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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-03-01 · 5 (1.3.1932) · p. Seite 73

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
5 (1.3.1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 73 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 73 Aus der gemeinde (Düncben Israelitische Jugendhilfe, Abteilung für Haushaltlehrlinge Für das junge Mädchen mit Volksschulbildung, das genötigt ist, möglichst bald Verdienst zu finden, besteht seit 1926 die Abteilung für Haushaltlehrlingc im Heim der Israelitischen Jugendhilfc, München, Antonienstraße. In Kursen von I—2 Jahren unter Leitung einer geprüften Wirtschaftslehrerin, einer Jugendleiterin und einer Säuglingsschwester arbeiten hier die zukünftigen Hausfrauen oder Hausangestellten in folgenden Sparten: Küche, Hausarbeit, Gartenarbeit, Waschen, Bügeln, Flicken, Säuglings- und Kleinkinderpflege und Kindergarten. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, daß die jungen Mädchen vor keiner Arbeit zurückscheuen und überall angreifcn. Ein Hauscxamen beschließt die Ausbildungszeit. Die tüchtige jüdische Hausangestellte gehört zu den Frauenberufen, die heute noch nicht überfüllt sind. Von den 60 Mädchen, die bisher irn Heim der Israelitischen Jugendhilfc ausgebildet wurden (6 werden erst im April fertig) sind 32 in Stellung, 7 gingen nach der Ausbildung nach Haus, 4 gingen zur weiteren Ausbildung in die einschlägigen Anstalten (l Kindergärtnerin, I Hauspflcgerin, l Krankenpflegerin, I Säuglingsschwester), 4 wechselten nach der Ausbildung den Beruf,'4 wurden wegen unzureichender Fähigkeiten entlassen, 2 traten infolge Krankheit aus und l sucht momentan Stellung. Das Heim steht mit allen früheren Schülerinnen, auch den auswärtigen, in Verbindung, zuweilen finden Zusammenkünfte statt. Bei nichtpassenden Stellen wird nach Möglichkeit versucht, die Mädchen in geeigneteren unterzubringcn. Diejenigen Mädchen, die noch fortbildungsschulpflichtig sind, besuchen zweimal wöchentlich die Fortbildungsschule für Hauswirtschaft. Dank von Prof. Kirschner Erfreut und gerührt durch so viele Beweise treuer Anhänglichkeit und liebevollen Gedenkens anläßlich seines 7 5. Geburtstages, bittet seinen Dank nur auf diese m Wege abstatten zu dürfen. München, Februar 1932. Crnanucl Kirschn e r. Versteigerung jüdischer Kultgeräte Am 12. Februar fand bei Hugo Helbing, München, im Rahmen einer Auktion von altem Kunstgewerbc und von Gemälden alter Meister die Versteigerung einer reichhaltigen Kollektion jüdischer Kultgeräte für Synagoge und H aus st a t t. Unter der Reihe der Thoraschilder ist vor allem die Arbeit von Mathäus Wolfs, Augsl'urg, Anfang 18. Jahrhundert, hervorzuhebcn; um 1763 fertigte Samuel Bardet, Augsburg, die beiden Rirnonim in Rcceilleform. Im Osten, vorwiegerrd im ausgehenden 18. Jahrhundert, entstanden zwei reiche große Thorakroncn, die verschiedenen Thoraschilder, die manchmal dazugehörigen Weiser und die Cstherrollen. Irr den verschiedensten Gestaltungen treffen wir Chanukkahleuchter in L-ilbcr und Silberfiligran, Becher für den Sabbat und die Beschneidung; die reizvollste und größte Abwechslung waltet aber in der Formung der Gcwürzbüchscn: es gibt Türmchen, Vögel, Fische, Bienenkörbe, Kugeln, Früchte, Blüten und Blumen. Zum Schluß seien noch die meist datierten, prachtvoll gestickten Thoravorhänge (einer davon mit passender Chuppahdecke) erwähnt, die frühestens um 1700 entstanden, die meisten dem 18. oder frühen 19. Jahrhundert angehörcnd. Der illustrierte Katalog erschien vor kurzem und ist in wenigen Exemplaren noch durch die Firma Hugo Helbing zu beziehen, die jede weitere, die Auktion betreffende Auskunft gerne erteilt. Aus bayerischen Gemeinden Burghasloch. Herr Benno I s n c r, der langjährige Vorstand der Kultusgemeindc Burghasloch, derzeit Chrenvorstand, feierte am 21. Februar im Kreise seiner Kinder und Enkel in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Herr Jsncr stand mehr als 25 Jahre als Vorstand inr Dienste der hiesigen Kultusgemeinde. Möge ihm der Allmächtige noch viele Jahre ungetrübter Gesundheit schenken. Vereine Goethefeier deö Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, Ortsgruppe München Am Donnerstag, dem IO. März 1932, abends halb 9 Uhr, veranstaltet die Ortsgruppe München des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus im Konzertsaal des Hotels Bayerischer Hof eine Gedenkfeier zum 1OO. Todestag des großen deutschen Dichters. Die Feier soll kundtun, wie sehr Goethe auch aus der Fülle jüdischen Geifteögutes geschöpft hat, und soll Zeugnis ablegen von der Verbundenheit des Judentums mit deutschem Kulturleben. Die Gedenkrede „Goethe und das Alte Testament" hält Herr Rabbiner Dr. Leo Baerwald. Das bedeutend verstärkte Jüdische Kammerorchefter München unter Leitung von Herrn Kapellmeister Erich Erck wird die musikalische Umrahmung der Feier besorgen. — Nur Mitglieder und geladene Gäste haben gegen Vorweis der Einladungskarte Zutritt. Anfragen und Zuschriften sind zu richten an Herrn Carl von Sandt, München 13, Iakob-Klar-Straße 11. Vortrag Dr. W. Eliasberg Im Rahmen der Veranstaltungen der Jesaia-Loge wird Herr Dr. med. et phil. W. Eliasberg am Dienstag, dem 15. März, 8.15 Uhr (pünktlich) in den Räumen der Concordia, Prannerstraße 4/0, einen Vortrag halten: „V erachtet nur Vernunft und Wissenschaft" — Die Strömung des Jrrationalimus in Politik, Wirtschaft und Pädagogik der Gegenwart. — Freunde der Jesaia-Loge sind zu dem Vortrag bei freiem Eintritt eingeladen. Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes Frau Dr. meck. Rahel Straus spricht am Dienstag, dem 15. März, abends 8.15 Uhr, im Bibliotheksaal der Gemeinde über „Die jüdische Arbeiterin in Palästin a". Wir bitten unsere Mitglieder und Freunde um zahlreichen Besuch. Deutsch-jüdischer Arbeitskreis Am Mittwoch, dem 24. Februar 1932, fand in den Räumen der Gesellschaft Concordia, München, ein Vortrags- und Ausspracheabend des deutsch-jüdischen Arbeitskreises statt. Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner, München, sprach über das Thema „Gedanken und Ziele im deutschen Judentum der Gegenwart". Der Vortragende ging von den geschichtlichen Voraussetzungen der gegenwärtigen Lage aus, indem er das Wesen der Aufklärung, des Liberalismus und der neuen Gruppenideologicn erläuterte. In diesem Zusammenhang sei auch die Entfaltung der besonderen innerjüdischcn Auseinandersetzung, insbesondere zwischen Central-Vercin und Zionismus, zu erklären. Wenn einerseits die Kreise um den Central-Verein eine besondere jüdische Haltung über die religiöse Bindung hinaus anerkennen, andererseits zionistische Führer von vaterländischer Verbundenheit sprechen und die Politik einer „nationalen Minderheit" für die deutschen Juden ablehnen, so sei der innere jüdische Kampf zum großen Teil gegenstandslos geworden. Deutsch-politisch bestehe.Klarheit darüber, daß die Juden im öffentlichen Meinungskampf auf die Seite der Ideen von Freiheit und Gleichbeit zu treten hätten. Jnnerjüdisch müsse man sich, ein ursprüngliches Schimpfwort in einen Ehrennamen verwandelnd, zu einem „Jom Kippur-Judentum" bekennen, wenn man darunter verstehen wolle eine jüdische Gemeinschaft, die den festen Willen hat, in der Idee des Vcrsöhnungstages das Heiligste unserer alten Überlieferungen neu zu erfassen. Die Aussprache vertiefte in erfreulicher Weise sowohl die Frage, wie die Eingliederung der Juden in das deusche Leben zu vollziehen sei, als auch das Problem einer zeitgemäßen Formulierung jüdischer Werte. Kaffee-Konditorei Feld her rnha Ile Inhaber: ADOLF ZIMMER, früherer langjähriger Direktor Hotel Excelsior Fernsprecher Nr.91 447 Wiener Kaffee und nur erstklassige Getränke Feinste eigene Konditoreierzeugnisse mit garantiert reiner Butter! Lieferung frei Haus

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