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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-07-15 · 14 (15.7.1931) · p. Seite 223

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
14 (15.7.1931)
Article
Sitzung von Vorstand und Gemeindevertretung vom 25. Juni 1931. - Neuerliche Erhöhung der örtlichen Kultusumlagen von 8 auf 9 % notwendig geworden. - Anwendung der zweiten Notverordnung auf die Gehält
Date
1931-07-15
Page
Seite 223 (sequence 2)
Language
German
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Nr..14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 223 Juli 1931 die Dienst: und Versorgungsbezüge der Reichs-, Staats- und Gemeindebeamten, sowie die Versorgungsbezüge ihrer Hinterbliebenen neuerlich zu kürzen, um hier dem Reich, den Ländern und Gemeinden eine Cinsparungsmöglichkeit zu schaffen. Die 2. Verordnung des Bayerischen Gcsamtministeriums über die Gehaltskürzung und die Ausgleichsabgabe vom 17. Juni 1931 und die hiezu erlassenen Ausführungsvorschriften geben die gleiche Kürzungsmöglichkeit für Bayern. Nach derr Verordnungen erfahren auch die Bezüge der Angestellten die nämliche Kürzung. Diese tritt zu der durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dez. 1930 und der bayerischen Staatsregierung vom 31. Dez. 1930 vorgenominenen Kürzung von 6 Prozent hinzu. Sie beträgt für München bei Bezügen bis RM. 3000.— 4 Prozent, von RM. 3—6000.— 5 Prozent, von RM. 6—12 000.— 6 Prozent und darüber hinaus 7 Prozent. Die Kürzungen erfolgen gestaffelt nach vorstehenden Prozentsätzen für die einzelnen Gchaltsteile. Aufwandsentschädigungen unterliegen der Kürzung nicht, ebensowenig Kinderzuschläge. Jidoch ist der Kindcrzuschlag für das erste Kind von RM. 20.— auf RM. 10.— monatlich herabgesetzt. Eine Freigrenze von RM. 1500.— wie die 1. Notverordnung sicht die 2. nicht vor. Für die unwiderruflich angestcllten Beamten tritt an Stelle der Kürzung eine Ausgleichsabgabe im gleichen Betrag. Die Kürzungen kommen der Anstcllungskörperschaft zugute. Die in ihren Bezügen gekürzten Beamten und Angestellten sind von der Krisenlohnstcuer an das Reich befreit. Den öffentlich-rechtlichen Rcligionsgescllschaften und Religionsgemeinden bleibt es überlassen, eine den Vorschriften der beiden Notverordnungen entsprechende Kürzung vorzunehmen, zumal der Staat auch seine Zuwendungen für die Religionsgcscllschaften im gleichen Verhältnis gekürzt. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat die ihm angeschlosscncn Gemeinden veranlaßt, die gleichen Kürzungen bei ihren Beamten und Angestellten eintretcn zu lassen (vgl. Bekanntmachung in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezcitung Nr. 13, Seite 209). Der Vorstand hat in Aussicht genommen, die entsprechenden Kürzungen auch für die Beamten und Angestellten der Gemeinde eintretcn zu lassen, jedoch mit der Maßgabe, daß die Ermäßigung der ersten Kinderzulage als besonders schwer tragbar nicht Platz greifen soll und daß die Freigrenze von RM. 1500.— auch bei der Neuerlichen Kürzung einzuhalten ist. Abgesehen von diesen allgemeinen Abänderungen sollen Ausnahmen im einzelnen Fall nicht gemacht werden, da sie nur zu Unstimmigkeiten und Weiterungen führen würden. Berichterstatter bittet, dem Antrag des Vorstandes beizutreten und die Ausführung im einzelnen dem Vorstand zu überlasten. Die Ersparungen für das 2. Halbjahr 1931 würden sich auf annähernd RM. 7000.— belaufen. Cs wird nach dem Antrag des Berichterstatters von beiden Kollegien beschlostcn. Schluß der Sitzung 9.30 Uhr. Ausspracheabend mit Gegnern über das Thema „Antisemitismus" im Klub demokratisch gesinnter Studenten Im Einvernehmen mit dem Syndikus des Central-Vereins der Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete der „Club demokratisch gesinnter Studenten" am Mittwoch, dem 24. Juni, einen „Ausspracheabend mit Gegnern" über das Thema „Antisemitmus". Die durch Anschlag am schwarzen Brett der Universität cingeladene Studentenschaft aller Richtungen war zahlreich vertreten. Störungen fanden nicht statt. Unter der Leitung des Vorsitzenden des Clubs ging die Veranstaltung in der Weise vor sich, daß nach einem vorausgehend erstatteten Überblick über dieGeschicht e des Antisemitismus die Vertreter verschiedener politischer Richtungen in kurzen Referaten zu Wort kamen. Es sprachen: ein Vertreter des Centralvereins, cm Zionist, ein Demokrat, ein den Nationalsozialisten nahestehender Vertreter des Iüngerkreifes, ein Herr aus dem Tannenbergbund, ein Sozialist, ein Jungdeutscher und ein katholischer Student. Der Redner des Centralvereins, Herr Dr. Cahnmann, betonte nach einer kurzen, sachlichen Darlegung der gegenwärtigen Lage und ihrer tieferen Ursachen, daß eine Lösung der Judenfrage in Deutschland nur im Sinne der volksgemeinschaftlichen Zusammenarbeit möglich sei. Die rhetorisch geschickt aufgebauten Darlegungen fanden großen Beifall und verfehlten — wie sich nachher in der Diskussion zeigte — auch auf die zu etwa zwei Drittel aus Nichtjuden bestehende Versammlung ihren Eindruck nicht. Gleichfalls beifällig ausgenommen wurden die Worte des zionistischen Redners, Herrn Eisen, der in einer dem Geiste der Versammlung angepaßten Formulierung die zionistische Stellungnahme zur deutschen Judenfrage und zum Antisemitismus präzisierte. Aus den Referaten der antisemitischen Redner hörte man den üblichen Vorwurf, daß der jüdischen Rasse der Wille und die Fähigkeit mangle, sich dem deutschen Külturwillen einzuordnen; es sei daher eine möglichste Absperrung der Juden vom Volksganzen am Platze, vielleicht durch Bildung eines eigenen jüdischen Minderheitenrechtes, womit man offenbar auch den Bestrebungen der Zionisten gerecht werde. In den Ausführungen des demokratischen und des katholischen Redners wurde auf die Oberflächlichkeit dieser Anschauungen hingewiesen, wenn auch deren Berechtigung in gewissem Umfange und für gewisse Kreise des'Judentums nicht von der Hand zu weisen sei. Zusammenfasscnd läßt sich sagen, daß die Veranstaltung des Ausspracheabends als solche eine verdienstvolle und dankenswerte Leistung des Clubs demokratisch gesinnter Studenten war, da sie nach langer Zeit zum ersten Male die Möglichkeit des Meinungsaustausches auf einem Gebiete geboten hat, auf dem die bisherige Unmöglichkeit offener Aussprache beiden Teilen nicht geringen Schaden zufügte. Dazu kommt, daß auch der Verlauf des Abends zum Vorteil jedes Teilnehmers ein überaus klares Bild von der Vielseitigkeit der Meinungen vermittelt hat, aus dem sich nicht nur der Ernst, sondern auch. die Lösbarkeit der derzeitigen Wirrnisse mit zwingender Deutlichkeit ergab. Dr. Otto L. Walter Wissenschaftliche Auszeichnung Auf die von der medizinischen Fakultät gestellte Prcisaufgabe: „Die Bedeutung der Ziliarfortsätze für den intraokulärcn Flüssigkeitswechsel soll unter besonderer Berücksichtigung der anatomischen Struktur einer vergleichenden Untersuchung durch die Wirbeltierreihe hindurch unterzogen werden", ist eine Bearbeitung eingelaufen; dem Verfasser, dem Studierenden der Medizin Heinrich Lamm aus München, Sohn des Kaufmanns Ignaz Lamm in München, wurde eine Belobigung erteilt. Stud. rned. Lamm ist der Dirigent des jüdischen Karnmer-Orchesters Architekt Fritz Landauer, München, in der Berliner Bauausstellung Innerhalb der großen Bauausstellung Berlin hat der Bund Deutscher Architekten eine Ausstellung von Bildern neuzeitlicher Bauten veranstaltet. Für die Jury zeichnen verantwortlich die bekannten Architekten Pros. Pölzig und Prof. Kreis. Der Katalog bringt als Beleg für mustergiltige deutsche Bauten 12 Bilder, darunter den von Architekt Landauer herrührenden, hier ausführlich beschriebenen Kultraum der neuen Synagoge zu Plauen (erbaut 1929/30). Großhändler Sigrnund Kahn und seine Gattin, geb Müller, feierten am 22. Juni die goldene Hochzeit. Sigmund Kahn leitet heute noch die von ihm vor 53 Jahren gegründete, unter seinem Namen geführte Kolonialwarengroßhandlung vormals Kahn und Müller. Vereine Gründung eines Vereins „Freunde der israelitischen Volksschule München" Das segensreiche, von allen Erziehungsberechtigten der sic besuchenden Kinder wie auch von den Schulaufsichtsbehörden anerkannte Wirken der Münchener jüdischen Volksfchule an der Herzog-Rudolf-Straße ist allgemein bekannt. Da der Verein „Ohel Jakob" nicht mehr länger in der Lage ist, die Lasten, die ihm neben der Subventionierung durch die Gemeinde aus der Schule erwachsen, aus seinen Mitteln zu ttagen, ohne selbst unter dieser dauernden Überbelastung finanziell zusammenzubrechen, da aber ferner „Ohel Jakob" aus prinzipiellen Erwägungen rechtlicher, ethischer und weltanschaulicher Natur die ihm vorgcschlagene Erhebung eines Schulgeldes von den Erziehungsberechtigten ablehnen mußte, wurde nunmehr auf Grund privater Initiative am 1. Juni 1931 der Verein „Freunde der israelitischen Volksschule München" ins Leben gerufen mit dem Zweck der materiellen und ideellen Förderung dieser Schule. Der jährliche Mindestbeittag zu diesem echt jüdischen Werke beträgt nur RM. 5.—, um jedermann die Dokumentierung seiner Sympathien für die jüdische Volksschule München auf diese Weise zu ermöglichen; doch ist es natürlich notwendig und wird auch erwartet, daß nach Möglichkeit höhere Jahresbeiträge — die dann auch in halb-, vierteljährlichen oder monatlichen Teilbeträgen einbezahlt werden können — gezeichnet werden, insbesondere auch von denjenigen Erziehungsberechtigten und Angehörigen früherer, derzeitiger und künftiger Schüler dieser Schule, die dazu in der Lage sind. Schriftliche Beitrittserklärungen mit Angabe des Jahresbeitrages werden erbeten an den Kaffenführer des neuen Vereins, Rechtsanwalt Dr. Fritz Silber, München, Frauenplatz 10/IIL In der stark besuchten Gründungsversammlung selbst erklärten unter Genehmigung der vorgeschlagenen Vereinssatzungen erfreulicherweise bereits 49 Personen unter Zeichnung von insgesamt RM. 997.— Jahres-

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