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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-01-15 · 2 (15.1.1932) · p. Seite 17

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
2 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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Kachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgememöen in München, Augsburg/Hamberg unö ües Aerbanöes Hagerischer Israelitischer Gemeinüen Ha^errsche Israelitische Gemeinöezeitung Erscheint am 7. unö r). seöen Monats. — Verlag: V. Heller, München, Bezugspreis für nicht elngewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für öas plinganserstraße 64, Kernruf 7)664 unö 7)66), Postscheck München )-S7/ Jahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Retchspfenalg Bchrlstleitung: Sr. Luöwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraste )S Kamilienanzelgen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote ff Reichspfennlg Vlll. Jahrgang München, 15. Aanuac 1932 Ar. L Inhalt: Jüdische Bevölkerungsbilanz — Geburtcnmangel und Sterbeüberschuß der deutschen Iudenheit — Nachteile der Großstadtentwicklung — Die Berliner Juden — Die Frankfurter Juden — Eine Geschichte des Geschäftsgeistes — Aus der Gemeinde München — Aus dem Reiche — Aus dem Verbände — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Aus bayer. Gemeinden — Vereine — Bücherschau — Geschäftsnachrichten — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Isr. Gemeinden: Bekanntmachung über Wahlen zur Tagung—Bekanntmachungen der Isr.Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über die Wahlen zur Gemeindevertretung 1932 — Personalia In dieser Nummer sind vor allem Fragen des Aufbaues der jüdischen Bevölkerung in einer Reihe grundlegender Originalaufsätze behandelt. Jüdische vevölkerungsdilanz Die biologische Entwicklung der jüdischen Bcvölkerungsteile in Mittel¬ und Westeuropa wird seit langem durch niedrige Geburten- und Sterbeziffern gekennzeichnet. Wie weit der Geburtenrückgang bei den Juden geht, wurde hinsichtlich Bayerns bereits in dieser Zeitung (1950, Nr. 7) aufgezeigt. Anderseits reicht die Senkung der Sterblichkeit nicht mehr aus, um noch ein natürliches Wachstum zu ermöglichen, vielmehr ist an besten Stelle ein dauernder Sterbcfallüberschuß, eine passive Bevölkerungsbilanz getreten. Auf diese Erscheinung hat neuerdings E. Kahn in einem Aufsatz „Der Geburtenrückgang — ein wirtschaftliches Zukunftsproblem" in Heft I der „Wirtschaftskurve" 1950 sowie in seinem größereren Werk „Der internationale Geburtenstreik" (Frankfurt 1930) hingewicsen. Kahn bezeichnet die Juden gewistermaßen als Schrittmacher der Geburtenregelung bzw. des Geburtenrückgangs und dainit des allgemein zu erwartenden Überganges von Geburtenzu Sterbefallübcrschüsten. In der Tat sind innerhalb Deutschlands seit etwa zwanzig Jahren Sterbcfallübcrschüste bei den Juden nachweisbar. Sie haben im Laufe der Zeit immer mehr an Umfang gewonnen und namentlich in den letzten Jahren ein großes Ausmaß erreicht. So standen 1930 in Bayern 749 jüdischen Gestorbenen nur 381 von jüdischen Müttern, darunter 357 in rein jüdischen Ehen, Lebendgeborene gegenüber; ähnlich liegen die Verhältnisse in Preußen und Hamburg (1929): Preußen Hainburg Gestorbene 9235 294 Lebendgeborene 3737 240 davon in rein jüdischen Ehen 3283 205 Demgegenüber will cs wenig besagen, daß in Sachsen, wo übrigens in diesem Zusammenhang die Totgeborenen nicht ausscheidbat sind, noch ein kleiner Geburtenüberschuß ermittelt wurde: 275 Gestorbene gegenüber 300, darunter 278 in rein jüdischen Ehen Geborenen. Es treffen also 1929 auf 100 Gestorbene ....Lebendgeborene von jüdischen darunter in Müttern rein jüdischen Eh' Preußen 59,9 52,7 , Bayern 50,9 46,7 .- Sachsen 109,1 101,1 Han,bürg 81,6 69,7 Auffallend ist, daß sich die gleichen Tendenzen auch schon im Osten geltend machen. In Budapest wurden 1929 3120 jüdische Gestorbene ermittelt gegenüber nur 1884, darunter 1706 in rein jüdischen Chen Lebendgeborenem also aus 100 Gestorbene 60,4 bzw. 54,7 Lebendgeborene. Sogar für ganz Ungarn ergab sich 1929 ein, wenn auch vorerst geringer, Sterbefallüberschuß: 6519 Gestorbene, 5730 von jüdischen Müttern Lebendgeborcnc. 'Anderseits zeigt sich die jüdische Regenerationskraft noch in beachtlicher Höhe in Bulgarien (1926) 496 Gestorbene, 1059 von jüdischen Müttern Lebendgcborene, in Riga (1928) 437 Gestorbene, 707 Lebendgeborcnc, vor allem aber im neubesiedelten Stammlande Palästina (1928), wo 1830 Sterbefällen 5308 Lebendgeborcnc gcgenüberstandcn. In Palästina treffen also auf 100 jüdische Sterbcfälle 290,0 Lebendgeburten, während sich diese Quote für die Gesamtbcvölkerung des Landes — infolge erhöhter Sterblichkeit bei den nichtjüdischen Volksteilen — nur auf 185,9 beziffert. Im ganzen kann aber wohl auch für das „Welt-Judentum" eine Unterbilanz, ein ständiges Übergewicht der Sterbefälle über die Geburten angenommen werden. Dazu kommt, daß auch die Konversionsb e w e g u n g fortgesetzt arn Bestände der jüdischen Glaubensgemeinschaft zehrt. Soweit die einschlägigen Nachweise der deutschen evangelischen Kirchenstatistik erkennen lasten, schließt der konscstionelle Austausch zwischen den Evangelischen und Juden regelmäßig zuungunsten der Juden ab, wenn sich auch die Frequenz der Übertritte zur evangelischen Kirche iin Laufe der letzten Jabrzebnte vermindert bat. Übertritte von Jahres¬ Juden zur Evangelischen durchschnitt evangel. Kirche zum Judentun, 1900/09 482 60 1910/19 417 69 1920/29 276 20 In den beiden letzten Jahren der Periode 1920/29 stellten sich die jüdischen Übertritte nur noch aus 166 und 172, die evangelischen Übertritte aus 45 und 36. Dr. Ph. S ch w a r tz.

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