Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1932
- Issue
- 1 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 1 drungen sein. So sehr das Erziehungsziel dem Wandel der Kultur und des Geisteslebens unterworfen war, so läßt stch doch ein Allgemeingültigcs, Dauerndes herausschälen, das sich bei Festsetzung des Begriffs der Erziehung verwenden läßt. Die Entscheidung gibt uns die religiöse Ethik. Sie lehrt uns, daß der Wert einer Handlung abhängig ist von dem Willen des Menschen. Das Ziel der Erziehung muß also sein, die kindliche Seele mit dem göttlichen Willen zu erfüllen, so daß dieser die letzte und kleinste Tätigkeit bestimme. Damit das sittliche Wollen die rechte Stärke erlangt, ist es erforderlich, daß der religiöse Mensch die Gebote und Verbote kennenlernt und sie als Willensäußerung Gottes betrachtet. Dadurch erhalten sie höhere Würde, größere Autorität und verpflichtende Kraft. In der Erreichung dieses Zieles erweist der Religionsunterricht schon seine hohe Bedeutung. Wenn jeglicher Unterricht ein Mittel darstcllt zur Erreichung des allgemeinen Erziehungszieles, so ist insbesondere der Religionsunterricht geeignet, das sittliche Streben im Menschen zu wecken und zu fördern. Seine Maßnahmen hierzu sind Übermittlung religiösen Wissens, das den Willen befruchtet und ihn in sittliche Richtung leitet und Pflege des Gefühls und Gemütslebens. Er hat also Kenntnis und Verständnis der Religion dem Kinde zu geben und muß ihm helfen, sich ein reiches und sicheres Wissen der religiösen Lehren und Symbole anzueignen. Auch muß er Kenntnis und Verständnis der religiösen Persönlichkeiten vermitteln, damit deren werwolle Eigenschaften und Lcbensäußerungcn auch sein Leben bestimmen. Dies kann geschehen durch Berührung mit den großen religiösen Persönlichkeiten, die der Unterricht möglichst anschaulich vor die Seele der Kinder stelle, damit sie in ihnen das Streben nach dem Höheren, Göttlichen erkennen. Freilich können wir nicht feststellen, ob sie von dem Göttlichen erfaßt und ergriffen, ob echte Frömmigkeit und sittliches. Streben hierdurch schon begründet sind. Fortsetzung folgt Bezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am Sonntag, den 24. Januar, statt. Tagesordnung: I. Mischna; 2. Über Piutim und deren Verfasser (Referent Koll. Cllinger); 3. Die Vorschriften der Thoravorlesung (Forts.). Blumenthal VereinsmMeilunyen 1. Personalien. Am 1. Januar ds. Is. feierte in aller Stille unser Verwaltungsmitglied Simon Blumenthal in Neustadt a. d. Aisch seinen 60. Geburtstag. In einen: herzlich und ehrenvoll gehaltenen Schreiben würdigte Bezirksrabbiner Dr. Behrens in Fürth das verdienstvolle Wirken des Jubilars. Auch wir gratulieren unserem lieben Freunde und rührigen Mitarbeiter aufs herzlichste. Unser pensionierter Kollege Leopold Adler, der vor kurzem seinen Wohnsitz von Marktbreit nach Berlin verlegte, begeht am 23. Januar seinen 80. Geburtstag. Seit I88O gehört der Jubilar unserem Vereine an. Wir gratulieren ihm von ganzem Herzen und wünschen ihm im Kreise seiner trcubcsorgten Familie noch viele Jahre in Gesundheit und Wohlergehen. 2. Verwaltungssitzung. 'Am 3. Januar fand in Nürnberg eine Sitzung der Verwaltung statt, in der die vercinspolitische Lage eingehend erörtert wurde. Entsprechende Anträge werden dein Verbände unterbreitet. 3. Mitgliederversammlung. Die Verwaltung hat beschlossen, auch in .diesem Jahre eine Mitgliederversammlung abzuhaltcn. Die Tagung soll am! 7. und 18. Juli in Würzburg siattfindcn. Näheres wird rechtzeitig bekanntgegcben. 4. Vereinsbeiträge. Durch Beschluß der letzten Mitgliederversammlung wurden die Vereinsbeiträgc für das Jahr 1932 wie folgr festgesetzt: a) für aktive bayerische Mitglieder.RM. 25.— b) für pensionierte bayerische Mitglieder .... RM. 18.— c) für nichtbayerische aktive Mitglieder.RM. 18.— ü) für nichtbayerische pensionierte Mitglieder . . . RM. 10.— e) für außerordentliche Mitglieder.RM. 18.— Außerbayerischc Mitglieder, die keinen: anderen, den: Reichsvcrbandc angeschlossenen Vereine angehören, müssen den Beitrag zum Reichsvcrbnnd an unsere Kasse abführen. Ihr Beitrag erhöht sich dadurch un: RM. 4.— für aktive Mitglieder, bzw. RM. 2.— für Pensionisten. Die Sterbcfallbeihilfc für 1932 beträgt RM. 150.—. Wir machen unsere Mitglieder ganz besonders auf § 12 der Vcreinssatzungen aufmerksam, wonach der Mitgliedsbeitrag an: 1. Januar fällig ist.' Der Beitrag kann auch in zwei Raten, und zwar bis 15. Januar bzw. 15. Juli an den Vcrcinskassicr gezahlt werden. Die Einhaltung dieser Bestimmungen ist unbedingt erforderlich. Cs darf nicht Vorkommen, daß Kollegen noch am Schlüsse des Jahres ihre Beiträge nicht geleistet haben. Die Leidtragenden einer solchen Nachlässigkeit sind die Witwen und Waisen unserer Heimgegangenen Mitglieder, die unter den heutigen Verhältnissen an und für sich schwer genug leiden. Die rechtzeitige Abführung der Vereinsbeiträge ist ebenso Ehrenpflicht wie Ehrenschuld jedes Mitgliedes. Mit allem Nachdrucke und aufs allereindringlichste ersuchen wir die Kollegen, die jetzt noch mit ihrem Beitrag für 1931 rückständig sind, um unverzügliche Einzahlung. München, den 8. Januar 1932. M. N o s en f e l d. M. A d le r. Einzahlungen im Dezember Von: Dr. Hammelburgcr, Würzburg 15.—, Freudenberger, Würzburg 7.50, Löbenstern, Würzburg 15.—, Martin, Haßloch 15.—, Berlinger, Hörstein 15.—, Strauß, Eichstätt 10.—, Heß, Miltenberg 15.—, Rosenstcin, Schopfloch 15.—, Heß, Nürnberg 15.—, Strauß, Weiden 10.—, Strauß, Windsheim 7.50, Laßmann, Rimpar 20.—, Heippert, Kitzingen 15.—, Gutmann, Schnaittach 7.50, Mandelbaum, Würzburg 10.—, Michel, Pirmasens 15.—, Bernstein, Zweibrücken 15.—, Haynrann, Rodalben 15.—, Rosenberger, Hammelburg 15.—, Sonn, Großlangheim 15.—, Stein, Haßfurt 15.—, Bamberger, Würzburg 12.50, Kissinger F., München 15.—, Dr. Keßler, München 15.—, Müller, München 5.—. Durch: Frank, Uffenheim 11.40, Rosenfeld, München 5.—. Würzburg, 1. Januar 1932. Postscheckkonto Nürnberg 6479. M. Hcllmann. vücherschau „Erlebtes — Erstrebtes — Erreichtes". Erinnerungen von Franz Oppenheimer. Der Heine-Bund hat soeben die Lebcnserinnerungen von Franz Oppenheimer veröffentlicht. In diesem Werke lernen wir eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums, der in äußerst lebendiger und anschaulicher Weise zu uns spricht, als Arzt, Politiker, Literat, Redakteur, Nationalökonom, Privatdozent und ordentlicher Professor kennen. Wie erleben bei der Lektüre dieses Buches das Berlin der sechziger Jahre „ohne Gas, elektrisches Licht, Telephon, ja sogar ohne Rohrpost, ohne Radio, ohne Schnellbahnen". Welcher jünger Berliner kann sich das vorstellen? Cs ist klar, daß Oppenheimer in seinen Lebenserinnerungcn Stellung zu allen Problemen nimmt, die uns alle, heute mehr denn je, beschäftigen. „Cs gibt keine andere Rettung für diese todkranke Welt, die davon bedroht ist, zwischen Kapitalismus und Bolschewismus wie zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben zu werden, als die Besinnung auf den G'tt in unserer Brust." Mit tiefem Schmerze erfüllt es ihn, daß die Mentalität des deutschen Bürgers, es dem Juden fast uninöglich macht, sich „natürlich" zu geben. „Wir sind ja gezwungen, alles zur Gipfelleistung zu treiben, sei cs Wissenschaft, sei es Sport, sei cs die Betonung der Psychologie und Haltung einer Gruppe, in die wir irgendwie hineingcraten sind. Wir müssen uns ja als echte Zugehörige „legitimieren", während der Nichtjude bis zum Beweise des Gegenteils ohne weiteres als legitimiert gilt." Die Versuchung läge nahe, einige Stellen aus diesem frisch und reizvoll geschriebenen Werke hier anzuführcn; aber der Raum verbietet es uns. Ehrenpflicht ist es, dem rührigen Heine-Bund Dank zu sagen und die Mitgliedschaft bei ihn: allen unseren Mitgliedern zu empfehlen. (Mitgliedsbeitrag jährlich RM. 12.—, wofür den Mitgliedern drei Bände nach freier Wahl zustehen. Adresse: Der Heine-Bund, eine jüdische Buchgemcinde, Berlin W 57, Palaßstraße 10/TI.) Derselbe Verlag, der in den letzten Jahren sehr lesenswerte Bücher über die Juden in der Wirtschaft, Politik, Kunst, Bühne und Literatur veröffentlicht hat, hat jetzt im neuesten Band die Leistungen der Juden in der deutschen Forschung und Technik gewürdigt. Verfasser dieses Buches unter dem Titel: Schicksal u n d L c i st u n g ist der bekannte Arzt, der erfahrene Wissenschaftler, der eifrige Bekämpfcr des Kulturantisemitismus, der uns durch seine früheren Veröffentlichungen wohlbekannte F e l i x A. T h e i l h n b e r. Das Werk behandelt die Tätigkeit der deutschen Juden in allen Zweigen der reinen und angewandten Naturcrkenntnis: Physik, Chemie, Medizin, Botanik, der Auto-, Radio-, Telephon- und Lustschifftechnik, der Psychoanalyse und der Relativitätstheorie. Der Buchtitel könnte auch lauten: Der schöpferische Jude. Dickes äutzerst lebendig geschriebene Buch gibt eine überzeugende Darstellung von der Art und den: Wert der jüdischen Begabung. Es wird jeden Juden mit Stolz auf die Lebenskraft seines Stammes erfüllen. A. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München