Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1932
- Issue
- 4 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- Seite 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4 8 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Kapitalismus ein Märchen sei. Cm Exkurs beschäftigte sich mit den Fragen des Kommunismus und Sozialismus unter besonderem Hinweis auf die Verhälmisse in Rußland. Weitere Darlegungen befaßten sich mit der völkischen Rassentheoric und wiesen auf deren zahlreiche unwissenschaftliche Bestandteile hin. So kann man weder von einer einheitlichen jüdischen Rasse sprechen, noch gehört der deutsche Typ einer einheitlichen Rasse an. Von einer vielfach behaupteten „Europafrcindhcit" der Juden kann keine Rede sein. Der Redner unterstützte seine Ausführungen durch Bildermaterial und Ausstellung der wichtigsten einschlägigen Literatur. Der Vortrag des 14. März beschäftigte sich mit den geschichtlichen Wurzeln des geistigen Antisemitismus, der nicht an eine bestimmte Partei gebunden ist. Aus dem Gegenspiel von Aufklärungsphilosophie und Volksgcistidee der Romantik, von Sozialismus und Naturalismus wurden die Linien aufgezcigt, die zu den geistigen Vorkämpfern der völkischen Bewegung in der Gegenwart hinführen. Cs wurde versucht, die jüdische Position innerhalb der mannigfach gegliederten deutschen Kulturcntwicklung zu begründen und den Zusammenhang der deutschen Juden mit der deutschen Kultur nachzuwciscn. Besonderen Anklang fanden die Ausführungen von Herrn Justizrat Levinger über Rcchtsschutzfragcn. Er legte die Bestimmungen der Reichsvcrfassung sowie des Sttafgesetzbuches und des B.G.B. dar, auf die sich eine erfolgreiche Bekämpfung antisemitischer Angriffe durch die Rechtspflege stützen müsse. Dabei zeigte er an Hand von praktischen Beispielen, mit welchen Schwierigkeiten die Durchführung gewisser Prozesse wie der Talmudprozesse oder der Kollcktivbeleidigungcn zu kämpfen habe. Grundlegend sei, daß die Rechtsprechung die Juden als Konfession behandle. Der Lehrer soll mit den einschlägigen Rechtsfragen vertraut sein, darf aber nicht den Rechtsanwalt seiner Gemeinde spielen wollen, sondern muß sich stets an die zuständigen Beratungsstellen wenden. Die Ausführungen beider Redner fanden lebhaftes Interesse, das sich in zahlreichen Fragen aus dem Kreis der Zuhörer und lebhafter Diskussion äußerte. Arbeitsbericht der Bezirkskonferenz Fürth für das Jahr 1931 I. Im Jahre 1931 wurden acht Konferenzen abgehaltcn, die von den Lehrern des Bezirkes fleißig und allgemein auch regelmäßig besucht wurden. Diese Tatsache soll angesichts des nur kleinen Zuschusses des Gcmeindeverbandes und der infolge der Notverordnungen stark verminderten Besoldung besonders rühmend erwähnt werden. II. Der Arbeitsstofs erstreckte sich wie schon in den Vorjahren aus das Studiuin der Mischna und Vorschriftenlchrc. Ferner wurden Referate gehalten aus dem Gebiete des Gottes- und Kultusdicnstcs, wie auch über Festgcbctc. Vereins- und Standesangelegcnheitcn, insbesondere die diversen Rundschreiben des Vercinsvorstcmdes wurden mit ernsten: Interesse besprochen. III. 1. Ständiger Punkt der Tagesordnung war das Studium der Mischna, Traktat rnjy (Fortsetzung) unter der kundigen Leitung des Kollegen .yauptlehrcr Ellinger (Fürth). 2. Soweit es die Zeit ermöglichte, wurden unter Zugrundelegung des 2 “IX die Vorschriften über die Vorlesung der Thora in gründlicher Weise durchgenommen. 3. Großes Interesse wurden den Referaten cntgegengebracht. Die Besprechung der Piutim aus dem Machscr des Pesachfesies veranlaßtc die Konferenz zur Abhaltung eines Vortrages über die Entstehung der Piutim und über deren Verfasser. Das erste Referat hielt Kollege Gutmann (Fürth). Er behandelte zunächst die Entstehung der Piutim mit Angabe der Dichter, die Einführung der ersteren im Gottesdienste, sowie auch die Stellung der maßgebenden Thoragelchrten des Mittelalters hiezu. Der gründliche Vortrag gab den Teilnehmern der Konferenz reichliche Anregung zum Selbststudium dieser Literatur. Ein zweites Referat — namentlich im Verfassern gewidmet — war vorgesehen und vorn Kollegen Ellinger übernommen, mußte aber infolge Mangels an Zeit dem Arbeitspläne 1932 zugetcilt werden. 4. Ferner wurden in einer Sommerkonferenz die Klagelieder des 9. Av besprochen, wobei von einzelnen Kollegen die verschiedenen Melodien vorgctragen wurden. 5. Neuerscheinungen des Buchhandels, Prcsseaufsähe religiös-pädagogischen Inhaltes wurden behandelt. IV. Die Konferenzen wurden besucht von den Lehrern aus: Fürth, Zirndorf, Erlangen, Neustadt a. d. A., Sugenheim, Amberg und Uchlscld. Die Teilnehmer haben sicher viel Anregung durch die Konferenzen erhalten zur Erweiterung ihres Wissens, zum Nutzen ihres Amtes für Schule, Gemeinde und Gottesdienst und damit zum Segen des Judentums. Neustadt a. d. A., den 15. Januar 1932. S. B l u m e n t h a l, Lehrer, Konferenzleiter. Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz Anr 23. März verschied unser lieber Kollege Mathias Nakler Kantor und Neligionslchrcr in Kaiserslautern, in: Alter von 59 Jahren. Aus der Berliner Kantorenschule hervorgegangen (er war noch ein Schüler Lcwandowskis), wirkte er zuerst kurze Zeit in Stettin und dann fast drei Jahrzehnte in Kaiserslautern. Kurz nach seinem 25. Dienstjubiläum in K. zwang ihn ein schweres Herzleiden seinem von ihm so geliebten und mit künstlerischer Hingebung betreuten Berufe vorzeitig zu entsagen. Cs hat nun seinein Dasein ein frühzeitiges Ende bereitet. Wegen seiner bescheidenen, zurückhaltender: Art, seiner vornehrncn, lauteren Gesinnung und . seines hohen künstlerischen Strcbcns und Könnens genoß er unser aller Hochachtung und Wertschätzung. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Am 1. April d. I. tritt unser Kollege Oberlehrer L. Samuel in Homburg a. d. Saar mit Erreichung der Dienstaltcrsgrenze in den Ruhestand. Die Saarländische Regierung beabsichtigt die Auflösung der Schulstelle. Bemühungen zur Erhaltung der Schulstelle sind noch in: Gange. Dem Schicksal der Auflösung verfiel ferner die Schulstelle in Dahn '(Hauptlehrer L. Nußbaum). Unsere diesjährige Jahresversammlung findet .statt am Donnerstag, dem 5. Mai 1932 (Himmelfahrt) in Neustadt a. d. Hdt. im Gemeindezimrncr. Beginn um 11 Uhr. Tagesordnung: 1. Begrüßung. 2. Jahres- und Situationsbericht des Vorsitzenden. 3. Referat: Die jüdische Volksschule — ein Bollwerk des Judentums (Referent: Koll. Lamm-Pirrnasens). 4. Vcrcinsangclcgenheitcn und Standcsfragen. 5. Wünsche und Anträge. Die Kollegen werden um vollzähliges Erscheinen gebeten. Einladung ergeht nur auf diesem Wege. H. Schottland. Bezirkskonferenz Fürth. Nächste Konferenz am Donnerstag, den: 5. Mai. Blumenthal. Personalien Wie wir nachträglich erfuhren, beging unser liebes Vereinsrnitglied Oberlehrer Salornon Anfänger in Heßdorf am 4. März seinen 70. Geburtstag. Geboren in Waltcrshause::, war er nach seinen: im Jahre 1880 in Würzburg erfolgten Seminaraustritt in Altenstein, Willnrars und seit 1895 in Heßdorf tätig. Nach seiner im Jahre 1927 erfolgten Pensionierung stellte er seine Kraft als Rcligionslchrer und Kantor seiner Gemeinde weiterhin zur Verfügung. In seiner Gemeinde schätzte man ihn wegen seiner Geradheit, Aufrichtigkeit und seiner besonders ausgeprägten Pflichttreue. Als äußerst tüchtiger Pädagoge und treuer Kollege ist er im Kreise seiner Amtsbrüdcr eine bekannte und beliebte Persönlichkeit. Wir entbieten dem lieben Freunde die herzlichsten Glückwünsche und hoffen, daß ihm noch viele Jahre seiner ersprießlichen Tätigkeit vergönnt sein nrögen. Oberlehrer Stein (Regensburg) und Lehrer Oppenheimer (Laudenbach) treten in diesen Tagen in den dauernden Ruhestand. Die verdienten Kollegen wurden, wie wir in jüdischen Zeitungen lesen, in schönen Abschiedsfeiern sehr geehrt. Auch wir entbieten unseren lieben Kollegen die besten Wünsche. München, den 10. April 1932. M. Rosenfeld. M. Adler. Einzahlungen im März 1932 Von: Steinen: (Landau) 30.—, Ochscnmann (Frankfurt) 10.—, Schund (Ansbach) 15.—, Lautmann (Eins) 15.—, Bcrlingcr (München) 5.—, Dr. Bamberger (Nürnberg) 25.—, Buttenwicser (Hamburg) 10.—, Gutmann (Fürth) 12.50, Stein (Haßfurt) 12.50, Liffgens (Men: mingen) 12.50, Lehmann (Eschau) 15.—, Frank (Straubing) 15.—, Steinhäuser (Würzburg) 25.—, Erlebacher (Würzburg) 25.—, Sonn (Buttenwiesen) 25.—, Schottland (Frankenthal) 25.—, Nußbaun: (Dahn) 12.50, Strauß (Weiden) 15.—, Dr. Klugmann (München) 12.50; durch: Lehmann (Eschau) 6.—, Roscnfeld (München) 50.—. Postscheckkonto Nürnberg 6479. Würzburg. 1. April 1932. W. Hellmann. Berichtigung aus letzter Nummer: Gönninger (Zirndorf) statt 5.— 25.— RM. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München