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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-06-01 · 11 (1.6.1932) · p. Seite 171

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
11 (1.6.1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 171 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 171 litischen Gemeinde Bamberg." Bis fast an die Jahrtausendwende zurück führten, von Lichtbildern begleitet, die ungemein interessanten, an Hand wissenschaftlicher Belege gemachten Ausführungen und zeigten ein anschauliches Bild vom Werdegang der Bamberger Gemeinde und seiner Kulturstätten. Auch der Jüdische Jugend verein kann wieder in dem vergangenen Winter auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Regelmäßig wurden die Heimabende abgehalten. Die Referate, die sich mit den verschiedensten Problemen religiöser, jüdisch-wistenschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Art befaßten, wurden fast ausschließlich von aktiven Mitgliedern des Jüdischen Jugendvereins gehalten. Herr Dr. M. Wassermann, Bamberg, sprach im Rahmen eines Heimabends über „Das Wesen der Kabbalah". Den Höhepunkt der Veranstaltungen im Jüdischen Jugendverein bildete ein Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Rülf, Saarbrücken, über: „Das Ghetto und seine seelischen Wirkungen". Mit einem warmen Appell zur Besinnung auf unser „Judesein" und den sich daraus ergebenden Aufgaben und Pflichten schloß der Redner unter reichem Beifall des zahlreichen Publikums seine Ausführungen. Die Zionistische Ortsgruppe Bamberg begann ihre Winterveranstaltungen mit einer Jugendversammlung, in der .«and. rned. Franz Brüll, Bamberg, über „Jüdische Jugend in der Weltkrise" sprach. Am 25. November hielt Herr Redakteur Waldmann, Berlin, einen Vortrag mit dem Thema: „Der Weg des deutschen Judentums". Im Januar weilte ein Palästinenser, der Vorsitzende des deutschen Chaluz, Herr Lichtenstcin, in der rührigen Ortsgruppe und berichtete über den Aufbau und über das Leben einer Kewuzah. Herr Karl Glaser, Berlin, sprach.über „Die außenpolitische Lage des Zionismus und innerzionistische Tagesfragen", Herr Dr. Weichselbaum, Bamberg, über: „Wesen und Geschichte des Nationaljudentums". Der Keren Kajcmeth Lejisrael veranstaltete anläßlich seines dreißigjährigen Bestehens einen Lichtbildervortrag, zu dem sich der Leiter des Keren Kajemeth Lejisrael für Deutschland, Herr Dr. Mechner, Berlin, zur Verfügung gestellt hatte. Er gab einen Überblick über die Entwicklung des Keren Kajemeth Lejisrael und beleuchtete die zionistische Frage. Am ■ 30. März behandelte Franz Brüll in einem Vortrage das Thema „Zionismus und Kommunismus", am 12. April referierte cand. med. Hans Strauß, Bamberg, über „Weizmann und die Zeit seiner politischen Führerschaft innerhalb des Zionismus". Auch der erst im vergangenen Winter gegründete deutsch-jüdische Jugendbund entfaltete durch regelmäßige Abhaltung von Heimabenden eine rührige Tätigkeit und suchte durch Wanderungen das innere Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhöhen. Besonders hervorzuheben ist die neu ins Leben gerufene Abhaltung von Freitag-Abenden, die sich bei einer stimmungsvollen Abwicklung, besonders verschönt durch die Ansprachen von Herrn Dr. Kalten und verschiedener Chöre, regster Beteiligung erfreuten. In einem öffentlichen Vortrag sprach Herr Dr. Bamberger, Berlin, über das Thema: „Das Judentum in der Krise". I. S. Aus bayerischen Gemeinden Augsburg. Herr Rabbiner Dr. Ernst Jacob wurde durch den Tod seiner Mutter, der Gattin des Rabbiners i. R. Dr. B. Jacob (Dortmund), in tiefe Trauer versetzt. Pirmasens. Am 6. Mai feierte Frau Tony Michel, die Gattin des Oberlehrers und früheren langjährigen Leiters der hiesigen israelitischen Volksschule, ihren 60. Geburtstag. Frau Michel hat in der Kriegs- und Nachkriegszeit als Vorsitzende des Verbandes der israelitischen Frauenvereine der Pfalz, sowie als Ausschuß- und Vorstandsmitglied verschiedener jüdischer und nichtjüdischer Organisationen eine umfangreiche und wertvolle Tätigkeit auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge und der Wohlfahrtspflege entfaltet und hierfür an ihrem Geburtstage seitens der Verbände und Vereine, der Gemeinden und Rabbiner, sowie zahlreicher Einzelpersonen Dank und Anerkennung in reichstem Maße geerntet. Die Wertschätzung ihrer Persönlichkeit und ihres edlen Wirkens fand in einer Fülle von Ehrungen in Form von Zuschriften, Adresien und Geschenken sichtbaren Ausdruck. Besonders erwähnt seien nur die Beweise dankbarer Anerkennung und herzlicher Anteilnahme, welche der tatkräftigen und hochherzigen Führerin und Förderin seitens der israelitischen Frauenvereine der Pfalz, für welche Frau Emma L o e w aus Ludwigshafen eine kostbare Glückwunschadresse überreichte, seitens des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz und der hiesigen Kultusgemeinde, in deren Namen der Vorsitzende, Herr Karl Dreifuß, ihre Verdienste gebührend würdigte, dargebracht wurden. Frau Michel gehört auch dem Verband bayerischer israelitischer Gemeinden als Tagungsmitglied seit einer Reihe von Jahren an. Wir wünschen der Jubilarin noch viele Jahre segensreichen Schaffens zum Wohle unserer hilfsbedürftigen Glaubensgenosien und im Dienste derjenigen Organisationen, denen sie bisher in selbstloser Weise ihre Kräfte gewidmet hat. Heßdorf. Am 29. Mai vollendet die Mutter unseres Gemeindevorstandes, Frau Rosa Schild, geb. Heldmann, geistig und körperlich frisch ihr 90. Lebensjahr. Sie war ihrem Gatten bis zu dessen vor 25 Jahren erfolgten Tode eine treue Weggenossin und tapfere Helferin, ihren Kindern eine vorbildliche Mutter. Tiefe .Religiösität und festes Gottvertrauen waren ihr in wechselnden Lebensschicksalen ein sicherer Halt. Der Weltkrieg riß auch in ihre Familie schmerzliche Lücken, ein braver Schwiegersohn fiel in den ersten Kriegswochen. Bemerkt möge noch werden, daß Frau Schild trotz ihres hohen Alters es sich nicht nehmen ließ, bei der Reichspräsidentenwahl ihre Bürgerpflicht zu erfüllen. Persönliche Liebenswürdigkeit und ein glücklicher Humor erwarben ihr allgemeine Beliebtheit und Wertschätzung. Die Jubilarin ist noch eine eifrige Besucherin des sabbathlichen Gottesdienstes. Herzliche Wünsche ihrer zahlreichen Freunde geleiten sie in ein neues Lebensjahrzehnt. B. Würzburg. Herr Bezirksrabbiner Dr. H a n o v e r wurde durch das Hinscheiden seiner Gattin, einer Tochter des vor kurzem entschlafenen Rabbiner Dr. Deutsch (Fürth i. B.), in tiefe Trauer versetzt. Aus dem Neiche Jüdische Siedlung in Deutschland. — RjF und Randsiedlung. — Landwirtschaftliche Ausbildung für Agudisten Berlin, 27. Mai. (ITA.) Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten teilt mit, daß in diesem Jahre weitere 17 Siedlerstellen auf dem ersten Siedlungsgut Groß-Gaglow bei Kottbus vergeben werden. Ferner wird bekanntgegeben, „daß auch die vom RjF. eingeleiteten Bestrebungen für die Randsiedlung, die beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden sowie bei den von uns gegründeten Siedlungsorganisationen Zustimmung und tätige Durchführung fanden, in verschiedenen Städten zur Verwirklichung führen. In Breslau haben sich in diesen Tagen 20 Anwärter für die Randsiedlung zu einer gemeinsamen Aktion zusammengeschloffen, die unter dem Schutze unserer Siedlungsorganisationen steht. Wenn auch die Randsiedlung durchaus nicht dem entspricht, was wir ursprünglich auf dem Gebiete der halbberuflichen Siedlung erwartet haben, so möchten wir doch auch in den anderen Städten unsere Kameraden auf diese Einrichtung Hinweisen und das Breslauer Beispiel zur Nachahmung empfehlen. Auch hierfür steht die Bundesleitung gerne mit Rat und Tat zur Verfügung." Die Soziale Kommission der Agudas Jisroel in Deutschland teilt mit: „Wir sind in der Lage, sofort 20 bis 30 jüdische ledige Erwerbslose bei jüdischen Bauern zwecks Ausbildung in der Landwirtschaft bei freier Kost und Logis unterzubringen. Ausbildungszeit etwa 2 bis 3 Jahre. Gesunde junge Agudisten können sich dieserhalb umgehend auf dem Wege über die Orts- und Jugendgruppen an uns oder an unseren Dezernenten für Siedlungswesen, Herrn Dr. Nathan "Birnbaum (Berlin-Charlottenburg 4, Sybelstraße 35), wenden. Nachruf des Hilfsvereins auf Dr. James Simon Der Hilfsverein der Deutschen Juden veröffentlicht den folgenden Nachruf auf Dr. James Simon: „Unser erster Vorsitzender Dr. James Simon ist am 23. Mai aus dem Leben geschieden. Während dreier Jahrzehnte hat der Verewigte, von warmer Menschenliebe und unbeirrbarem Rechtsgefühl beseelt, sich für die hohen Ziele des Hilfsvereins rastlos und erfolgreich eingesetzt. Dank seinem Weitblick, seiner Energie und Hingabe wurden die Kräfte der deutschen Juden zusammengefaßt zur Durchführung des großen, vielgestaltigen Hilfswerks des Hilfsvereins, das den unglücklichen, um ihres Glaubens willen verfolgten und in ihrer kulturellen Entwicklung bedrohten Juden in vielen Ländern der Welt unendlichen Segen gebracht hat. Ein dankbares Andenken wird der durch Schlichtheit und hohe Gaben in seltenem Maße ausgezeichneten Persönlichkeit Dr. James Simons bewahrt bleiben."

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