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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-09-15 · 18 (15.9.1931) · p. Seite 279

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
18 (15.9.1931)
Article
Jom-Kippur-Morgen
Date
1931-09-15
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 279 Vers 7: Ist einer hungrig, Teil mit ihm dein Brot! Verirrten Armen Biet dein schützend Dach! Siehst einen Nackten du, Reich ihm ein Kleid! Der deines Fleisches ist, Vor deinem Bruder Schließ dein Auge nicht in seiner Not! Vers 8: Dann bricht wie Morgenröte durchs Gewölk dein Licht; Es heilen deine Wunden; Und unversehns, dem Frühgras gleich, Schnell sproßt dem Glück. Die Liebe, die du übtest, leuchtet dir zum Steg, Und deiner Schritte Spur und Weg Nimmt liebend auf der Glanz des Herrn. Zwiefach ist die Bestimmung des Menschen. Einmal: Mensch unter Menschen zu sein. In je höherem Maße er es ist, desto göttlicher ist er. Denn menschlich sein heißt göttlich sein. Noch eine zweite Aufgabe hat er, wie jede Kreatur. Es genügt nicht, daß sie nur Gattung sei, sie muß auch ihre A r t erfüllen. Es gibt ungezählte Tiere aber nur eine Biene. Eine Fülle von Pflanzen aber nur eine Rose. „So zahlreich DEINE Geschöpfe sind, mit Bebacht hast DU sie alle hingeftellt." Keines kann ein anderes ersetzen und vertreten; und stürbe eines aus, so bliebe sein Platz leer in der Schöpfung. So hat auch der Mensch als Individuum neben seiner Gattung auch seine A r t zu verwirklichen^ Kein Mensch, kein Volk kann auf die Dauer gegen seine Artbeftimmung leben. Die Erde ertrüge es nicht, „Das Land würfe sie aus". Artbeftimmung des jüdischen Volkes ist sein „G e s e tz". Es hilft also nichts, dieses etwa aufgeben und verlassen zu wollen. Wäre es im Grunde möglich, es zu tun, so hieße dies nichts andres als seine Bestimmung aufzugeben, und Am Samstag, dem 5. September, wurde die neue Synagoge der oftjüdischen Betsaalvereine Linath-Hazedek und Agudath- Achim in München an der Reichenbachstraße in einem feierlichen Akt, an dem die gesamte jüdische Gemeinde München ohne Unterschied der Richtungen teilnahm, ihrer Bestimmung übergeben. Über das Wesen und Werden der oftjüdischen Gemeinschaft in München, namentlich über die verschiedenen religiösen, kulturellen und karitativen Vereine der Münchener Oftjuden gibt in der letzten Nummer des „Jüdischen Echo" Dr. Emanuel Horn einen Überblick. Hier werden auch die Gründe erörtert, die zur Erhaltung der Münchener Oftjuden als einer besonderen, für das Judentum wertvollen, kulturell eindeutig bestimmten Gesellschaftsschicht führten. Eine echte Soziologie der Münchener Oftjuden wäre noch zu schreiben. Die Einweihungsfeier erhielt ihr denkwürdiges Gepräge durch die einmütige Teilnahme aus allen Kreisen der Münchener Juden und nahm in allen Teilen einen würdigen, wohlgelungenen Verlauf. Nach der Übergabe der Synagoge durch den Vorsitzenden des Bauausschuffes, Herrn Samuel Knoblauch, nahm Herr Kornhauser als Vorsitzender der vereinigten Betvereine das es gäbe längst kein jüdisches Volk mehr. Dieses aber ist unvergänglich wie seine Bestimmung, sein „Gesetz": das nachalas-jakow: das ist sein besonderes Erbe, seine besondere Lehre, sein besonderes Schicksal, fein besonderes Glück. Gewissermaßen als Symbol für die A r t - B e ft i m - m u n g, für das „G e f e tz" gerade des jüdischen Volkes, wählt der Prophet den jüdischen S ch a b b o s. Jüdischer Schabbos ist nicht nur „sozialer Ruhetag" so wenig wie das jüdische Speisegesetz nur „hygienische Sicherung" und das jüdische Reinheitsgesetz nur „gesundheitliche Prophylaxis". Das könnten alle andern Völker auch. Aber nur das jüdische Volk hat den nachalas-jakow, sein „Gesetz", seine Sendung, seinen Stern, der über ihm waltet: Kapitel 58: Vers 13: „So deinen Fuß du wendest Am Schabbos, Werkenden Wegs nicht zu wandeln, Zu tun an meinem heiligen Tage Dein Geschäft,; Und meinen Ruhetag du nennst Dein Wonnen, Dem Herrn dem heiligen ein Ehr, Ihn hochzuhalten, An ihm zu üben nicht Alltags gemeinen Werkes, Alltags gemeinen Worts —: Vers 14: Dann findest du bei mir dem Herren Luft und Sonne. Ich führ dich zu der Erde Höhn. Ich schenk dir deines Vaters Iakow Erb und Stern Und Glanz und Wonne. — So spricht MEIN Mund, Der Mund des Herrn. — — Synagoge in München Wort und dankte der Münchener Kultusgemeinde, den Stiftern und dem Künstler, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben, in bewegten Worten. Unter dem Chor-Gesang ma-towu und waj’hi bin’soa wurden sodann in feierlichem Zug die Thora-Rollen hereingetragen. Die folgenden Weihereden der Herren Rabbiner hinterließen bei der Versammlung einen nachhaltigen und liefen Eindruck. Zuerst bestieg Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu die Kanzel und sprach den Segen über das gelungene Werk. Den Mittelpunkt seiner Ansprache bildete die Deutung von drei Ereignissen aus der biblischen Geschichte: Der Altarbau der zweieinhalb Stämme am Jordan, die Entrüstung der westjordanischen Stämme über den vermeintlichen Frevel der abgesonderten Kultftätte gegenüber Pinchaö ben-Eleasar-hakohen XIosua 22, 12 ff.), ferner das Wort des Königs David an den Propheten Nathan (2 Samuel 7, 2): „Ich wohne in einem Zedernpalast und die Lade Gottes weilt hinter einem Tuchzelt"; endlich der Wiederaufbau der Gotteshäuser in der Verbannung aus der Asche und den Trümmern des zerstörten Tempels. — Herr Rabbiner Wieöner knüpfte seine Glück- und Segenswünsche an eine Ereinweihungsfeier der neuen

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