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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-08-01 · 15 (1.8.1931) · p. Seite 236

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
15 (1.8.1931)
Article
Bericht über die Verhandlungen des bayerisch-pfälzischen Fleischertages in Neustadt an der Haardt vom 7. Juni 1931 zum Punkte Schächtfrage
Date
1931-08-01
Page
Seite 236 (sequence 2)
Language
German
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236 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 Verbote leidet. Das Schächten konzentriert sich selbstverständlich auf die Gegenden, in denen Juden wohnen. Hier war ein starker Prozentsatz des Gesamtbrdarfes geschächtetes Vieh. Die Betriebe, welche an den Ausfällen jetzt leiden, erleide»: nicht den Ausfall nach dem geringen Prozentsatz, sondern einen Ausfall mit einem außerordentlich hohen Prozentsatz. Aus den Briefen der christlichen Metzgermeister, die ich verlesen habe, ersieht man deutlich, wie enorm der Ausfall für den einzelnen betroffenen Betrieb ist. Das gleiche gilt natürlich von den Landwirten, bei denen der jüdische Metzger bisher sein Vieh gekauft hat. Der Bauer in Unterfranken, der seine ständige jüdische Einkaufskundschaft verloren hat, kann sich nicht damit trösten, daß der Bauer am Chiemsee davon wenig merkt, weil eben dort fast keine Juden wohnen. Aber er selbst spürt den Ausfall ganz außerordentlich. Der Ausfall, welcher dem Nürnberger Markt für die Zeit vom I. Oktober 1930 bis I. März 1931 durch den Nichtankauf von Vieh entstanden ist. betrug 386 400 NM., der Ausfall an Kälbern etwa 80 000 NM.; das ist ein monatlicher Ausfall von rund 90 000 RM-, auf das Jahr gerechnet von weit über 1 Million. Übereinstimmend damit sind die schweren Klagen aus den Kreisen der Bauernschaft. Bei der Sitzung der unterfränkischen Kreisbauernkammer vom 7. März 1931 hat ein Landwirt ausgeführt, der Bezirk Hofheim habe seit dem Bestehen des Schächtverbotes einen Ausfall von 500—600 Stück Vieh. Und ein prominentes Mitglied der Landtagsfraktion des Bauernbundes, die doch seinerzeit für das Schächwerbot gestimmt hat, hat in der gleichen Sitzung erklärt, er sehe die Schädigung der Landwirtschaft durch das Schächtverbot als so beachtlich an, daß er Erhebungen der Bauernkammer über die Folgen des Schächwerbotcs für Untcrfranken als wünschenswert erachte. Ein Mitglied des christlichen Bauernvereins forderte im Jntereste der fränkischen Viehbauern die Aufhebung des „blödsinnigen Schächtverbotes". Wie groß der Umsatzrückgang für Bayern sich auswirkt, läßt sich auch daraus bestimmen, daß in München im letzten Jahre vor dem Schlachtgcsetz rund 2500 Tiere im Werte von 2,2 Millionen und in Nürnberg 2000 Stück Großvieh im Werte von etwa 1,8 Millionen RM. zum Schächten angekauft wurden. Dieser Bedarf wird nicht einmal mehr zu einem Drittel aus Bayern gedeckt. Einen weiteren eminenten Schaden aus dem Schlachtgesetz haben aber auch Staat und Gemeinden zu verzeichnen. Da die geschädigten Betriebe des Gewerbes, des Viehhandels, der Landwirtschaft usw. naturgemäß viel weniger steuerkräftig sind, treten nicht unerhebliche Ausfälle an Einkommen-, Gewerbe- und Vermögenssteuer ein. Großen Einnahmeausfall haben vor allem auch die Schlacht- und Viehhöfe. Die Gebühren bettagen z. B. in München für ein Stück Großvieh Markt- und Einbringegebühr.. RM. 1.50 Schlacht- und Fleischbeschaugebühr.. RM. 10.50 Waaggebühr.. RM. —.20 RM. 12.20 Dazu staatliche Versicherungsgebühr . ..NM. 7.— RM. 19.20 Diese Einnahmen fallen weg bei den Tieren, die nicht in Bayern gekauft bzw. geschlachtet werden. Für de» Münchener Schlachthof errechnet sich allein durch den von nrir erwähnten Schlachtausfall von 150 Stück Wurstkühen pro Woche eine Mindereinnahme für das Jahr von rund 100 000 RM. Was diese Summe angesichts der fortgesetzten Klagen über die hohen Schlachthofgebühren bedeutet, brauche ich Ihnen als Fachleute nicht auseinanderzusetzen. Nur ein kleiner Teil der Ausfälle wird gedeckt durch Nachbeschaugebührcn für eingeführtes Fleisch und durch Risikowegfall bei der Versicherung. Der Gesamtschaden an Einnahmen der Schlacht- und Viehhöfe ist und bleibt sehr groß; das ergibt sich ohne weiteres daraus, daß 30 000 Schlachtungen, darunter rund die Hälfte Großvieh im Jahre Wegfällen und damit auch die Gebühren. Der Schaden geht in die Hunderttausende. Den Nutzen haben die ■ Schlachthöfe außerhalb Bayerns. So wird aus Ulm berichtet, daß der Etat des Städtischen Schlacht- und Viehhofes durch die vermehrten Eingänge an Schlachthofgebühren eine für das Ulmer Fleischergewerbe recht erhebliche Entlastung erfahre. Mit Recht schreibt ein bayerisches Provinzblatt dazu: „Der Ausnahmezustand des Schächwerbotcs bringt dem bayerischen Staate jährlich einen Verlust von Hunderttausenden an Gebühren; Württemberg aber macht ein Geschäft damit. Wie lange wird der bayerische Hias noch zusehen können, daß der schwäbische Wastl den Rahm abschöpft." (Fortsetzung folgt.) Siegfried Ziegler zmm Zu den Verlusten, die seit der Unglücksnacht zum 6. Juni die deutsche Kunst zu beklagen hat, zählen auch drei der besten Bilder des Münchener Malers Siegfried Ziegler: Ein Gartenstück, eine Landschaft „Herbftsonne" und das Porträt Miß M., das hier abgebildet ist. Auf der neuen Ausstellung im Deutschen Museum ist von Siegfried Ziegler ein Bild „Lenbachplatz" zu sehen. Wir haben es hier nicht wiedergegeben, denn erst in der Farbe kann es ganz für sich sprechen. Ich erinnere mich einer Begegnung mit dem Künstler in den Tagen, da er dieses Bild malte. Wo er Stunden über Stunden, in eine enge Dachkammer gebückt, am Werke war, Essen und Trinken vergessend, nur wie besessen darauf, jene glücklichen Stunden bis auf den Rest auszubeuten, da vor ihm im werdenden Frühling der Platz sein eigenes, besonderes Leben hatte. Wie sehr es Ziegler gelungen ist, dieses Leben einzufangen, mag jeder erkennen, der das Bild betrachtet. Die Schwere der Aufgabe ist größer, als ein Laie ahnen kann; zumal wir gerade auf diesem Gebiet durch eine gefällige und doch billige Effekthascherei oft und oft verwirrt worden sind. Dr. Eugen Roth.

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