Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1932
- Issue
- 4 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- Seite 7 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mitteilungen des Indischen Lehrernereins für Sapern Schriftleitung: Max Adler» München 1932 München, 15. April Nr.4 vie erzieblicde Vedeutung des NeUgionsunlerricbls Emil Liffgens (Memmingen) (Schluß) Es läßt uns erkennen die hohe Auffassung des Judentums mancher menschlicher und irdischer Werte und erzieht durch immerwährende Fühlungnahme mit ihnen dazu, diese Wertauffassung uns selbst zu eigen zu machen. So ist M' locho von Maloch der Engel, die uns von Gott gesandte Heilsbotin. Welch hohe Auffassung von der Arbeit! Cs sind deren Beispiele gar viele. Eine reiche Fülle von Erziehungs- und Bildungswcrten schließt natürlich das in dieser Sprache niedergelegte Schrifttum in sich; — es wäre im Nahmen dieses Themas hier nicht aufzuführen. In den bisherigen Darlegungen sind des öfteren Andeutungen darüber enthalten, welch Hohes und Edles, Schönes und Gutes von hier aus eingedrungen ist in die Weltkultur. Und wenn die von Haß und Anfeindung erfüllte Zeit dieses hohe Gut uns schmälern möchte und versucht, selbst auch manchen unter uns sein jüdisches Selbstbewußtsein zu vermindern, „so wollen wir uns freuen, im hebräischen Sprachunterricht ein Hilfsmittel zu haben, die Jugend an die Quelle zu führen, um sie die Wahrheit dort erkennen zu lassen". Wir nähern uns dem Ende unserer Ausführungen und müßten nun noch sprechen von den Konsequenzen, die sich aus der hohen Bedeutung des Religionsunterrichts ergeben. Es ist im Lause der Darlegungen gelegentlich des öfteren betont worden, doch möchten wir nochmals kurz, aber aufs nachdrücklichste hervorheben, welche hauptsächlichen Forderungen wir im Hinblick aus die Bedeutsamkeit des Religionsunterrichts als wesentlicher Faktor zur Bildung und Erziehung der Jugend erheben zu müssen glauben. Vor allem ist es dringend geboten, Mittel und Wege zu finden, die Zahl der bisher zur Verfügung stehenden zwei Wochenstunden bezw. zweimal 50 Minuten wesentlich zu erhöhen und sie zum Teil — und dies halten wir für sehr bedeutsam — wenn möglich zwei aufeinanderfolgend zu erteilen, denn gerade der Umstand, abbrechen zu müssen, wenn das Kind „warm" und aufnahmebereit geworden ist, beeinträchtigt in hohem Maße den Erfolg. Wir erkennen aber auch den Wert der jüdischen Volksschule, deren Gründung, wo nur irgend möglich, als dringende Notwendigkeit erstrebt werden muß. Sie ist die Institution, in deren Mittelpunkt das Religiöse gestellt ist, das wiederum die Atmosphäre schafft, welche auch die übrigen Unterrichtsfächer durchzieht. Zusammenarbeit von Schule und Haus ist eine selbstverständliche, heute viel erwähnte Forderung. Wir müssen verlangen, daß das Elternhaus das rechte Verhältnis zum Lehrer findet und im Kinde als notwendigste Voraussetzung für einen Erfolg Interesse für den Religionsunterricht und Autorität gegenüber der Schule begründet. Weitere bedeutsame Momente als Vorbedingung für einen seiner überragenden erziehlichen Bedeutung entsprechenden Religionsunterricht wurden hier schon erörtert. Schaffen wir aber vor allem an uns selber, in rastlosem Streben an unserer sittlichen und geistigen Vervollkommnung, denn es ist die Zukunft unserer Kinder und das Heil des Judentums und der Menschheit, für die wir die Verantwortung tragen. Unsere Kinder sollen einst Glieder werden des B^rro und und sollen initwirken an der hohen Sendung des Judentums zur Verherrlichung Gottes, unserer Gemeinschaft und der Menschheit. Seminarscblutzprüfung 1932 An der Seminarschlußprüfung an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg beteiligten sich in diesem Jahre 16 Prüflinge im l. Abschnitt, 26 Prüflinge (daunter 5 Damen) im 2. Abschnitt. Der schriftliche Teil wurde vom 15.—18. Februar, der mündliche am 7. und 8. März unter Vorsitz des Herrn Oberregierungsrates Blaß abgehalten. Bei der Prüfung aus der Religionslehre (Prüfung 1. Abschnitts) waren durch das Staatsministerium folgende Fragen gestellt: 1. Jeremias Kap. 33, Vers 14—18, ist zu übersetzen und zu erläutern (noch nicht behandelter Text). Im Anschluß an diese Stelle, ohne Beschränkung auf sie, ist der mcssianische Gedanke in der Bibel und seine Bedeutung für die israelitische Religion darzustellen. 2. Jehuda Halevy, ein Klassiker der hebräischen Dichtkunst. Für Theorie des Synagogendienstes waren in der Prüfung 1. Abschnittes folgende Fragen zu bearbeiten: 1. a) Eine gegebene hebräische Melodie ist nach ihrer Stellung und Anwendung im synagogalen Gesang zu bestimmen. b) Die musikalische Form dieser Melodie ist zu finden. c) Der motivische Aufbau der zugrunde liegenden Form ist im allgemeinen darzulegen. 2. Die Stellung der Schehechejonu-Benediktion in der Kiddusch- Liturgie der Feiertage ist darzulegen und zu begründen. 3. Die Einschaltungen im wochentägigen Achtzehngebet: a) Aufzählung, b) Die Ritualbestimmungen bei Jrrtümern. In der Prüfung 2. Abschnittes lauteten die Fragen für Theorie des Synagogendienstes: 1. Die 5 Rollen im Synagogenritual: a) Namen, Verfasser und kurze Charakterisierung des Inhalts. b) Verwendung und Charakterisierung der Vortragsweise. c) Warum ist Schir haschirim für Pesach oder Ruth für Schewuoth oder Koheleth für das Schlußfest in die Liturgie des betr. Festes ausgenommen? (Nur eines dieser drei Beispiele ist nach Wahl des Prüflings zu beantworten.) 2. Die Neginoth zum Schrifwerse 1. Buch Moses, Kap. 22, 2 sind nach der Vortragsweise a) am Sabbat, b) an den Jomim nauroim mit unterlegtem Text in die allgemein gebräuchliche Notenschrift in einer bequemen Stimmlage in freischwebendem Rhythmus zu übertragen. c) Die im Verse vorkommenden Akzente sind der Reihe nach zu benennen. Die sämtlichen Prüflinge des 1. Abschnittes erhielten die Berechtigung zum Übertritt in die 6. Klasse, 24 Prüflinge des 2. Abschnittes erlangten das Reifezeugnis. Ein Teil der Absolventen besucht im Schuljahr 1932/33 den religionswissenschaftlichen Fortbildungskursus (freiwilliges 7. Jahr). Schulungskurs in ttbwehrfragen für ftbfolventen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Der jüdische Lehrer in den kleineren Gemeinden sieht sich als der geistige Führer seiner Gemeinde oft in die Notwendigkeit versetzt, zu Angriffen gegen das Judentum als Religion, gegen die Judenheit als Gemeinschaft, gegen die wirtschaftliche Betätigung der jüdischen Gewerbetreibenden aufklärend und abwehrend Stellung zu nehmen. Es war deshalb eine dankenswerte Aufgabe, die der Landesverband Bayern des Central-Vercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sich gestellt hat, als er am 13. und 14. März für die Absolventen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg einen Cinführungs- und Schulungskursus für Fragen der Abwehrarbeit veranstaltete. Die Aufgaben des Kurses waren rein praktischer Natur; eine Aussprache über jüdisch-politische Fragen war von vorneherein ausgeschlossen. An dem Kursus, der geleitet wurde von den Herren Dr. Werner Cahnmann und Justizrat Wilhelm Levinger aus München, beteiligten sich die sämtlichen diesjährigen Absolventen der Lehrerbildungsanstalt sowie einige jüdische Lehrer, die bereits in der Praxis stehen und die infolge ihrer Erfahrungen den angehenden Lehrern wertvolle Fingerzeige geben konnten. Der Kursus wurde eröffnet durch Begrüßungsansprachen des Herrn Studiendirektor Stoll und des Herrn Justiziar Dr. Rosenthal, dem 1. Vorsitzenden der Ortsgruppe Würzburg des Central-Vereins. Herr Dr. Cahnmann gab zunächst einen Überblick über die Geschichte und Organisation des Central-Vereins und über die besonderen Aufgaben, die diesem in der Gegenwart aus der immer heftiger auftretcndcn Agitation der Judengegner erwachsen. Sodann setzte er sich unter ausführlicher Quellenangabe mit dem nationalsozialistischen Programm auseinander und wies nach, welche Widersprüche und Unklarheiten dieses Programm aufweist. Aber seine intellektuellen Mängel sind psychologische Vorzüge und eben diesen verdankt der Nationalsozialismus seinen Erfolg. Herr Dr. Cahnmann verweilte eingehend bei den einzelnen Punkten des nationalsozialistischen Programms und betonte, daß erfolgreiche Abwehrtätigkeit gründliche Kenntnis des gegnerischen Standpunktes zur Voraussetzung hat. — In einem zweiten Vortrag behandelte der Redner das Wirtschaftsprogramm des Nationalsozialismus sowie die wirtschaftliche Lage und die wirtschaftliche Betätigung der deutschen Juden; er wies an Hand von statistischem Material nach, daß das Gerede vom jüdischen