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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-09-15 · 18 (15.9.1931) · p. Seite 278

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
18 (15.9.1931)
Article
Jom-Kippur-Morgen
Date
1931-09-15
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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278 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 Das Erste was der Prophet der versammelten Gemeinde des Jom-Kippur zurufen muß und im Namen des Gottes des WeltallS verheißt, ist Rückkehr, Teschuwoh, Heilung: I e s ch. Kapitel 57 : Vers 14: Und es spricht der Herr: Räumet — räumet — Macht ihn frei, den Weg! Hinweg mit dem Gestein, Daran der Fuß zu straucheln kommt, das Herz zu Sturz und Fall; Meines Volkes Herz Auf seinem Wege, den es gehen soll! Vers 15: Denn — so spricht der Herr, Der in den Höhen thront, Der über Ewigkeiten wohnt, Und dessen Namen heilig unaussprechlich, Er spricht: „In Höhen throne ich Und, die zerbrochnen, niedrigen Gemütes sind, Bei ihnen wohne ich, Gebrochnen Geist aufs Neue zu beleben Und krankem, siechem Herzen Leben neu zu geben. Vers 16: Fürwahr! Will ich denn ewig mit dem Menschen hadern Und ohne Unterlaß ob seiner Sünden zürnen? Wenn sich der Geist vor mir verhüllend neigt, Die Seele sich in ihrem Nichts bezeigt! Ich Hab sie ja geschaffen, Bin ihr Vater. Vers 17: Ich zürnte meinem Volk ob seiner Schuld, Als es mit Eigensucht sein .Herz verstockt. Da schlug ich es, indem ich mich vor ihm verschloß Und über seine Schritte meinen Grimm ergoß. Da es am Dünkel feines Herzens hing Und abgewandten Sinnes seines Weges ging. Vers 18: Und als ich sah, wohin's es seiner Straße trieb — Da faßt mich das Erbarmen, daß es krank — Und daß ich ihm Heilung sende. Ich nahm es liebend bei der Hand Und sprach ihm tröstlich zu, Wie ich es traurig sah. Vers 19: Und eine neue Frucht ließ ich auf allen Lippen keimen, Ein neues unerhörtes Wort: Friede! — Friede! — Friede nah Und Friede fern! So ist der Spruch des Herrn. „Und also send ich Heilung." Indes im allerinnersten Wesen und Kern seines Seins kehre der sieche Mensch heim zu seiner Bestimmung, wenn er genesen will. Es nützt nichts, sich von außen zu kasteien, sich mit dem Körper zur Erde zu werfen und im Innern von Untat und Bedrückung, Eigennutz und Selbstsucht nicht. zu lassen.. Den Geist des Aüseins kann man nicht belügen. „Zahllos sind die Boten des Herrn." Schon in uralten Zeiten füllten Massen am Tage der Versöhnung den Tempel und fasteten und beteten um Gelingen ihres Werkes, während unter dem gleichen Dache die Gepeinigten und Gedrückten um Befreiung von ihren Peinigern schluchzten: Kapitel 58: Vers 1: Verkünde, rufe laut mit nimmermüder Kehle und ohn' Ermatten! Wie mit Posaunenschall mach sie erwachen, Verkünde meinem Volke sein Vergehen, Dem Hause Iakows seine Schuld! Vers 2: Wie sie täglich nach mir forschen Und meiner Wege Sinn verlangen zu ergründen, Als seien sie ein Volk Der Taten und der Liebe, nicht der Sünden, Das nie von Weg und Willen seines Gottes ließ. So fragen sie mich stürmend nach dem Weg der Liebe Und gerechten Tuns, Ein Volk, des Dranges voll, Daß Gott ihm nahe bliebe. Vers 3: „Wir fasten — doch wozu, wenn du's nicht siehst! Kasteien unsre Seele — wenn du den Blick verschließt?" - Jawohl — so spricht der Herr — ihr übt euch im Kastein — Und am Tage eueres Fastens Seid ihr voll Begehren — sinnt euer Geschäft, Erdenket euren Schuldnern neue Pein! Vers 4: Jawohl, Zwietracht und Hader Dichtet euer Fasten, Und neue Wunden, neue Schmerzen Eure Faust. Ihr fastet - Doch ihr fastet nicht mit eurem Herzen, Daß zu des Himmels Höhen Reiche euer Flehn. Vers 5: Nein, Solches Fasten ist nicht, das ich wähle, Ein Tag, an dem ich Wohlgefallen Hab. Wenn der Mensch — von außen — härmet seine Seele, Das Haupt wie Schilf gekrümmt, Und Sack und Asche Zu seinem Lager nimmt. Solcher Weise seinen Leib zu geißeln, Solcher Tag, Ist nicht der Tag, wie ich ihn mag. VerS 6: Fürwahr - So spricht der Herr — S o ist ein Tag sich zu kasteien, Wie ich ihn mir erwähle: Der Bosheit Schlinge reißt entzwei, Vom Hals der Unterdrückten Macht los das Joch, Laßt Vergewaltigte aus euren Händen frei, Nehmt von der Schulter Dem Armen eure Fessel doch!

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