Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1932
- Issue
- 2 (15.2.1932)
- Date
- 1932-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen Des Mischen Seijreruereins für vspetn Schriftleitung: Max Adler, München 1932 München, 15. Februar Nr.2 | Jakob Sonn f. 21. | Am Montag, dem 25. Januar d. I., wurde der Nestor der jüdischen Lehrerschaft Bayerns, Herr Jakob Sonn nach dem nahegelegenen Höchberg zur letzten Ruhe bestattet. Nach nur kurzem Unwohlsein ist er in dem gewiß seltenen Greiscnalter von 92 Jahren von uns gegangen, Zum Schmerze nicht nur seiner lieben Angehörigen. Jakob Sonn war 1840 in dem kleinen unterfränkischen Dorfe Schweinshaupten geboren und wuchs im Clternhause „auf den Knien der Thora" heran. Sein sel. Vater Rabbi Mosche Sonn y^, ein Ökonom, trug nichts destowenigcr den Morcnutitel und war als Stellvertreter des Rabbiners in Burgpreppach autorisiert. Vier Söhne dieses Mannes widmeten sich dem Lehrfache bzw. Kultusamte, darunter der jetzt Heimgegangene. Er besuchte das Seminar zu Würzburg von 1864 bis 1866. lernte auf der Jcschiwo des alten Würzburger n-|,. Rabbi S. B. Bamberger y von dem er auch in noch jungen Jahren den isn -Titel erhielt. Als Lehrer, Chason und Schochet wirkte er dann in den Gemeinden Mainstockheim und Theilheim bei Schweinfurt, hier schon unter Astistenz seines Sohnes, des jetzigen Lehrers in Fulda, da ein grausiges Geschick ihm das Augenlicht geraubt hatte. Standhaft und voll Gottergebenheit trug er das Schwere mehr als 35 Jahre, gemildert durch die seltene Sorgfalt und treue Pflege der Kinder und Enkel. Täglich „lernten" diese beim Vater und Großvater, Tochter und Schwiegersohn sagten Thillim mit ihn: und führten ihn zur Synagoge noch bis in die letzten Jahre. So war der Genuß seines Lebens ein wahrhaft geistiger, und gerne empfing er den Besuch der zahlreichen Freunde und Verehrer, die nnt Jntereste seinen Worten lauschten. Cm überaus großes Gefolge begleitete den Verblichenen nach Höchberg. Im Trauerhause nahmen die beiden Söhne, Lehrer D. Sonn (Würzburg), Lehrer A. Sonn (Fulda), rührenden Abschied vom Vater. Auf dem Friedhofe sprachen Rabbiner Dr. Hanover, Hauptlchrer M. Sonn (Buttenwiesen), Studiendirektor Stoll für den Jüdischen Lehrcrverein Bayerns, ferner als Enkel, Krankcnhausverwalter M. Sonn (Würzburg), endlich Lehrer Mannheiiner (Dettelbach) für den näheren Verwandtenkreis. Es ist gewiß im Sinne des 77>2“ p'“S, wenn wir für Freunde und Verehrer desselben den yr;p mitteilcn, wenn solche aus Pietät einei“NyL' lernen möchten: ^"!7 2pV' “12“Ti- Todestag 16. Schewat. — Möge er im Frieden ruhen. Die erzieklicde vedeulung des l^eligionsunlernckls Von E m i l L i f f g e n s (Menuningen) Der Religionsunterricht wird deshalb nicht nur durch Einwirkung auf den Intellekt die Herrlichkeit und Wahrheit, die in j>cm religiösen Wissens- und Glaubensgut verborgen liegen, als beseligende und willcnserzcugende Macht in die kindliche Seele senken, sondern auch durch Cinwirkung auf die cnrotionalcn Kräfte, in dem das religiöse Gut g c - f ü h l s b e t o n t der aufnahmebereitcn kindlichen Seele dargereicht wird. Nur wenn der Religionsunterricht auch diese Voraussetzung erfüllt, kann er starkes religiöses Innenleben und sittliches Streben begründen und fördern. Ist der allgemeine Zweck des Unterrichts die harmonisch geschlossene Persönlichkeit, „die sittlich fühlt, denkt und handelt", so ist der Religionsunterricht der stärkste Faktor bei Erreichung dieses Zieles. Unzulässigkeit menschlicher Kraft, die Grenzen nrcnschlichen Wirkens treten mit oft niederschmetternder Gewalt in unser Bewußtsein, und auch das Kind fühlt instinktiv die Unzulänglichkeit seines eigenen Ich. Unsere Erkenntnis, aus die wir noch am ehesten glauben stolz sein zu dürfen, erweist sich als irrtümlich und dein Trug verfallen. Wo bliebe da unsere Persönlichkeit? Die Erkenntniste, die wir aus der Bibel schöpfen, und dcnr Kind im Religionsunterricht vermitteln, können zur Steigerung der Persönlichkeit führen. Das Bewußtsein von der Führung Gottes, als dem Schöpfer aller Wesen, als dem gütigen Lenker aller Geschicke, unter besten Schutz cs sich geborgen und gehoben fühlt, steigert den Wert seiner Person. So bildet die Verbindung mit Gott die Ergänzung seines eigenen ^ch. Es greift der Mensch zwar in Bewußtsein seiner Unzulänglichkeit, doch über die Winzigkeit seines individuellen Seins hinaus und fühlt sich getragen durch eine alles vermögende Kraft. Die Bibel spornt ihn auch an zur Betätigung der in uns geegten sittlichen Kraft und weist auf den hohen Adel in uns, 27X17 nx ntyy 2’pVx 2V22 weist also auf unsere göttliche.Abkunft hin. Die Gestaltung der Persönlichkeit wird auch weiterhin kraftvoll beeinflußt durch die Lehre von der freien Selbstbestimmung des Menschen: _ ü»ra mrm nV/pm .7272,7 -,'22 p morn D«nn So erkennen wir, daß Religion zur Persönlichkeit erzieht und ein unversiegbarer Quell ist für Freiheit, das Merkmal der Persönlichkeit. Dieses erziehliche Moment, das die Religion uns vermittelt und der Religionsunterricht zu erreichen bestrebt ist, zeitigt noch ein Weiteres: Die lebendige Beziehung zu Gott, indem der Mensch „in Demut wandelt" vor ihm, aber doch im Bewußtsein seines hohen Wertes bleibt, vermag wahrhaftes Mcnschenglück zu begründen. Zu Gott hin strebt seine Seele und er fühlt sich in diesem Streben wunschlos glücklich. Die Unrast des Lebens ist von ihm genommen, er fühlt sich erhaben über alles Crdenleid und sein Leben getragen von einer gütig waltenden Vorsehung. Sein Leven scheint ihm noch lebenswert, wenn auch die Grundfesten seines irdischen Daseins wanken. Cr fühlt die Wahrheit des biblischen Satzes 27X7 h“ '2 x'Siö hv '2 man irm mp 2nVn hv xV Es ist der Zustand höchsten Glückes, wie er verheißen wird, im dritten Teil des Priestersegcns. „21^2' ZP Religionslehrer, der dieses Jnggottleben in der Seele des Kindes zu wecken vermag, hat die hohe erziehliche Bedeutung des Religionsunterrichts nach dieser Seite hin verwirklicht. Gemeinschaftbildende Kraft des Religionsunterrichtes Religion über die stärkste Kraft 'in der Gemeinschaftsbildung. Der Mensch kann ohne Gemeinschaft nicht zum Menschen werden, doch durch die Gemeinschaft allein wird er noch nicht zum werterfülltcn Menschen. Die Religion, die sich an die Gemeinschaft wendet und hauptsächlich in der Gemeinschaft ihre Betätigung findet, gewährt ihm die Impulse zum Leben für die Gemeinschaft. In Theorie und Praxis weist die Religion hin auf ihren Wert. Welch beseligenden Zustand bedeutet die ihn gewinnt das Leben eine andere Gestalt, das ganze Weltgebäude Verwirklichung des biblischen Satzes: E2'p'pfc< '“p CHX 2'22 Durch wird zu einern Vaterhaus, in dein sich alle Glieder helfend, stützend, tragend dienen. Ein Gedanke der zur Voraussetzung hat die Liebe zum Mitnrenschen, die keinen Unterschied und keine Grenzen kennt in der Gesamtheit der Menschen. Wir kennen ja den Grundsatz unserer Weisen, den einstmals ein Rabbiner auf die Frage, was wohl die wichtigste Lehre der Bibel sei, zur Antwort gab: E7X rn“P'2 rfpx Ist die Geschlcchtsfolge des Adam!" Hier ist keine Ausschließung möglich; wer imnrer nur Mensch ist, ist unser Bruder. So hat auch Jesaja, der große Prophet, diesen Gedanken als den Kern der Religion gelehrt und das Volk zur Betätigung sozialer Tagenden angefeuert. Die Kraft zu ihrer Verwirklichung gibt die Tatsache, daß es göttlicher Wille ist, daß sie von Gott gewollt und gefordert ist. (Mit diesem letzten Hinweis ist die Frage, ob Religions- oder Moralunterricht, zugunsten des erstcren entschieden.) Der Religionsunterricht hat die Aufgabe und die Möglichkeit diese bedeutsamen Gedanken und Grundsätze für die Gemeinschaftsbildung dein Schüler so zu vcrnrittcln, daß sie Willensimpulse in ihm auslösen und wesensgestaltcnd wirken. Die nachhaltigste Wirkung wird aber nur dann erzielt werden, wenn diese Lehre eine Lehrerpersönlichkeit darreicht, die durch das Beispiel ihres eigenen Lebens in Schule und Gemeinde diesem Prinzip höhere Verpflichtungskrast verleiht. Fast die gesamten Disziplinen des Religionsunterrichts tragen in hohem Grade Werte in sich, die nach dieser Richtung hin nutzbar gemacht werden können. Insbesondere der biblische Geschichtsunterricht kann durch Hcrausschälung dieses Gedankens und durch entsprechende Auswertung ethischer Grundsätze die Basis hierfür in der kindlichen Seele schaffen. Der Religionsunterricht bietet aber auch Gelegenheit für Übung und Gewöhnung zu sozialer Tat und zur Betätigung zusammengehörigkeitsstärkender Moinente. Erziehung zum Gebet und zur Teilnahme am Gottesdienst Ein weiteres bedeutsames Ziel des Religionsunterrichts, das wiederrun Voraussetzung ist zur Gemeinschaftsbildung, ist die Befähigung des Zöglings zur Teilnahme an: Gottesdienst. Neben der Übermittlung der nötigen Vorkenntnisie für die Gebetssprache hat der Religionsunterricht die Kinder einzuführen in den G e i st der Gebete. Wohl dem Kinde, dein