Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-03-15 · 3 (15.3.1932) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
3 (15.3.1932)
Date
1932-03-15
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9934493-9934606-9934625--313-2741748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

6 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 3 gens und Frcudc an der Bibel. Cs steht dies allerdings unter der Bedingung, so sehr wir auch unr kindcrtümlichc und verständliche Darstellung bemüht sein sollen, die Bibel nicht bis ins letzte hinein erklären zu wollen. Wir stehen auf dem gleichen Standpunkt wie Schorsch (Seite 92), wenn er sagt: „Die Bibel, die doch auch für den Erwachsenen voll ist von den unbegreiflichen Gchcimnistcn des Lebens, darf dem Kinde nicht zu einer ebenen Straße werden, auf der cs ohne Beschwerden gehen, alles sehen und verstehen kann." Diese Forderung zeitigt noch ein weiteres, nämlich die Freude an der Schönheit der Bibel. Man wird gewiß selbst auch erwachsene Schüler zu fesseln vermögen, wenn man den Text der Bibel langsam und mit Seele vorließt, so daß die Geschichten in ihrer köstlichen Unmittelbarkeit auf ste überströmcn und von ihnen nachempfunden werden können. Weckung der Freude an der Bibel ist ein bedeutsamer Punkt des Religionsunterrichts, denn ste vermag den Willen zu späteren „Lernen" mächtig zu fördern und sollte aber mindestens dazu führen, daß die Bibel, ebenso wie einst bei unfern Vätern das Hausbuch wieder werde, in dem man Erbauung in allen Lebenslagen, Trost und Erhebung findet. Förderung des Familiensinnes Auch für die Erziehung zum Fainilicnlebcn liefert der biblische Geschichtsunterricht wcrwollen Beitrag. Wir betonen hierbei Be i t r a g , denn den größten Anteil hierzu spendet das Familienleben selbst. Hierfür geeignete Geschichten sind z. B. „Rebekka und Jakob", „Josephsgeschichten", „Ruth" usw. usw. Erziehung zum Staatsbürger Die Familie ist die Keimzelle des Staates. Echter Familiensinn ist Vorbedingung für echten Staatsbürgcrsinn. Cs gilt im Bibeluntcrricht im Kind die Überzeugung zu wecken und zu festigen, daß nur der sittliche Wille und nur sittliches Streben ein Volk zusammenführcn können und das feste Fundament darstellcn zu seiner Erhaltung. Außerordentlich viele Momente treten uns in der Bibel entgegen, die wir im Religionsunterricht für die Erziehung unserer Jugend zu staatserhaltendcn Bürgern verwerten und nutzbar machen wollen. Insbesondere in der heutigen Zeit, wo der Staat in seinen Fugen wankt, und wo man nach den Grundkräftcn späht, die auch das deutsche Volk in seinem Bestand sichern sollen, kann uns ein Hinweis auf diesen Gedanken werwollen Beitrag liefern. Cs dürften hier wohl in Betracht kommen die Geschichten von der Zeit der Volkswcrdung bis zu König Salomo. Auch für die Erziehung zur Anerkennung der Staatsform gehen wertvolle Anregungen aus von Israels Geschichte, insbesondere von der Königszcit. Der König, den das Volk wünscht, wird, trotz mancher Bedenken von seiten des Propheten, von Gott bestätigt und hierdurch seine Autorität begründet. Ist die Staatsform gebildet, in welcher Weise auch immer, so muß sic respektiert werden. Diesen Gedanken kann auch der Religionsunterricht als werwollen Faktor der Staatsbürgerkunde herausschälen. Sicherlich könnten wir noch eine ganze Anzahl solcher erziehlicher Werte hervorheben. Doch dürfte, um nicht ausführlicher zu werden, ein Hinweis genügen auf das Werk von Friedrich Niebergall: „Das alte Testament im Unterricht, ein Beitrag zu einer religiösen nationalen Volkserziehung." Der hebräische Unterricht als Bildungselement Wir wollen innerhalb unseres Themas nicht vergessen, wenigstens andeutungsweise zu sprechen von der hohen Bedeutung des hebräischen Sprachunterrichts für die Menschenbildung. Cs ist meines Wissens s. Zt. bei der für die neue Lehrerbildung wichtigen Frage: ob Latein oder hebräische Sprache, von der Kommission im Kultusministerium auf deren Bildungswert hingewiesen worden. Im übrigen sind besonders zu erwähnen die diesbezüglichen auf dem ihm eigenen hohen Niveau stehenden Ausführungen von Hirsch — Gesammelte Schriften 2 „einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungsclement" —, denen wir im wesentlichen folgen. Die Grammatik der hebräischen Sprache ist ein unschätzbares Mittel der Denkfähigkeit, indem sie zwingt „zu rascher Erfassung des Kerns und Unterscheidung der feinsten Nuancen". Sie konzentriert die auszudrükkenden Gedanken auf nur wenige Worte im Satz. „Ihr ist fast ein jeder einfache Satz eine Gedankeneinhcit, die auch als Worteinheit in der Sprache ihren einheitlichen Ausdruck findet." „Ich habe ihn gesehen und habe ihn lieb gewonnen," sind ihr nur zwei Gedanken und zwei Worte: Reisihu w'auhawehu. Dieser Unterricht erzieht zur Klarheit und Schärfe der Auffassung, indem er anleitet, den Gedankenkern im Wort zu treffen, aber auch sich der durch die Bildungslaute ausgcdrücktcn Nebensächlichkeiten bewußt zu werden. Neben dieser Schule der Denkfähigkeit bedeutet das Eindringen in den hebräischen Sprachgeist eine Emporführung unserer Lebensanschauung. Schluß folgt. Vereinsmitteilungen Am 21. Februar wurde in Fürth der allseits verehrte frühere Waisenhausdirektor, Rabbiner Dr. Hermann Deutsch -//y, zu Grabe getragen. Die jüdische Presse hat diesem großen Lehrer und Gelehrten, diesem feinsinnigen Menschen und glaubensstarken Juden Worte der Liebe und des Gedenkens gewidmet. Aber auch an dieser Stelle sei ihm der herzliche Dank der jüdischen Lehrerschaft ins Grab nachgerufen. Seine Liebe galt nicht nur den Lehrern seines Bezirkes, denen er wie ein gütiger Vater zugetan war, sondern darüber hinaus unserem ganzen Stande. Mit größtem Interesse und innerster Anteilnahme verfolgte er die ideellen und kulturellen Bestrebungen der Lehrerschaft. Als Direktor und Lehrer der früheren Präparandenschule in Burgpreppach, wo er eine außerordentlich fruchtbare Unterrichts- und Crziehungstätigkeit entfaltete, gab er vielen unserer älteren Kollegen die Grundlagen ihrer jüdischen und wissenschaftlichen Bildung. Sic werden, ebenso wie die gesamte jüdische Lehrerschaft, dem Heimgegangenen jüdischer Lehrer und Führer ein treues Gedenken bewahren. -Kollege Frank (Fischach) wurde zum Oberlehrer und H e i p p e r t (Kitzingcn) zum Hauptlehrcr befördert. M ü n ch e n , den 8. März 1932. M. Roscnfeld M. Adler. Einzahlungen im Februar 1932 Von: Adler (Fürth) 30.—, Edelstein (Sugenheim) 12.30, Linz (Burgpreppach) 30.— Fuchs (Cronheim) 9.—, Brückheimer (Marktbreit) 12.50, Pollack (Marktbreit) 9.—, Stein (Regensburg) 12.50, Köstlich (Uhlfeld) 12.50, Blatt (Würzburg) 7.50, Hirsch (Nürnberg) 25.—, Dr. Fränkl (Augsburg) 25.—, Hcimann (Augsburg) 15.—, Steinfeld (Augsburg) 15.—, Berlingcr (München) 5.—, Blumenthal (Neustadt) 25.—, Eldod (Höchberg) 7.50, Glaser (München) 5.—, Lichtenstädter (Hamburg) 10.—, Weinstock (Theilheim) 12.50, Mannheimer (Dettelbach) 10.—, Seliger (Lichtenfclds) 10.—, Wähler (Neustadt) 25.—, Dr. Hammelburger (Würzburg) 12.50, Gönninger (Zirndorf) 5.—, Crlebachcr (Mönchsroth) 3.—, Lion (Grünstadt) 12.50, Lcvi (Burgpreppach) 16.—, Frank (Fischach) 20.—, Müller (München) 15.—. Würzburg , 1. März 1932. M. Hellman n. Bücherschau min u “"TIN T Teil der Fibel oro wesimcho, herausgegeben von Chajim Mandelbaum und Clieser Mejer, mit Bildern von K. Rothschild. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres erscheint der 3. Teil der Mandclbaumschcn Fibel als folgerichtige Fortsetzung ihrer beiden Vorgängerinnen, die inzwsichen bekannt, beliebt und an vielen Schulen eingeführt wurden. Der 1. Teil bringt die hauptsächlichsten Stellen aus der Joscphsgeschichte. Wenn nach diesem methodischen Aufbau, rnit diesem regen Frage- und Antwortspicl der Pentateuch an die Kinder herangcbracht wird, dann wird ihnen das Chumcschlerncn zu Lust und Freude und nicht zum langweiligen Drill und der Inhalt zum unverlierbaren geistigen Eigentum. Die Kinder werden wetteifern, den Stamm der Worte aus den schwriegen “pETir/'l formen herauszufinden und herauszuschälen und diese in vielen anderen Formen zur Anwendung zu bringen. Das Zeitwort in allen seinen Zeiten, Personen und Formen erscheint in abwechselnder Reihenfolge und erleichtert das Finden der rechten Übersetzung unter dauernder Inanspruchnahme der Selbsttätigkeit der Kinder. Sehr wohltuend empfindet man die dem Sinne nach logische zeilenweise Einteilung der Verse, wodurch ein falsches Zusammenlesen von vornherein ausgeschaltet ist. Was das Stoffgebiet des 3. Schuljahres anbelangt, glaube ich, daß cs wohl noch auf einzelne Teile der Abrahamsgeschichte ausgedehnt werden kann. Der 2. Teil bringt in Freude bereitender geschichts- und gedichtmäßiger Form das Wichtigste der Festtage und der 3. Teil allerlei frohe Geschichten, Rätsel und Lieder. Hier hätte sich wohl noch ein ernster Teil mit einigen leichten Gebetsstücken von Werktag und Sabbath anfügen lassen. Sehr zu begrüßen ist die Einführung in die und das aus zweierlei Gründen. Einerseits lernen die Kinder die vvoyv als Stützen für das sinngemäße Zusammenlesen und Trennen des . Textes frühzeitig kennen, andererseits vermögen sie möglichst bald der Toravorlesung in der Synagoge zu folgen, was sehr wichtig erscheint. In bekannt meisterhafter Weise sind die Illustrationen von der Hand des Kollegen Rothschild ausgeführt. Das Erscheinen der Fibelfortsetzung wird von allen Kollegen in Stadt und Land aufs freudigste begrüßt werden und ist den fleißigen Verfassern zu wünschen, daß auch dieser Teil der Fibel bald so populär wird wie die beiden Vorgängerinnen. B. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.