Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 5 (1.3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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76 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 sichende Wohnungen, um die Leute zu ernähren, zu kleiden, zu wärmen und unterzubringen. Aber wie soll man die richtige Verteilung sichcrstcllen? Wie sagt doch der Dichter? Das himmlische Manna fiel im Überfluß, aber die armen Leute hatten keine Löffel, sich seiner zu bedienen. — Wie es ihnen geben, ohne die soziale Ordnung zu zertrümmern . . . .? Die Menschheit muß ein neues System finden. Ich für mein Teil bin dabei, cs zu suchen." Naphtali, Weiter, Mises, Lederer, der Amerikaner Angcll, Sommarn sind die Sachverständigen der Wirtschaftswissenschaft, wonach Brentano sein selbständiges Urteil richtet. Cs ist eine schneidende Absage an die kapitalistische Ordnung von heute. „Die Fassade des Kapitalismus ist so dünn und durchscheinend wie seine Moral." „Es sind die Demokraten, welche die Diktatur herbeirufen, wenn die Demokratie ihr Einkommen zu gefährden droht." Der Verfasser ist der Meinung, daß dem Jahr 1917, geschichtlich gesprochen, die gleiche Bedeutung zukommt wie dem Jahr 1789, aus der Perspektive der Menschheit gesehen aber eine weit größere. Der bürgerlich denkende Mensch sei nicht mehr im Stande, jene Reformen durchzuführen, die notwendig sind, um die veralteten, qualvollen Verhältnisse durch neue, menschenwürdige zu ersetzen. Mielcke, Dr. Karl, Deutscher Frühsozialsimus. Gesellschaft und Geschichte in den Schriften von Weitling und Heß. Groß-Oktav. 212 Seiten. Forschungen zur Geschichts- und Gesellschaftslehre, herausgegeben von Kurt Breyfig. 4. Heft. Verlag der 3. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1931. Die große Biographie über Moses Heß stammt von Theodor Zlocisti, der „den Vorkämpfer des Sozialismus und Zionismus" als einen der sympathischsten jüdischen Geister des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt hat. Die Vorzüge von Zlocisti liegen in der scharfen Charakteristik der jüdischen Situation in dem halben Jahrhundert 1825—1875; dagegen sind die problemgeschichtlichen Partien über die Gesellschafts- und Geschichtsauffassung von Heß mangelhaft. ^Karl Mielcke, ein Schüler Breysigs, des Berliner Historikers und Soziologen, füllt diese Lücke aus und verschafft nun auch dem Gedankengut von Heß über den Sozialismus die begrifflich und historisch angemessene Einordnung in die Geschichte der sozialen Ideen. Weitlings religiös gefärbter, schwärmerischer Handwerkerkommunismus ist ein Hauptgegenstand von Mielckcs Untersuchungen. Merkwürdigerweise hat Mielcke die gute Arbeit von Hermann Buddensieg über Weitling („Die Kultur des deuffchen Proletariats im Zeitalter des Frühkapitalismus und ihre Bedeutung für die Kulturidce des Sozialismus;" Adolf Saal Verlag in Lauenburg, 1923; VIII> 178 Seiten) übersehen. Die anarcho-sozialistischen Gedanken von Moses Heß sind als romantische Reaktion gegen den Marxismus in der sozialistischen Bewegung wieder auferstanden und in Gustav Landauers „Aufruf zum Sozialismus" (wenn Landauer sich auch nicht auf Heß. bezieht) wieder lebendig geworden. Irma Goitein, Probleme der Gesellschaft und des Staates bei Moses Heß. Ein Beitrag zu dem Thema Heß und Marx mit bisher unveröffentlichtem Quellenmaterial. VI, 181 Seiten. Beihefte zum Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, herausgcgeben von Carl Grünberg. Heft 5. Leipzig, Verlag von C. L. Hirschfeld, 1931. Die Arbeiten von Mielcke und Irma Goitein sind unabhängig voneinander entstanden; es handelt sich bei beiden um gereifte selbständige Leistungen. Der „Kommunistenrabbi" Moses Heß, wie ihn Arnold Rüge genannt hat, verlor niemals den jüdischen Gedanken der Erlösung der Menschheit als Grundmotiv seines Sozialismus aus den Augen. Die Verfasserin weist die philosophisch-idealistische Haltung bei Heß nach, dem die Marxsche Lehre nie sehr tief gegangen sei. Für seine Agitation für die Sache Lassales und für seine Antizipation des Zionismus findet Irma Goitein in diesem marxistisch verkleideten Idealismus die richtige Erklärung. Eine wichtige Ergänzung von Mielcke und Goitein ist die zum erstenmal von I. P. Mayer vorgelegte und aus dem handschriftlichen Nachlaß von Moses Heß herausgegebene Auseinandersetzung von Heß mit Rüge unter dem Titel Oottore Graziano (vgl. die Gesellschaft; VIII. Iahrg., Heft 2; Februar 1931; S. 171 ff.). F. 6efd)äftsnad)rto>ten Die Firma Joseph Sechser jun., Theatinerstraße 42, legt Wert darauf, gegenüber umlaufenden gegenteiligen Gerüchten festzustellen, daß sie von antisemitischen Tendenzen völlig frei ist und daß sie sowohl mit jüdischer Kundschaft als auch mit jüdischen Lieferanten zu allseitiger Zufriedenheit zusammenarbeitc. Verein für Mölsche Museen in Bagern ♦ E. V. Llnlaüung zur oröentlichen Mttglieöerversammlung (gemäß § 1& öec Satzung) Mittwoch, 16. März 1 §>ZL/ abös.S Uhr/ Ln öer Wohnung unseres Mitglieüs/ Herrn Zahnarzt Dr. Heinrich Keuchtwanger/ München/ Vtemsöorfstraße Li /II TageSorönung: 1. Vericht öeS Vorstanüs. I j. Wahlen. L. Kassenbericht. | 4. VerschieöeneS. 3m Anschluß hieran wirö Herr Prof. Dr. Georg Lill, Direktor ües LanöeSamtes für Denkmalpflege über „Tenüenzen öer jüö. Kunst in Deutschlanü" sprechen unö Herr Sr.Keuchtwangerseine Sammlung von füü. Kunstgegenstanüen vorführen. Die Ausführungen öeS Herrn Prof. Dr. Lill werben um 81/2 beginnen, hierzu unö zur Vorführung öer Sammlung flnö Gaste willkommen. tZorstanö. Torpedo 15 nur noch.RM. 198.— Die Qualitätsschreibmaschine zum zeitgemäßen Preis. Bequeme Teilzahlung. 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