Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1931
- Issue
- 11 (1.12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 366 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9934493-9934630-9934632--300-2741622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
30 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 11 Herz ihrer Schüler einzupflanzen. Der Patriarch Rabbi Jehudah sagte zu seinem Sohne Rabbi Gamliel: mD pn rann „Führe dein Amt in Hoheit und wirf Galle unter deine Schüler!" Das heißt: Wahre stets deine Autorität und suche immer in deinen Schülern das Gefühl der Hochachtung und Würde zu erwecken. Solche Grundsätze bildeten die Grundlagen der Erziehung nach dem biblisch-talmudischen Schrifttum in geistiger Beziehung. VI. Aber auch die körperliche Erziehung, die Körperpflege wird im Talmud berücksichtigt. Und wenn in der Gegenwart dem Turnen und Sport ganz besonderes Augenmerk gewidmet wird, so interessiert uns hier die gewiß ganz modern klingende Forderung des Talmud, daß jeder Vater verpflichtet sei, seinem Sohne das Schwimmen zu lehren. Die talmudischen Grundsätze, welche die Körperpflege betreffen, beruhen auf Diät und Hygiene, auf gesundheitlicher Grundlage. Deshalb wird im Talmud der körperlichen Reinheit besondere Bedeutung zugemessen. „Täglich wasche der Mensch Gesicht, Hände und Füße zur Ehre seines Schöpfers." Denn äußere Reinheit ist der inneren Unterpfand. Die Reinheit des Körpers ist die Vorbedingung zur Reinheit der Seele, wie dies der Talmud ausdrückt: „Rcinlichkeit führt zur Reinheit, Reinheit zur Sündenscheu, Sündenscheu zur Heiligkeit." Welche überaus hohe Bedeutung auf Erhaltung und Gesundheit des Körpers gelegt wird, beweist das Wort: ISO "tPSJ TlÖBn 11Q2' „Hüte dich und dein Leben sehr." Jede Schwächung unserer Gesundheit, jede Gefährdung unseres Lebens ist strenge verboten. Lebensgefahr verdrängt selbst die Heiligkeit des Sabbattages. Alle Speisegesctzc, alle Vorschriften über das Schächten sind — neben der ethischen Begründung “Prin C’t^np — namentlich auf hygienischer Grundlage ausgebaut, die selbst von der neuzeitlichen, objektiv urteilenden Wissenschaft gebührende Anerkennung finden mußte. Ist nicht auch das strenge Sabbatgesetz: „Sechs Tage sollst du arbeiten — aber der 7. Tag ist ein Ruhetag dem Ewigen!" eine Anpassung an die Natur des menschlichen Körpers, der nach anstrengender Tätigkeit Ruhe und Erholung bedarf! 2m talmudischen Zeitalter fand auch die hygienische Bedeutung der reinen, frischen Luft, der hellen, geräumigen Wohnung entsprechende Anerkennung. „Drei Ding e", sagt der Talmud, „erheitern das Gemüt des Menschen: eine schöne Frau, eine schöne Wohnung und schone Gerätc." □’>o Q’po nxj rrp~ "tu Eine eingehende Erörterung findet in der Frage der Körperpflege die Ernährung im Talmud. Hier bildet das Gebot der Mäßigkeit und Genügsamkeit die grundlegendste Bestimmung, welche der jüdischen Gesamtheit eingeprägt wird. „Der Fromme ißt zur Erhaltung seines Lebens; aber der Frevler hat nie genug." Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung, Einfachheit und Ordnung sind die vorzüglichsten Mittel zur Abhärtung und Stählung des Körpers, welcher der Träger der gesunden Seele sein muß. In kurzen Zügen habe ich hiermit versucht, ein Bild von dem pädagogischen Geist der talmudischen Epoche zu zeichnen, zu zeigen, wie in den verschlungenen Ideengängcn des Talmudschachtes eine erstaunliche Fülle kostbaren Gesteins, werwoller Geistesschätze geborgen sind, die auch in unserer heutigen modernen Zeit Wort und Geltung besitzen. Und wenn hierdurch auch etwas Rüstzeug im jetzigen Abwehrkampfe geboten und der Fricksche Ausspruchs Lügen gestraft wurde, dann haben diese Ausführungen ihren Zweck voll und ganz erfüllt. 1 „Das Judentum entsittlicht die deutsche Jugend." Vereinsmitteilungen 1. Ehrungen: Unser Kollege Studienrat Wetzl er in Ludwigshafen am Rhein hat nach ZOjähriger Tätigkeit sein Gemeindeamt am IO. Oktober niedergelegt. Die Gemeinde veranstaltete zu seinen Ehren einen feierlichen Abschiedsgottesdienst, bei welchem Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher eine weihevolle Ansprache hielt und dem hochgeschätzten Beamten den Chowertitel verlieh. Professor Koburger und der Amtsnachfolger des Gefeierten Lehrer Liberles sprachen gleichfalls erhebende Worte. Bei einer internen Feier des Synagogenrates wurde unserem Kollegen eine künstlerisch ausgestattete Adresse und ein kostbares Ehrengeschenk überreicht. Anläßlich seines 25jährigcn Ortsjubiläums wurde unserem Vereinsmitgliede Lehrer N e u m a n n in Kassel ganz besondere Ehrungen zu teil. Landrabbincr Dr. Walter, Rechtsanwalt Dalberg und Gemcindeältester Löb überbrachten dem Jubilar mit den Glückwünschen der Gemeinde wertvolle Ehrengaben. Hauptlehrer Rose in Altenstädt wurde aus Anlaß seiner 31jährigen Mitgliedschaft zum Bezirkslehrervcrein Illertissen unter Überreichung einer künstlerischen Adresse zum Ehrenmitglied dieses Vereins ernannt. Wir gratulieren den geehrten Kollegen auch an dieser Stelle von ganzem Herzen, indem wir ihnen noch eine weitere segensreiche Tätigkeit wünscht n! 2. Vereinsbeiträge: Wir bitten unsere Kollegen dringend, ihre rückständigen Vcrcinsbeiträge umgehend dem Kassier zu übersenden, damit auch der Verein seine Verpflichtungen, erfüllen kann. Chanukka steht vor der Türe, wie jedes Jahr sollen auch jetzt die Witwen und Waisen unserer früheren Vereinsmitglieder wieder bedacht werden.. Auch sie sind bei ihren ohnehin schmalen Bezügen durch die Kürzungen sehr hart betroffen. Unsere Ehrenpflicht ist es, sie in dieser Notzeit besonders zu bedenken. München, den I. November 1931. M. Nosenfeld. M. Adler personalia Am I. Dezember feiert Oberlehrer Blumenthal (Unsleben) sein 25jähriges Ortsjubiläum. Ganz plötzlich und unerwartet starb in Plauen unser Freund Prediger und Lehrer Emanuel H e i m a n n an einem Herzschlag. Der Verstor-, bene ,ein Schüler des Würzburger Seminars, war früher Lehrer in Hof und lange Jahre Mitglied unseres Vereins. Als Vorsitzender des Vereins jüdischer Lehrer in Sachsen erwarb er sich besondere Verdienste um die Stellung der Rcligionslehrer und die staatliche Anerkennung des Religionsunterrichtes. Auch wir werden dem so früh Dahingeschiedenen in ehrender Erinnerung behalten. Bezirkskonferenz Fürth. Nächste Konferenz am Sonntag, den 13. Dezember, in Fürth. Blumenthal. Bzirkskonferenz Ansbach. Die nächste Zusammenkunft findet voraussichtlich Sonntag, 13. Dezember (nach Chanukka), 13 Uhr, wie gewöhnlich in Ansbach, Gcmeindezimmer, statt. Tagesordnung: I. Die jüdischen Synagogengesänge: 1. Theoretischer Teil durch Hauptlehrer Levite (Gunzenhausen). 2. Gesangliche Darbietung durch Kantor Rehfeld (Gunzenhausen). 3. Schallplattenvorführung berühmter Kantoren durch Hauptlehrer Adler (Nürnberg). 4. Aussprache. II. Berufsfragen. III. Lernen, Talmud Chullin. Besondere Einladung ergeht noch durch Drucksache. Auch benachbarte Kollegen anderer Bezirke sind höfl. eingeladen. Levite, Gunzenhausen. Einzahlungen im Oktober 1931 Von: Sonn I., Würzburg 15.—, Sonn D., Würzburg 15.—, Heß, Nürnberg 15.—, Liffgens, Memmingen 5.—, Stein, Berolzheim 15.—, Gutmann, Fürth 15.—, Stein, Regensburg 15.—, Manes, Nürnberg 15.—, Sulzbacher, Nürnberg 10.—, Fulder, Treuchtlingen 7.50, Adler, Berlin 15—, Grünebaum, Obbach 30.—, Schuster, Ellingen 15.—, Einstädter, Nürnberg 30.—, Kiffinger, Fürth 15,—, Rosenwald, Frankfurt 15.—, Langstädter, Frankfurt 15.—, Oppenheimer, Bamberg 15.—, Cschwege, Würzburg 30.—, Dr. Cschwege, Frankfurt 10.—, Kissing er I., Frankenweinheim 7.50, Kissinger M., Frankenweinheim 7.50, Hammelburger, Jchenhausen 15—, Rülf, Nürnberg 15.—, Adler, Schweinfurt 15.—, Strauß, Mittelsinn 30—, Wiedmann, Landau 15.—, Frank, Fischach 25.—, Neumann, Kassel 20.—, Adler, München 15.—, Lamm, Pirmasens 30.—, Neinhold, Forchheim 30.—, Bamberg er, Würzburg 10.—, Kurzweil, Oettingen 15.—, Eisfeld, München 15.—, Kirschner, München 15.—, Müller, München 10.—. Durch: Rosenfeld, München 5.—. Würzburg, 1. November 1931. Postscheckkonto: Nürnberg 6479. M. Hellmann Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München