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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-03-01 · 5 (1.3.1932) · p. Seite 69

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
5 (1.3.1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gememdezettung 69 Stanislaus Bender, Tochter des Künstlers 'W-8'D mm MM "-“I vV •** . . /> ■I — < - 7» in heiteren, lichten Farben sehen. Wir bringen hier im Bild das jüngst fertig gewordene Sclbstporträt Benders und das Bildnis seiner Tochter; das Lichtbild kann allerdings nicht die Leuchtkraft, die Luft: und Raumbehandlung der Originale wiedergebcn, die wir im Atelier des Künstlers sahen. Fritz v. Ostini hat mit Recht die ruhige, unbeirrte Ehrlichkeit der Arbeiten Benders hervorgehobcn. Sein Rcichmm an guten Einfällen und einebemerkenswerte Sicherheit in bezug auf die Schlagkraft der dekorativen Wirkung haben ihn in geschäftlich regen Zeiten zu einem der meistbeschäftigten Plakatkünstlcr Münchens gemacht. Er hat auch heute noch lange nicht seinen künstlerischen Höhepunkt überschritten. Wenn die Zeiten kulturell und wirtschaftlich sich beruhigt haben, wird auch dieser Münchener Künstler wieder ein reiches Arbeitsfeld finden. Vgl. die Lebensbeschreibung Benders in der ,,bmc)'clopueckia Judaica“ und im „Jüdischen Lexikon". Die Skizze, die wir über den künstlerischen Entwicklungsgang von Stanislaus Bender geben konnten, ist nach der Anschauung zahlreicher Originale, Reproduktionen, besonders aber nach einem Besuch im Atelier des Künstlers an der Jsabellastraße und einer regen Unterhaltung mit ihm entstanden. Gibt es überhaupt eine spezifisch jüdische Kunst? Diese Frage, die vor einiger Zeit der Kunsthistoriker Franz Stadler vor einem Münchener Kreis sehr lebhaft auswarf und mit einem erdrückenden spekulativen und anschaulichen Material von Argumenten entschieden verneinte, diese Frage erhebt sich auch angesichts des Schaffens, dem die vorliegende Betrachtung gilt. Die Bilder aus dem jüdischen Stoffkreis, die Einfühlungsgabe des Künstlers dürfen uns nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß es kein Kunstschaffen gibt, das sich ausschließlich aus dem spezifischen jüdischen Geist und aus sonst nichts ableiten ließe. Andacht, Hingebung, Ekstase zu malen, setzt einen hohen Grad von Einfühlungsvermögen voraus, aber jene seelischen religiösen Akte werden im künstlerischen Schassen nicht selbst vollzogen. — Die Hinwendung Benders zu religiös neutralen Stoffen, zur angewandten Kunst und zur Gebrauchsgraphik zeigt eine weise Beschränkung, braucht aber keineswegs Resignation zu sein. Andere Zeiten stellen andere Aufgaben. Seit der Berliner Kunsthistoriker "Karl Schwarz vor mehr als zwanzig Jahren in „Ost und West" den jungen jüdischen Künstler Bender als Hoffnung begrüßt hat bis zu den Artikeln der Münchener Zeitungen in diesen Tagen zu seinem 50. Geburtstag haben wir eine Weltwende erlebt. ££}< v*. ܧ£ ’w»; Abbildung 2: Darbringung von Opsergaben zum Salomonischen Tempel. Gemälde von St. Bender im Heim der Israelitischen Jugend- Hilfe in München

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