Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 21 (1.11.1931)
- Article
- Sitzung des Rats vom 25. Oktober 1931
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 331 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 331 Festgehalten werden soll jedoch an dem Verbandsbeschluß, nach welchem bei Eintreten des Versorgungsfalles bei Dolksschullehrern die im Dienste einer Kultusgemeinde verbrachten Dienstjahre als versorgungsfähig anerkannt und durch entsprechende Crgänzungsleistungen des Verbandes berücksichtigt werden sollen. Die Vorsitzenden der im Verband vertretenen Fraktionen, haben mit einmütiger Zustimmung der Versammlung erklärt, daß bei den im Frühjahr 1932 stattfindenden Verbandswahlen ein Wahlkampf ausgeschlossen werden soll und daß die Parteien bemüht sein sollen, auf Grund einer Einheitsliste die Wahl vorzunehmen. Wegen vorgerückter Zeit konnte die auf der Tagesordnung stehende Frage der Vergütung für ehrenamtlich tätige Vorbeter nicht mehr behandelt werden. Die im Jahre 1932 verfügbaren Mittel werden cs aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gestatten, daß den Gemeindemitglicdern, die in anerkennenswertester Weise den Vorbeterdienst in ihrer Gemeinde ehrenamtlich übernommen haben, weiterhin, wie dies in den beiden letzten Jahren geschehen ist, eine Vergütung von dem Verbände gewährt wird. Ein Beschluß, diese Beihilfen aufzuheben, ist noch nicht gefaßt, wird aber voraussichtlich gelegentlich der Ctatbcratung 1932 gefaßt werden. Wenn auch die hier in Frage kommenden Herren heute unter dem Drucke der wirtschaftlichen Verhältnisie eine Beihilfe des Verbandes für diesen früher gern und freudig unentgeltlich geleisteten Dienst sehr wohl gebrauchen können, so muß der Verband in dieser Notzeit doch von der immerhin vermeidbaren Ausgabe absehen und das Vertrauen in die Gemeinden und ihre Mitglieder setzen, daß sie den gegebenen Verhältnisten Rechnung tragen und auf eine Zuwendung verzichten, die für den Verband nicht mehr tragbar ist. Die Versammlung ging mit ernster Sorge um die Zukunft der Gemeinden aber auch in der festen Zuversicht auseinander, daß bei allseitigem guten Willen und vorsichtiger Finanzgebarung das Durchhaltcn auch in dieser schweren Zeit den Gemeinden und dem Verband möglich sein wird. Aus der Gemeinde München Erhebliches geleistet hat, in noch weit stärkerem Maße in Anspruch genommen werden. Zur Aufbringung neuer Mittel schlägt Herr Rabbiner Dr. Baerwald eine Sammlung vor. Die Durchfühung soll einem vom Vorstand der Gemeinde zu bestellenden Komitee übertragen werden. An dem Ergebnis der Sammlung soll der Verband der Wohltätigkeitsvereine mit 25 Prozent beteiligt werden. Alle gegen eine solche Hilfsaktion auftauchenden Bedenken müßten angesichts der dringenden Notwendigkeit zurückgeftellt werden. Das soziale Verständnis der Gemeindemitglieder soll vertieft werden durch verschiedene Vorträge über soziale Fragen. In enger Zusammenarbeit müssen Wohlfahrtsamt und Vereine eine möglichst r a - tionelle Verteilung der Mittel vornehmen. Die vordringlichste Aufgabe muß sein, Maßnahmen gegen Kälte und Hunger zu ergreifen. In der Ritter'schen Speiseanftalt wird, wie in früheren Jahren, eine Wärme ft ube errichtet werden. Bedürftige Familien sollen mit verbilligten Lebensmitteln versorgt werden. Es ist ferner beabsichtigt, die Speisungen, soweit vor allem in Mittelftandskreisen ein Bedürfnis besteht, auszubauen. Herr Rabbiner Dr. Baerwald weift eindringlich auf die Bedeutung dieser sozialpolitischen Maßnahmen hin. Wenn die Arbeitsuchenden bei der Besetzung von Stellen in höherem Maße berücksichtigt würden, so könnte ein großer Teil der Unterstützungen gespart werden. Jüdische Wohlfahrtsarbeit sei auch Arbeit an der jüdischen Gemeinschaft: Sie gebe den Kreisen, die zu proletarisieren drohen, Halt und kettet sie an die Gemeinschaft. In einer kurzen Aussprache wird den Vorschlägen, die den gemeindlichen Kollegien zur Beschlußfassung unterbreitet werden sollen, zugeftimmt. Sitzung des Sozialen Ausschusses Winternot Am Mittwoch, den 22. Oktober 1931, fand eine Sitzung des durch Gemeindevorftand und -Vertretung erweiterten Sozialen Ausschusses statt. Zur Beratung stand: „Jüdische Winternot 1931/32." Herr Oberftlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r führte einleitend aus, daß die Gemeinde infolge der verminderten Steuerkraft ihrer Mitglieder im kommenden Jahr mit einem starken Rückgang ihrer Einnahmen rechnen muß. Eine erhebliche Kürzung aller Ausgaben ist daher erforderlich. Auch der Wohlfahrtshaushalt wird eine große Verminderung erfahren. Es ist ungeheuerlich, daß — gerade in einer Zeit so großer Not in jüdischen Zeiten — die Einrichtung eingeschränkt werden soll, die dazu bestimmt ist, diese Not zu lindern. Es müssen daher Wege gefunden werden, um dem Wohlfahrtsamt neue Mittel zuzuführen. Herr I.-R. Dr. Straus schließt sich den Worten von Oberftlandesgerichtörat Dr. Neumeyer an, und hebt eindringlich hervor, daß Wohlfahrtspflege eine Hauptaufgabe der jüdischen Gemeinde sei. Sollte die Gemeinde der sich stets mehrenden Zahl der Bedürftigen keine Hilfe mehr gewähren können, so bestünde die Gefahr, daß diese von HauS zu Haus gehen und so der alte Hausbettel wieder auflebte. Gemeindliches Wohlfahrtsamt und Vereine müssen daher gemeinsam Wege suchen, der Not zu steuern. Herr Rabbiner Dr. Baerwald gibt eine Entschließung des leitenden Ausschusses des Wohlfahrtsamtes bekannt, daß die Wohlfahrtsarbeit der Gemeinde weilergeführt werden müsse und eine erhebliche Einschränkung nicht erfahren könne. Um dies möglich zu machen, muß die private Wohltätigkeit, die auch bisher Sitzung des Vorstandes und der Gemeindevertretung am Dienstag, dem 27. Oktober. (Vorläufiger Bericht.) Zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung wurde einstimmig Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner gewählt. Es folgte Bekanntgabe des Ergebnisses der Wahlen zu den gemeindlichen Ausschüssen. Ferner wurde die Angleichung der Beamten- und Angeftelltengehälter an die staatlichen Sätze gemäß Angleichsverordnung vom 9. September 1931 beschlossen. Die letzten Punkte der Tagesordnung betrafen die Pensionierung Kantor Eisfelds, die Anstellung eines zweiten Rabbiners und die Winterhilfe und Woblfahrtsaktion 1931/32. Die Vorschläge des Sozialen Ausschusses wurden genehmigt. Näheres an anderer Stelle dieser Nummer. Amtlicher Bericht folgt. Neuhauserstr.2? Münchens,, grofite Pelz-WerkStätte