Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2727950-2727951--08471-2741658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

10 Bayerische Israelitische Gemeindezeilung Nr. 1 und Glaubensgenossen hinaus auf alle Menschen. Die praktische Wohlfahrtspflege, von den Zeiten des altjüdischen Staates bis zur modernen Kultusgemeinde besteht in einem wirksamen System von Einrichtungen, die über die Zufälligkeiten der stets geborenen und ausgeübten persönlichen Hilfeleistung hinaus zu dem wesentlichen und lebenswichtigen Aufgabenkreis einer echten jüdischen Gemeinschaft von jeher gehörten. Geist und Praxis der jüdischen gegenseitigen Hilfeleistung, in den religiösen und sittlichen Wurzeln des Judentums aller Richtungen und Zeiten gelegen, in seinen Urkunden vorbildlich niedergelegt, haben ihren Ursprung in dem sozialen Genius der Bibel, die der Menschheit den Sabbat nebst einer Reihe sozialer Ideen von unvergänglicher Wirksamkeit geschenkt hat. Mit der Gefährdung jüdischer Wohlfahrtspflege ist das jüdische Leben selbst gefährdet. Herr Iustizrat Dr. Elias Straus, der Vorstand des Wohlfahrtsamts der Münchener Kultusgemeinde, gab in seinem Vorrrag über die Struktur der jüdischen Wohlfahrtspflege einen eindringlichen historischen Überblick und besprach namentlich die veränderten Aufgaben seit der Emanzipation. Das 19. Jahrhundert sah eine großzügige und durchgreifende Verbesserung aller Einrichtungen, die Ausbildung eines spezialisierten Vereinswesens und die Errichtung großer Stiftungen. In der neuesten Epoche ist gemäß dem Sinken des jüdischen Wohlstandes eine rückläufige Bewegung in bezug aus die Quantität der Mittel zu beobachten. Die fehlende Quantität muß durch die Planmäßigkeit aller Kräfte ersetzt werden. Der Redner verbreitet sich ausführlich über die organisatorische Neugestaltung des jüdischen Wohlfahrtswesens nach dem Krieg, und zwar nach der vertikalen, sich gleichmäßig über die Landesgrenzen hinaus erstreckenden Gliederung und nach der horizontalen Einteilung der Arbeit, die am einzelnen Ort gebunden ist. Der Hauptstrukturwandel der jüdischen Fürsorge in der neuesten Zeit ist hervorgerüfen durch die Hilfsbedürftigkeit als Massenerscheinung; dadurch ist die ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeit gegenüber der organisierten Hilfe in modernen Wohlfahrtsämtern der Gemeinden und Verbände in den Hintergrund getreten. Gerade aber die jüdische Wohltätigkeitspflege hat als religiöse und sittliche Pflicht die Arbeit von Mensch zu Mensch zu pflegen und muß streng auf eine sinnvolle und wirksame Zusammenfassung aller Kräfte sehen. Den Gegenwartsaufgaben waren die Schlußausführungen des Vortragenden gewidmet. Die speziellen und technischen Fragen, Aufgaben und Leistungen der jüdischen Wohlfahrtspflege in München und Bayern behandelte die Leiterin des Wohlfahrtswesens, Fräulein Margarete Kitzinger, in einem aufschlußreichen und übersichtlichen Bericht. Es ist beabsichtigt, später in diesen Blättern einen Auszug aus diesem Vortrag wiederzugeben. Er gibt am besten einen Begriff von der vielfältigen und aufopferungsvollen Arbeit, die I'ier geleistet wird. Im Anschluß an die Vortragsreihe wurden in einer besonderen Arbeitsgemeinschaft zusammen mit dem jüdischen Frauenbund an drei Nachmittagen Fragen zeitgemäßer Wirtschaftsführung besprochen. Die grundsätzlichen Fragen behandelt dabei Frau Or. nreä. Rahel Straus, während die Praxis einer rationellen Küche und die Wege zur Beschaffung und Herstellung zeitgemäßer Kleidung und Wäsche von Frau Jenny Baerwald und Frau Erna Feuchtwanger erörtert wurden. Das Wohltätigkeitskonzert der Israelitischen Kultusgemeinde ist auf Sonntag, den 17. Januar 1952, festgesetzt. Das Programm wird in der Nummer vom 15. Januar in der Gemeindezeitung bekanntgegeben. Das Konzert des jüdischen Kammerorchesters das am 12. Dezember im Museumssaal stattfand, ließ die erfreuliche Tatsache feststellen, daß das Orchester wirklich Fortschritte gemacht hat. Sowohl was die Reinheit der Intonation betrifft (allerdings solange die Holzbläser nicht dabei waren) als auch in bezug auf rhythmisch exaktes Musizieren. Dies ist wohl das Verdienst seines tüchtigen Dirigenten, Herrn Kapellmeisters Erich Erk, der mit großer Hingabe und Umsicht das Ganze zum guten Gelingen führte. Die Solisten des Abends brachten durchwegs anerkennenswerte Leistungen. Frl. Alma Weiß spielte das Klavierkonzert von Haydn mit großem technischem Können. Von Frau Gertrud Masser hörte nran die zwei Romanzen für Geige und Orchester von Beethoven sowohl tonlich als auch musikalisch gut vorgetragen. Frl. Irma Stern war leider indisponiert. Wenn es ihr trotzdem gelang, die so schwierige Arie „Höre Israel" von Mendelssohn durchzubringen, so zeigte dies aufs deutlichste, daß sie eine wohlgeschulte Stimme besitzt. Lobend zu erwähnen wären noch die Orchestersolisten: Siegmund Schapira, Resl Müller, Dr. Benno Fesinger und Alfred Goldschmidt. Als Abschluß des Programms hörte man die L-Dur-Suite von Bach. Die jugendliche Musikfrcudigkeit, mit der gespielt wurde, löste beim Publikum reichen Beifall aus. I. Z. Aufführung von Werken des Münchener Organisten Heinrich Schalit in Berlin und Stuttgart . Bei der Jahrhundertfeier des Württembergischen Oberrates in Stuttgart am 1Z. Dezember wurde, angeregt durch den Direktor des Stuttgarter Konservatoriums für Musik, der „Langsame Satz aus dem Klavier- Quartett op. 2" von Heinrich Schalit in dem Festakt gespielt. Das Werk hat von allen Seiten Anerkennung und Beifall gefunden, über eine Erstaufführung von zwei Chorwerken Schalits in Berlin am 6. Dezember schreibt uns ein Berliner sachverständiger Kritiker: Zum Besten der Wohlfahrtseinrichtungen veranstaltete die Jüdische Gemeinde zu Berlin am 6. Dezember in der Synagoge Prinzregentenstraße ein Konzert. Zwei Chorwerke von Heinrich Schalit (München) brachte u. a. der Dirigent Alexander Weinbaum mit seinem gemischten Chore erstmalig in Berlin zu Gehör. Besonderes Interesse fand ein homophones Chorstück mit aparter, stimmungsvoller Orgelbegleitung „Was ist der Mensch". „Der Aufstieg" aus „Hymnen der Seele", ein sechsstimmiger a capella- Chor ist ein plastisch geformtes Werk, nicht ohne Härte in den Stimmbewegungen. Alexander Weinbaum war den Chorwerken ein vortrefflicher Interpret. Uns« Inventur-Ausverkauf In der Woche vom 4. bis 9. Januar verkaufen wir in allen Abteilungen — auf Extratischen ausgelegt - ganz besonders preiswerte Posten München — Promenadeplatz 15 i. u. n. stock S. Eichengrün & Co.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.