Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 5 (1.3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 75 daraus die Notwendigkeit, rnitzusorgen für die Erhaltung der Familie, sei es durch Berufsarbeit, sei es durch Selbstarbeit und Ökonomie im eigenen Hauswesen. Diese letztere Aufgabe wird ihr fast immer zufallen, und so wird in der Zukunft sehr viel davon abhängen, ob die jüdischen Frauen imstande sein werden, mit geringen Mitteln und ohne Hilfskräfte ein Heim zu gestalten. Daran ist vor allem zu denken, wenn das jüdische Mädchen heute die Schule verläßt, und vor der Frage ihrer weiteren Ausbildung steht. Es soll hier darum auf zwei Einrichtungen hingcwicsen werden, deren Ziel es ist, jüdischen Mädchen eine gründliche hauswirtschaftlichc Schulung zu geben.. Die vom Jüdischen Frauenbund, Ortsgruppe München, gegründete „Wirtschaftliche Frauenschule auf dern Lande" in Wolfratshausen baut sich auf Mittelschulbildung auf. Die Hauptuntcrrichtsfächer sind Kochen, Bügeln, Hausarbeit, Handarbeit, Gartcnlnu, Geflügelzucht, vertieft durch theoretischen Unterricht in Nahrungsmittellchre, Botanik, Haushaltchemie, Buchführung. Die Schule ist staatlich genehmigt und steht unter der Leitung von staatlich geprüften Fachlehrkräftcn. Am Ende des Jahres legen die Mädchen eine Prüfung ab, die ebenfalls staatlicher Aufsicht untersteht und so die Anrechnung auf die vorgeschriebene Berufsbildung für eine Reihe von sozialen, wirtschaftlichen und Lehrberufen ermöglicht. Die meisten der 96 Schülerinnen, die bisher die Schule verlassen haben, sind anschließend durch Vermittlung der Schule als Praktikantinnen in jüdische Anstalten eingetreten, um dort ihre Kenntnisse anzuwcnden und zu vervollständigen. Von dort aus führte sie ihr Weg teils zu weiterer Berufsausbildung und in Anstellungen, teils zurück in die Familie und zur Ehe. Für jüdische Mädchen, deren Eltern noch in der glücklichen Lage sind, ihren Töchtern ein Jahr sorgloser, gesunder und fördernder Schulzeit schenken zu können, ist diese, im schönen bayerischen Hochland (578 Meter ü. M.) gelegene Schule eine Stätte, wo sie in froher Geineinschaft lernen können, was jede Frau heute in erster Linie verstehen und beherrschen muß. vückerschau Bernard von Brentano, Der Beginn der Barbarei in Deutschland. Berlin, Rowohlt 1932. Unter diesem Titel, der nach Sensation und Reportage klingt, verbirgt sich eine sehr ernsthafte, besorgte, nicht ungefährliche Schilderung der gegenwärtigen innerpolitischen und wirtschaftlichen deutschen Situation. Es ist in der Tat fraglich, ob wir unseren Thermometer für diese Dinge nur aus der Frankfurter Zeitung beziehen dürfen. Herr v. Brentano zitiert eine Bemerkung Henryk Großmanns: „Der apologetische Optimismus der bürgerlichen Ökonomik hat jedes Interesse für ein tieferes Verständnis und eine Analyse des bestehenden Produktionsmechanismus erdrückt. Als Belege für diese Behauptung könnten wir die nationalökonomischcn Hauptwerke aller Länder anführen." Und Brentano setzt ergänzend hinzu: „Was die Frankfurter Zeitung angeht, so wurde dort die Politik seit geraumer Zeit im Feuilleton gemacht, das Feuilleton aber breitete sich im Handelstcil aus, der sich mit wirklich gut geschriebenen Beschreibungen füllt." Cm Mittel zur besseren Erkenntnis der wahren Lage und zur Korrektur unserer Bastiats will Brentano sein. Das Motto zu seinem neuen, höchst aufregenden, in jeder Schlußfolgerung revolutionären Buch stammt nicht von Goethe, sondern vom Oberbürgermeister von Essen, Dr. Bracht, und lautet: „Der Augenblick ist gekommen, wo ein Mann der Tat seinen Kopf in die Hände nehmen und all seine Kenntnisse sozialer Wirtschaft revidieren tnuß. Wir sind in der Welt und ganz besonders in Deutschland in eine geradezu sinnlose Situation geraten, wo man sich fragt, ob es nicht richtiger wäre, mit allen alten Theorien tabula rasa zu machen und nach etwas Neuem zu suchen. Ich hatte mich während des Krieges mit der Verteilung von Lebcnsinitteln und Artikeln des notwendigsten Lebensbedarfes für die Zivilbevölkerung zu beschäftigen. Das war außerordentlich mühsam, denn es inangelte an Mehl und Webstoffen, aber wie einfach und wie unkompliziert war das irn Vergleich zu der Aufgabe, die mir heute obliegt. Hellte habe ich alles zur Hand: Lebensmittel, Textilien, Kohle und leer- Caie Ludwig (FRÜHER TEICH LEIN) INHABER: R. EBERHARDT LUDWIGSTRÄSSE Das vornehme Familien-Cafe Eigene Konditorei auch abends yliJiWiH« Wascherei " Münchener Hausf rauenhilfe Landwehrstr.57/59-Telefon 596858 München RICHARD GÜLDENSTEIN Vertreter der BUCHDRUCKEREI B. HELLER PlinganserstraDe 64 / Tel. 73 6 64/65 Privat: Güllstraße 5/II Telephon 74259 Priv. kaiMmiisc&ßr Unierricii! Stenografie, Maschinenschreiben usw.,bei mäßigem Wochenhonorar. Neuhausen, Nymphenburger Straße 187/IIr., 2. Äuig. Tel. 60437 VEGETARISCHE GASTSTÄTTE Löwengrube 8/1 Türkenstraße 27 Ältestes vegetarisches Restaurant am Platz! Wenn Sie Ihren Wagen ■ jetzt reparieren lassen, | genießen Sie Vorteile ■ Eine Durchsicht des Wagens nehmen wir kostenlos vor! 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