Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1932
- Issue
- 5 (15.5.1932)
- Date
- 1932-05-15
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 5 Das wesentliche an jeden, Unterricht und besonders an jedem Sprachunterricht ist, das Interesse der Kinder ständig wach zu halten. Es seien deshalb hier noch einige Mittel erwähnt, die dazu dienen, dieses Ziel zu erreichen. Zur Belebung des hebräischen Sprachunterrichts trägt ganz besonders das hebräische Lied bei. Ich habe darmn im Laufe des Jahres eine ganze Reihe hebräischer Lieder behandelt, wie z. B. (Wanderlied), a'ipTr: /pp Tin /pViys die bei den Kindern ganz besonders das Interesse für das Hebräische erhöhten. Auch das Spiel kann in den Dienst des hebräischen Sprachunterrichts gestellt werden. Man glaubt gar nicht, welche Mengen an Stoff sich die Kinder da „spielend" ancignen. Von den vielen Möglichkeiten seien hier wieder nur einige erwähnt. Ganz große Freude bereitete meinen Schülern das its**? von I. Westheim (Frankfurt a. M.) herausgcgebcn, das als Stoff ll-L? benützt. Noch nützlicher wird ein solches Lotto, wenn es von den Schülern im Arbcitsunterricht selbst zusammcngestellt wird. Ich wählte als Stoff die Sachgebiete, die im hebräischen Sprachunterricht behandelt wurden (z. B. Dinge in der Schule, Dinge auf der Straße usw.) Kollege Bcrlinger (Hörstcin), der in seinem hebräischen Unterricht ähnliche Wege geht, wie ich, hat cs versucht, ein Lotto mit ganzen hebräischen Sätzen, die den vcrchiedenen Sachgebieten entnommen sind, zusammenzustellcn. Auch hebräische Quartetts, die man an die behandelten Stoffgebiete anschließend am besten selbst anfertigt, können im hebräischen Sprachunterricht sehr gute Verwendung finden. Immer kam es mir darauf an, möglichst viel Abwechslung in den hebräischen Sprachunterricht zu bringen, um dadurch das Interesse für die hebräische Sprache immer wach zu halten. Ich komme nun zum Schluß. Meine vorstehenden Ausführungen sollen im großen und ganzen zeigen, wie man in einen, Jahr den Übergang von der Übersctzungsmethodc zum Arbcitsunterricht schaffen kann. Kritik an meinen Darlegungen darf deshalb nicht vom Stoff her erfolgen, denn naturgemäß tritt im Übergangsjahr das stoffliche Ziel etwas in den Hintergrund. Ich glaube nicht, daß irgendwelche ernsthaften Cinwände gegen den Arbcitsunterricht itm Hebräischen gemacht werden können, um so mehr, als die Durchführung des Arbeitsprinzips in allen anderen Unterrichtsfächern direkt dazu zwingt, auch den hebräischen Unterricht entsprechend zu modernisieren. Wenn wir solche Forderungen stellen, so dürfen die keinesfalls so aufgefaßt werden, als ob die Arbeit der älteren Kollegen von uns geringschätzig beurteilt würde. Gewiß haben viele auch in der alten Schule gute Resultate erzielt. Aber das Bessere ist der Feind des Guten und der Fortschritt der Zeit bedingt Umgestaltung des Unterrichtsziels und auch Änderung der Unterrichtsmethode. Freie Vereinigung Israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz Die Jahresversammlung am 5. Mai in Neustadt a. d. Hdt. ließ in ihrer Besuchsstärke die Spuren dieser Zeit und in ihren Besprechungen deren Ernst erkennen. Die Grüße des Verbandes israelitischer Kultusgcmeinden der Pfalz überbrachte als dessen Vertreter Herr Stadtrat Strauß (Bad Dürkheim). Der Vorsitzende wies in seiner Begrüßungsansprache auf die durch den Zeitenwandel notwendig gewordene Überprüfung „fester" Werte, Begriffe und Einrichtungen. Der neuerliche Verfall des Restbestandcs an jüdischen Volksschulen in der Pfalz war Veranlassung, die Hamletfrage wieder einmal für den Bezirk der jüdischen Volksschule aufzuwerfen. Kollege Lamm (Pirmasens) referierte demgemäß über „Die jüdische Volksschule ein Bollwerk des Judentum s". Er beleuchtete das Thema von der politischen, weltanschaulichen, rechtlichen und finanziellen Seite. „Gründet jüdische Volksschulen, wo immer es nur möglich ist" — dies sei die Forderung der heutigen Zeit. Die Notwendigkeit und der Beschluß, diese „Zeichen der Zeit" allen maßgeblichen Kreisen deutlich zu machen, war das Ergebnis der Aussprache, an der sich auch der Vertreter des Verbandes, Herr Stadtrat Strauß, lebhaft beteiligte. Die Unterhaltung über Standes- und persönliche Sorgen bildete den Schluß der Versammlung. Bezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am 6. Juni statt. Blumcnthal. Vereinsmitteilungen 1. Am 12. April d. I. folgte Frau Karolina Rosenfclder von Aidhausen ihrem vor eineinhalb Jahren verstorbenen Gatten, unserem Kollegen Julius Rosenfelder, ins Grab. Die Beerdigung in Klcinsteinach fand unter zahlreicher Beteiligung aus allen Bevölkerungskrcisen statt. 2. Ihren 60. Geburtstag feierten: am 20. März Kollege Grünfeld in Hcidingsfeld und am l. April Kollege Blumenthal in Hofheim. Wir gratulieren den Iubilaren. 3. Die Kantoren- und Religionslehrerstelle in Ludwigshafen wurde den, Kollegen Liberles übertragen. Liberles ist Absolvent des Würzburger Seminars und amtierte bisher in Gotha. 4. Auf das Ausschreiben der erledigten Stelle in Urspringcn in der vorigen Nummer der Gemeindczcitung sei besonders hingewiesen. 5. Die ordentliche Mitglicdcrversainmlung unseres Vereins findet, wie bereits mitgeteilt, am 17. und 18. Juli in Würzburg statt. Wir machen auf die Bestimmung der Geschäftsordnung zu § 11 unserer Satzungen aufmerksam, wonach Anträge spätestens vier Wochen vor der Mitgliederversannnlung beim ersten Vorsitzenden schriftlich einzurcichen sind. Einladung und Tagesordnung folgen in der nächsten Nummer. Die Bczirkskonfercnzcn werden um Einreichung eines kurzen Tätigkeitsberichtes noch vor der Mitgliederversammlung gebeten. München, den 10. Mai 1932. M. R o s e n f c l d. M. A d l c r. . vücherschau Geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde Altenstadt. Von Hauptlchrer Rose, Altenstadt. Selbstverlag des Verfassers Heimatgcschichte will mit dem Herzen geschrieben werden. Dieser Gedanke bildet, wenn auch unausgesprochen, das Leitmotiv der vorliegenden Schrift, in der ein tiefgegründetes Heimatgefühl bedeutsamen Ausdruck findet und zu lebensvoller Gestaltung kommt. Aber bei aller Gefühlsbetontheit wird auch dem historischen Interesse voll Rechnung getragen, wovon die archivalischen und aktenmäßigen Belege und Nachweise ein deutliches Zeugnis ablegen. Die Begrenzung der Arbeit, in der keine vollständige Geschichte der Gemeinde geboten werden soll, wird schon durch den Titel deutlich gemacht. Es sind Ausschnitte, Geschichtsbilder, die hier vorliegen, aber so mannigfaltig und ausdrucksvoll, daß tiefe und wertvolle Einblicke in das soziale, kulturelle und religiöse Leben der Gemeinde gewährt werden. Mag auch vieles als typisch und allgemeingültig für die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Deutschland anzusehcn sein, so wird die Aufmerksamkeit des Lesers doch auch durch eine Reihe von Besonderheiten und charakteristischen Einzelfällen gefesselt. Eine Ausgestaltung des Bildes durch Einbeziehung der Wirtschafts- und Rechtsverhältnisse wäre nur zu begrüßen. Besonders eingehende Darstellung haben die Geschichte der Synagoge und der jüdischen Volksschule gefunden. Wertvolle Einzelheiten bringt der Anhang mit dem Rabbinatsbrief des Rabbiners Abraham Meyer, dem Anstellungsvcrtrag des Rabbiners Meyer Meyer und dem Osterberger Iudenschutzbrief vom Jahre 1802. Zu wünschen wäre eine größere Geschlossenheit und straffere Zusammenfassung an einzelnen Stellen, ebenso sollte auf eine bessere Ausmerzung von Druckfehlern Bedacht genommen werden. Trotz dieser kleinen Ausstellungen gebührt dem Verfasser der wärmste Dank für seine fleißige und mit hingebendem Ernste durchgeführtc Arbeit, die auch außerhalb des engeren Kreises, dem sie zunächst gewidmet ist, Beachtung und Verbreitung verdient. Besonders zu wünschen wäre aber eine vielseitige Nachfolge des gegebenen Beispiels, so daß in jeder Gemeinde die „Heimatgcschichte" lebendig und gegenwärtig wäre. Eine dankenswerte Aufgabe für die jüdische Lehrerschaft! R. Biblische Geschichte (Geschichtsbogen Nr. 1, Vorgeschichte). 16 Seiten. Von S. Rosenfelder, Ladenburg. Das vorliegende Heftchen zeigt auf den ersten Blick den grundlegenden Unterschied von den bisher für den biblischen Geschichtsunterricht zur Verfügung stehenden Büchern. An Stelle der möglichen und unmöglichen phantastischen Ausschmückungen tritt eine Darstellung in einfachen markanten Sätzen, die sich enge an den Urtext anschließen, wohlgeordnet den Gesetzen gedächtnismäßiger Cinprägung. entsprechend. Ein besonderer Vorzug dieses Lehrmittels sind die den Geschichten angefügten Illustrationen, die in ihrer Einfachheit den Kern der Geschichte treffen und den Schülern den Anreiz zum Nachzeichnen geben — eine wertvolle Gedächtnishilfe für die sprachliche Wiedergabe des Lehrstoffes. Diese kindertümlichen Zeichnungen ermöglichen die Verwendung schon in der 1. Klasse zu einer Zeit, wo die Kinder noch nicht lesen können. Für diese Stufe bedeutet das Werkchen eine ganz besonders willkommene originelle Neuerscheinung. Lesekundigen Kindern ist Gelegenheit gegeben, durch häufiges Durchlesen in Schule und Haus den Text sich einzuprägen, wodurch eine nicht zu unterschätzende Vorbereitung für den Pentateuch-Unterricht geschaffen wird. Dem Verfasser, der auch in diesem Büchlein in erster Linie den praktischen Pädagogen verrät, gebührt Anerkennung durch weiteste Verbreitung dieser wertvollen Unterrichtshilfe. Cs wäre zu wünschen, daß auch die übrigen Teile recht bald erscheinen. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München