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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1931-09-15 · 9 (15.9.1931) · p. Seite 23

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1931
Issue
9 (15.9.1931)
Article
Bericht über die 50. Mitgliederversammlung des jüdischen Lehrervereins für Bayern e. V. am 30. und 31. August 1931 in Ansbach
Date
1931-09-15
Page
Seite 23 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 9 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 23 früheren ©türm; und Drangperioden die Gemüter immer wieder hoch; hielt, auch heute nicht zu verlieren. Es heiße heute mehr denn je seine Pflicht tun und mit wahrer Bruderliebe sich gegenseitig zu helfen. Gerade in unserem Berufe müßten heute die religiösen Kräfte jedem einzelnen von uns den nötigen Halt geben. Auf keinen Fall dürfe man sich den Glauben an eine bessere Zukunft rauben lassen. Mit lautem Beifall dankte die Versammlung ihren: trefflichen Führer für seinen ausgezeichneten, formvollendeten, ausführlichen, aber auch zugleich ermutigenden Bericht. Man konnte sich hier wieder deutlich' davon überzeugen, in welch bewährten Händen unsere Vereinsleitung liegt. In der anschließenden Aussprache wurde die von Fräulein Ottensooser (Würzburg) über nicht ganz pflichtbewußte Junglehrer erhobene Klage von Seminardirektor Stoll dahin entkräftet, daß Einzelfälle nichtssagend, andererseits aber auch anerkennende Urteile über Leistung von Junglehrern zu verzeichnen seien. Doch waren sich alle Versammelten darüber einig, daß der direkt aus dem Seminar kommende Junglehrer die Qualitäten des Führers einer Gemeinde noch nicht besitzen könne und daher erst mindestens 1 Jahr bei einem älteren Kollegen praktizieren solle, bevor man ihn in die Praxis entläßt. Eine dahin gefaßte Resolutton fand auch allseitige Zustimmung. Daran anschließend referierten Julius Kissinger (München) und Liffgens (Memmingen) über das Thema: Die erziehliche Bedeutung des Religionsunterrichts. Beide Referenten zeigten durch ihre umfassenden, tiefschürfenden und bezüglich Inhalt und Form vollendeten Ausführungen, von welch hoher Warte und welch innersten religiösen Gefühlen heraus sie das so außerordentlich vielseitige Thema behandelten und durchführten. Der beiden Rednern in reichstem Maße gespendete Beifall bewies deutlich, welch einen werwollen Dienst sie der Versammlung durch die mustergültige Durchführung der gewählten Ausgabe erwiesen haben. (Eine eingehende Würdigung wird an anderer Stelle erfolgen). Die daran anschließende, von überzeugender Religiosität und Wissenschaftlichkeit getragene Aussprache hielt sich demgemäß auch auf hohem geistigem Niveau. Namentlich bildeten die von Hirnheimer (Würzburg) gegebenen Ausführungen eine wertvolle Ergänzung zu dem bereits Dargebotenen, so daß die geleistete Arbeit in ihrem Gesamtumfang einen wahren Genuß für alle Teilnehmer bedeutete. Ein von Oppenheimer (Laudenbach) eingebrachter, doch 'in der Begründung etwas zu weit gehender Antrag (betr. Jeschiwohbesuch der Seminarabsolventen) löste in vielen Reihen Widerspruch und Unruhe aus, die aber insbesondere durch die trefflichen, zielsicheren, überzeugenden und vonseltener Geisteshoheit zeugenden Ausführungen des Kollegen Hirnheimer (Würzburg) rasch in eine Stimmung von Ruhe und Befriedigung übcrgeführt wurden. Als kurz nach halb 4 Uhr der I. Vorsitzende die Versammlung schloß, verließ man mit dem Bewußtsein, einer trefflich geleiteten, auf hohem Niveau stehenden Tagung angewohnt zu haben, hochbefriedigt das Haus. i.-uJ’D un* ntryöi U’by “JJ'D U’t nupyoi oyj wi (Frank/Uffenheim.) Notverordnung Schon wieder sind wir von einer Notverordnung überrascht worden. Diesesmal kommt die Notverordnung von der bayerischen Regierung. Wenn die Reichsrcgierung am 5. Juni 1931 erklärt hat „Die Grenze dessen, was wir an Entbehrungen auferlegen können, ist erreicht", so ist durch diese Notverordnung die Grenze bereits überschritten. Die Beamtenschaft hat erklärt, daß sie zu Opfern, die alle Bevölkerungskreise im Verhältnis ihrer Leistungsfähigkeit tteffen, jederzeit bereit ist. Sie hat aber auch stets betont, daß sie sich als Hüterin der Verfassung gegen alle Maßnahmen wenden muß, die als verfassungswidrig anzusehen sind. Don diesem Standpunkt ausgehend müsse sie auch gegen die neue Nowcrordnung schärfsten Widerspruch erheben, weil sie die beiden Grundsätze der Gleichmäßigkeit der Lastenverteilung und der verfassungsrechtlichen Zulässigkeit verläßt. Es braucht hier nur erwähnt werden, daß der jüdische Beamte durch die fortwährenden Gehaltskürzungen am schwersten bettoffen ist. Das teuerere rituelle Leben und die vielen sozialen Verpflichtungen machen es ihm fast unmöglich mit dem noch verbleibenden Gehalte durchzukommen. Aber ttotzdem immer noch das Gerede von den „hohen Beamtengehältern". Vereinsmilteilungen 1. Am 12. August verstarb Kollege Leopold Regensburger in Kriegs- Haber bei Augsburg. Geboren im Jahre 1867 in Sulzbürg, waltete er in Treue und Gewissenhaftigkeit in den bayerischen Gemeinden Er- . metzhofen bis 1901, Ingolstadt bis 1912 und bis zu seinem Tode in Kriegshäber seines Amtes. Er gehörte zu. jenen stillen Naturen, die fern von dem Gettiebe der Öffentlichkeit ihren geraden Weg gehen. Unserem Vereine war er seit 1893 ein treues Mitglied. An seinem Grabe sprach Rosenfcld im Namen des Vereines Worte der Liebe und des Gedenkens. In Vertretung des abwesenden Rabbiners zeichnete Kollege Heimann (Augsburg) in formvollendeter Rede ein Lebensbild des Heimgegangenen. Im Namen der Kultusgcmeinde Augsburg sprach Kommerzienrat Dann. Wir werben dem treuen Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren. Am 7. August verschied in Würzburg Frau Hanna Sänger, die Witwe unseres vor einigen Jahren dahingcgangencn Salomon Sänger, früher Volksschullehrer in Kleineibstadt. 2. In diesen Tagen jährt es sich zum fünfzigsten Male seitdem unser liebes Vereinsmitglicd Professor Emanuel Kirschner seine überaus segensreiche Tätigkeit in München begann. Es gibt wohl keinen in unseren Reihen, der nicht in Liebe und Verehrung zu diesem jugendfrischen Greise cmporschaut. Wir wünschen dem lieben Freunde,' der sich seit einigen Jahren des wohlverdienten Ruhestandes erfreut, noch recht viele, glückliche Jahre. 3. Den Kollegen, die Leser des „Israelit" sind, wird es nicht entgangen sein, daß in Nr. 36 vom 3. September 1931 Herr Dr. Raphael Brener in Aschaffenburg uns in einem Artikel „Ist die Frankfurter Heschiwah eine Lehrerbildungsanstalt?" mit allerlei Liebenswürdigkeiten bedenkt. Wer die publizistische Tätigkeit dieses Herrn etwas verfolgt hat, wird über die von ihm beliebte Polemik nicht gerade verwundert sein. Wir beabsichtigen nicht auf diesen eines Rabbiners besonders würdigen Ton einzugehen. Zu der Angelegenheit selbst werden wir demnächst sachlich Stellung nehmen. 4. Wie aus dem obenstehcnden Stimmungsbild hervorgeht, war das Ergebnis unserer diesjährigen Mitgliederversammlung ein durchaus befriedigendes. Die Beschlüsse und die einstimmig angenommene Resolution werden wir voraussichtlich in der nächsten Nummer unserer Mitteilungen veröffentlichen. 5. über die in den letzten Julitagen dieses Jahres in München stattgefundenen Versammlung des Bayerischen Lehrervereines haben unsere Kollegen in der Fach- und politischen Presse gelesen. Für uns jüdische Lehrer war es ganz besonders erfteulich, zu ersehen, daß die Führer des Bayerischen Lehrervereins und auch der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer den Rechtsradikalismus und den Antisemitisnms mit aller Entschiedenheit ablehnen. Für unsere Kollegen ist das um so inehr Grund dem Bayerischen Lehrerverein bcizutreten und tatkräftig an seinen Bestrebungen mitzuarbeiten. Allen lieben Kollegen und ihren Familien ein herzliches mm no’nm München, den, 6. September 1931. M. Rosenfeld. M. Adler. Einzahlungen im Juni/Juli 1931 Von: Uhlfelder, Nürnberg 15.—, Strauß, Eichstätt 20.—, Liffgens, Memmingen 15.—, Kissinger, Urspringen 7.50, Lichtenstädter, Hamburg 10.—, Seliger, Lichtenfels 10.—, Gutmann, Schnaittach 10.—, Kissinger I., München 15.—, Kissinger F., München 15.—, Glaser, München 15.—, Dr. Keßler, München 15.—, Dr. Klugmann, München 15.—, Eisfeld, München 15.—, Rosenfeld, München 15.—, Lachmann, München 10.—, Mannheimer, Dettelbach 15.—, Pollack, Marktbreit 7.50, Neumann, Feuchtwangen 10.—, Sonn, Großlangheim 15.—, Strauß, Windsheim 7.50, Kohn, Fürth 15.—, Strauß, Weiden 20.—, Wetzler, Ludwigshafen 30.—, Nußbaum, Dahn 25.—, Rosenberger, Hammelburg 15.—, Weil, Hof 30.—, Bernstein, Zweibrücken 15.—, Heller- Adler, Königshofen 30.—, Sulzbacher, Hanau 20.—, Friedmann, Mainstockheim 30.—, Blumenthal, Hofheim 20.—, Wechsler, Aschbach 15.—, Schwarzenberger, Bödigheim 11.—, Dr. Hammelburger, Würzburg 15.—, Blumcnthal, Hofheim 20.—, Frank, Straubing 30.—, Anfänger, Würzburg 7.50, Köstlich, Uehlfeld 15.—, Berlinger, München 15.—, durch Rosenfcld, München 10.— RM. M. HelIman n. Augusteinzahlungcn in der folgenden Nummer. Neujahrwunsch-Eenthebung 5692 Adler, München; Dr. Bamberger, Nürnberg; Berlinger, München; Blumcnthal, Hosheim; Blumenthal, Neustadt; Bravmann, Gaukönigshofen; Edelstein, Sugenheim; Eisfeld, München; Eldod, Höchberg; Glaser, München; Gundersheimer, Brückenau; Dr. Hammelburger, Würzburg; Hellmann, Würzburg; Hirnheimer, Würzburg; Dr. Keßler, München; Kirschner, München; Kissinger, Würzburg; Kissinger I., München; Kissinger F., München; Dr. Klugmann, München; Kohn, Fürth; Krämer, München; Lachmann, München; Lautmann, Ems; Levi, Burgpreppach; Levite, Gunzenhausen; Mannheimer, Dettelbach; Müller, München; Ottensoser, Würzburg; Rose, Altenstadt; Rösenfeld, München; Rosenwald, Frankfurt; Schapiro, Bamberg; Schwarzenberger, Bödigheim; Sonn D., Würzburg; Strauß, Nördlingen; Strauß, Windsheim; Stoll, Würzburg; Sulzbacher, Hanau; Uhlfelder, Nürnberg; Wechsler, Alzenau. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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