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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1931-12-15 · 12 (15.12.1931) · p. Seite 32

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1931
Issue
12 (15.12.1931)
Date
1931-12-15
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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32 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 12 Vereinsmitteilungen 1. Unser Kollege Emanuel Wechsler in Berlin ist von uns gegangen! Cr war uns ein lieber Kollege, der auch in den schwersten Situationen, von denen er nicht verschont blieb — denn recht selten strahlte ihm die Sonne des Glückes —, unserem Vereine die Treue hielt. Treue um Treue! Wir werden dem Heimgegangenen --y stets ein treues Gedenken bewahren. 2. Kollege L. Kahn, bisher in Westheim, trat am I. Dezember seine neue stelle in Gaukönigshofen an. Am gleichen Tage übernahm der junge Kollege Willi Neumann von Fürth die Stelle in Westhcim. Anläßlich seines 25jährigen Ortsjubiläums wurde Kollege B l u m c irrst a l (Unslcben) von Gemeinde und Verband sehr geehrt und vom Rabbinat mit dem Chowcr-Titel ausgezeichnet. Die gleiche Auszeichnung erhielt unser Kollege H a m m c l b u r g c r (Jchcnhausen) anläßlich seines 50. Geburtstages. München, den 8. Dezember 1951. M. Roscnfeld M. 'Adler Eine neue Notverordnung In der Stunde, in der ich diese Zeilen niedcrschreibe, wird wahrscheinlich die neue Nowerordnung der Reichsregierung veröffentlicht. Die Presse berichtet von einer Kürzung der Beamtengchältcr um weitere 9 Prozent. Fast untragbar wirkt sich diese Kürzung auch auf uns jüdische Lehrer aus, auf uns ganz besonders; denn neben den vielen Gehaltsreduzierungen durch die verschiedenen Nowerordnungen brachte uns die Angleichsverordnung noch eine Rückstufung in eine niedere Gruppe. Die bittere Not, wie sie früher bei jüdischen Lehrern herrschte und die wir überwunden glaubten, ist wieder in das Haus manches lieben Kollegen cingekehrt. Die Vereinslcitung hat in den letzten Wochen eine Menge von Briefen erhalten, aus denen man so recht deutlich die bittere Not herauslesen konnte. Man sollte manche dieser Dokumente veröffentlichen, damit auch auf dem Lande endlich einmal Schluß gemacht werde mit den Redensarten von den hohen Bcamtengehältern. Besonders erfreulich ist es, daß ttotz allem alle Kollegen ihre Pflicht in gewissenhafter Weise erfüllen. Mögen auch alle Gemeinden sich ihrer Pflichten den Beamten gegenüber stets bewußt bleiben. A. Erholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren e. V. Aus dem soben veröffentlichten Sitzungsbericht der 1. Hauptversammlung am 25. August 1951 in Frankfurt a. M. entnehmen wir folgendes: Das Crholungs- und Altersheim in Bad-Ems hat sich im ersten 2ahre des Bestehens ganz ausgezeichnet bewährt. Cs wurde von 149 Personen — 65 Einzelpersonen und 42 Ehepaaren — ausgesucht. Darunter waren 66 Lehrer und 4 Lehrerinnen, 17 Kantoren, 4 Rabbiner und 6 Sozialbeamte. Die Zahl der Verpflegungstage bcttug 1692. Man kann wohl sagen — und dies wurde uns gegenüber wiederholt bestätigt —, daß alle Besucher mit dem Aufenthalt im Heim durchaus zufrieden waren. Das lag an den behaglichen, komfortablen Zimmern, an der gut zubereiteten und reichhaltigen Verpflegung, an der fröhlichen und harmonischen Geselligkeit, die von gleichgestimmten und gleichsinnten Kollegen und deren Gattinnen gepflegt wurde. Was sonst so selten zu finden ist — hier konnte man es feststellcn: Alle Stände, Landsleute und religiösen Richtungen lebten in schönster Eintracht. Die Worte, nrit denen der stellvcrttetende Vorsitzende, Kollege B. Levy, seinen Bericht schloß, seien hier angeführt: Was seit Jahrzehnten von uns erstrebt wurde, ein eigenes Heim — nun besitzen wir es, und nun sollten wir nicht die Kraft aufbringen, es ohne Inanspruchnahme anderer Kreise, ganz aus eigenen Mitteln uns zu erhalten? Sollten wir nicht stolz darauf sein, es zu unserm Haus, unserm Besitz gestalten zu können? Kleinliche Eigcnbrödelei sollte ein solches Unternehmen nicht stützen helfen? Mangel an Gemeinschaftsgefühl in solcher schweren Zeit, in der wir alle nur Glieder in der großen Kette der Gesamtheit sein können? — Unser Haushalt ist, wie sich leicht denken läßt, sehr kostspielig und läßt sich nur aufrecht erhalten, wenn jeder jüdische Beamte in Deutschland, jeder Rabbiner, jeder Lehrer und jeder Kantor, es als Ehrenpflicht bewachtet, unserem Verein anzugehören und seinen Jahresbeittag zu entrichten, auch wenn er nicht unbedingt und nicht gleich von unserm Heim Gebrauch machen will. Die bisherigen Erfahrungen in unserer Wirtschaftsführung haben die Möglichkeit des Bestandes unseres Hauses und seine Rentabilität erwiesen. Die Notwendigkeit eines Erholungsheims für unfern Stand ist ebenfalls deutlich und klar zutage getreten — so sollte es nicht immer wieder neuer Mahnungen bedürfen, sich dein Verein anzuschließen und so die Existenz des Heims zu sichern. Ich könnte meine Aufforderung zur Mitarbeit an unsernr Heim nicht treffender zum Ausdruck bringen, als es einer der Gäste in seinem Eintrag in das Gästebuch mit folgendem Vers getan hat: Habt ein Heim Ihr, jüdische Lehrer, Haltet's mit vereinter Kraft; Denn die Zeiten werden schwerer — — Ob Jhr's Euch je wieder schafft? Opfer, Opfer müßt Ihr bringen Und im Eifer nicht erkalten; Denn nur so wird es gelingen, Dieses Kleinod zu erhalten. Frank-Fischer. Folgende Anträge wurden einstimmig angenommen: 1. Da manche Kollegen erst bei Inanspruchnahme des Heims Mitglieder wurden, da ferner ein Schreiben des Vereins israelitischer Lehrer in Baden vorliegt, in welchem er den kooperativen Beitritt in Aussicht stellt, wenn Mitglieder nicht nur bevorzugt, sondern auch zu geringeren L-äßen ausgenommen werden als Nichtmitglieder, sollen in Zukunft solche Personen bei der Aufnahme bevorzugt werden, die bis zum I. April 1952 bzw. gleich nach ihrem späteren Amtsantritt Mitglieder werden. 2. Die tägliche Verpflegungsgebühr für vorübergehende Aufnahme beträgt für Mitglieder durchschnittlich 5 RM., für Nichtmitglieder erhöht sich der Verpflegungssatz um io Prozent. Zu erwähnen ist hier noch, daß die Zahl der Mitglieder des Vereins bisher nur 714 beträgt, daß also, sollten sich alle Kollegen und Rabbiner zur Erwerbung der Mitgliedschaft entschließen — was sehr erfreulich wäre und eigentlich selbstverständlich sein sollte —, die Zahl sich noch verdreifachen könnte. Der Jahresbeitrag beträgt 5 RM. (er kann auch in zwei Raten gezahlt werden). Beiträge, Rückstände und freiwillige Spenden können und sollen aus Postscheckkonto 5680 Frankfurt a. M. für Crholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren eingezahlt werden. Anfragen und Anmeldungen sind erbeten an I. B. Levy, Frankfurt a. M., Ravcnstcinstraßc 5/1. vücherschau Kurt Zielenziger, Juden in der deutschen Wirtschaft. Mit 8 Bildnissen auf Tafeln. Der Heine-Bund, Berlin. Der Verfasser will keine systematische Wirtschaftsgeschichte der deutschen Juden schreiben. Nur in der Einleitung behandelt er kurz die Entwicklung vom „Ghettohündler zum Wirschaftsführer" und beantwortet sodann die Frage nach der Eigenart und Stellung der Juden in der deutschen Volkswirtschaft der Neuzeit auf indirekte Weise, indem er vor den Augen der Leser eine Reihe von Porträts typischer Wirtschaftsführer jüdischen Geblüts erstehen läßt. Wenn hier nur einige wenige Namen, wie Rothschild, Mendelssohn, Ludwig Loewe, Emil Nathenau, Carl Fürstenberg, Aron Hirsch, Albert Ballin aufgeführt werden, so mag schon diese kurze Aufzählung einen Einblick in den Reichtum des verarbeiteten Materials gewähren. Der „Ausblick", mit dem das Buch schließt, gibt ein Bild von dem erschreckenden Abstieg der Gegenwart und wendet sich schließlich dem durch den sozialen Umbildungsprozeß, in dem wir stehen, immer brennender werdenden „Problemen von Morgen" zu. Mit einer tiefernsten und aufrüttelndcn Frage nimmt das Buch von uns Abschied: „Das Schicksal des Kapitalismus wird nntbestimmend sein für das Geschick der deutschen Juden. Sie waren die Wegbereiter in unserer Wirtschaftsepoche, werden sie es verstehen, auch Führer in die neue Zeit zu sein?" . H. Denkwürdigkeiten des Aron Jsak (1720—1817). Herausgegeben und eingeleitet von F. Holm. Verlag: Der Heine-Bund, eine jüdische Buchgemcinde, Berlin W 57. Ein als historisches wie als menschliches und vor allem jüdisches Dokument gleich aufschlußreiches und bedeutungsvolles Buch! Aus dem bewegten Spiel einer ereignisreichen Zeit erhebt sich das Bild einer gefestigten, charaktervollen Persönlichkeit, des Aron Jsak, der im Kampf um seine Existenz und in der Meisterung eines fast abenteuerlich anmutenden Schicksals zugleich ein politischer Vorkämpfer für seine Glaubensgenossen wird und diesen das Niederlassungsrecht in Schweden, einen, bis dahin den Juden verschlossenen Lande, erwirkt. Nicht ganz mit Unrecht wird dieser zähe, von Energie geladene, mit politischem Scharblick und diplomatischer Gewandtheit begabte Mann dem Menasse ben Jsreel zur Seite gestellt. Einen besonderen Reiz gewährt auch die Darstellung, die naive, allem Pathos abholde Ausdrucksweise des geborenen Erzählers. Das Sprachgut des Buches, das Jüdisch-Deutsch des 18. Jahrhunderts, wäre einer besonderen Untersuchung durch einen Hochgelehrten wert. Eine wertvolle Bereicherung erfährt das auch sonst gut ausgestattete Buch durch eine Reihe wohlgelungener Illustrationen, von denen das Titelblatt zu Jsaks Manuskript sowie eine Textseite hieraus besonders hcrvorzuheben sind. Herausgeber und Verlag verdienen den Dank der Freunde einer ernsthaften Literatur. bl. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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