Jesaia und seine Zeit, das Kapitel 49,1. Buch Mose in bibelexegetischer Betrachtung. Neben der Behandlung jüdisch-wissenschaftlicher und pädagogischer Fragen wurde in den letzten Zusammenkünften dem ..Lernen“ besondere Aufmerksamkeit zugewen^et. Aus der wurde rv^yn aus der JOD.1 wird zur Zeit behandelt. Die Konferenzen werden im allgemeinen in Bamberg, im Sommer bei Kollegen auf dem Lande abgehalten. Schapiro. 4. Ansbach Im vergangenen Jahre 1931 fanden folgende sechs Zusamsamkünfte statt, die durchschnittlich von 15 Mitgliedern besucht waren und bei denen alle Teilnehmer reges Interesse bekundeten. 1. Am 11. I. 31. Vortrag: Geschichtliche Entwicklung des Gottesdienstes. Referent: Goldberg (Bechhofen). 2. Am 22. II. 31. Vortrag: Kulturhistorisches und Ethisches über das Purimfest. Referent: Rabb. Dr. Munk (Ansbach). 3. Am 19. IV. 31. Vortrag: Naturbetrachtung in den Psalmen. Referent: Frank (Uffenheim). 4. Am 7. VI. 31. Vortrag: Jüdische Heimatgeschichte im Unterricht. Referent: Levite (Gunzenhausen). 5. Am 12. VII. 31. Fragen, die den Schliach-Zibbur angehen. Referent: Rabb. Dr. Mannes (Schwabach). 6. Am 1. XI. 31. Vortrag: Verwendung von Midraschim im Unterricht. Referent: Nathan Adler (Nürnberg). Die Konferenzen wurden regelmäßig mit einer Besprechung über Berufs- und Standesfragen eingeleitet, darauf folgte der Vortrag mit anschließender Aussprache und Vertiefung, den Beschluß bildete Lernen aus Talmud Chulin. Levite (Gunzenhausen). Auszeichnung. Unser verehrter Vorsitzender ist, wie die letzte Nummer der „Gemeinde-Zeitung“ mitteilte, zum Oberlehrer ernannt worden. Wir gratulieren zu dieser wohlverdienten Auszeichnung. A Büchersdiau Laub Alfred, Seelenabgründe. Fehlentwicklung und Heilbehandlungdes Charakters in Erziehung und Selbsterziehung. 8" (VIII u. 192 S.) Freiburg i. Br. 1932., Herder. Laubs Schrift geht, wie schon der Titel andeutet, auf Fragen und Probleme der Heilpädagogik ein. Das weltanschaulich gebundene, an der katholischen Lehre orientierte Buch — die ungeheure Diskrepanz, die im Weltanschaulichen hier sichtbar wird, sieht man immer wieder klar vor Augen — wird insofern über den katholischen Leserkreis hinaus jeden Lehrer, der religiöse Bindungen anerkennt, interessieren, als Laub sehr eindringlich darlegt, wie heilpädagogische Tätigkeit zutiefst im Weltanschaulichen verwurzelt ist. Man hat diese Zusammenhänge und Verknüpfungen ganz besonders innerhalb der katholischen Kirche erkannt. Vergleiche den Artikel „Heilpädagogik und Heilerziehung“ in dem „Lexikon der Pädagogik der Gegenwart“, Sp. 11247. Überall da also, wo die Wertseinsentwicklung gefährdet ist, sollten heilpädagogische Bemühungen einsetzen. Die Schrift Laubs wirkt besonders überzeugend durch viele Hinweise auf wirkliche Vorkommnisse. Laub scheut sich nicht, auch die heikelsten und unerquicklichsten, fast nicht aussprechbaren Dinge beim Namen zu nennen. Nur einige Themen seien genannt wie: Frühe Gewöhnung, Unterbewußtes und Unbewußtes, Psychoanalyse und Individualpsychologie, Fehlentwicklung im Geschlechtlichen, Eifersucht, Trotz und Eigensinn, Hysterie, Zwangsneurose. Obwohl uns das Weltanschauliche in einer bestimmten Erscheinungsform immer wieder entgegentritt, können wir doch mit vielem übereinstimmen. Ein Beispiel für viele: „Erst wenn die Seele ihren kleinen Ichkreis verläßt und hinausschreitet in den unendlichen Gotteskreis, erst da wird sie groß und großzügig und damit unfähig für alle jene kleinlichen Ichsorgen und Ichängste der Nervösen“, S. 181 f. Dr. Martin Keilhacker, Privatdozent für Psychologie und Pädagogik, Der ideale Lehrer nach der Auffassung der Schüler. Eine experimentelle Untersuchung. Gr.-8°. (VIII u. 156 S.). Freiburg i. Br. 1932, Herder. Die Schrift Keilhackers unterscheidet sich insofern von den Arbeiten, die bisher über den idealen Lehrer veröffentlicht wurden, als sie nicht von pädagogischen Theorien oder von der Praxis des Lehrers, sondern vom Schüler ausgeht. Keilhacker hat sich nämlich dabei von der Erwägung bestimmen lassen, daß der Versuch, ein Idealbild des Lehrers zu umreißen, nicht nur ein eingehendes Wissen vom Seelenleben des Lehrers, sondern auch vom Seelenleben des Schülers und von der Wirkung der beiden aufeinander voraussetzt, daß aber die letzten Punkte bis jetzt fast gar nicht erörtert wurden. Diese Diskussionen sind aber um so wichtiger, als wir im Hinblick auf das Seelenleben des Erwachsenen in gewissem Sinne von einem sich gleichbleibenden sprechen können, während beim Schüler das Entscheidende nicht im Konstanten sondern in dem der Entwicklung Unterworfenen und Wandelbaren liegt. Keilhacker kam es daher besonders darauf an, „festzustellen, ob und wie weit sich die gewaltigen seelischen und körperlichen Umwälzungen im Kind und im Jugendlichen speziell während der Pubertät bei der Bildung des Lehrerideals auswirken“. S. 2. Überzeugend weist er nach, indem er sich auf 3967 Aufsätze von Schülern und Schülerinnen aller Altersstufen, verschiedener Schulgatungen aus allen Teilen des Reiches stützt. ..daß mit der Entwicklung des Heranwachsenden auch eine Änderung in der Auffassung vom Idealtyp des Lehrers parallel g e h t“. S. 2. Keilhacker geht auf alle Fragen ein, die irgendwie hier in Betracht kommen, wie z. B. Lehrer oder Lehrerin, Alter. Äußeres. Gesamtatmosnhäre. Strenge, diszmlinare Fragen, Methodische Fragen des Unterrichts. Persönliches Verhältnis. Die jugendpsychologische Literatur hat durch Keilhackers Schrift eine Bereicherung erfahren. Ffwi.-WrohHppr Dr, Fmst Steckeimacher (Bad Dürkheim) Für den Inhalt der „Mitteilungen“ verantwortlich: Max Adler, München

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