Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 13 (1.7.1931)
- Article
- Das Buch Zunz
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
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202 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 da nicht alles und nach welch überraschenden Gesichtspunkten zusammengestellt? Wieviel Möglichkeiten hat er nur, die Menschen, die ihm begegnet, die Rezensionen, die über ihn geschrieben, die Plagiate und Halbplagiate, die an ihm verübt worden sind, zu gruppieren? Wieviel Geduld wird da gebraucht, um die Teilungen und Unterteilungen immer feiner zu machen? Solch ein Zunzscher cataloxue raisonne ist erschöpfend wie ein botanisches System. Wer Zunz' Werk kennt, wird von all dem wesentliche Züge wiederfinden und er wird vielleicht damit auch die leichtere Handhabe zu mancher Kritik besitzen. Aber er wird spüren, daß noch eines Hehlt, das einem in Zunz' Schriften überall entgegcntritt: das sittliche Pathos. Das „Buch Zunz" zeigt, woher die Überzeugungen und Gesinnungen, die dieses Pathos, das große Widerspiel romantischer Gefühle, tragen, stammt. Es zeigt uns wichtiger noch, wo sie angesetzt werden. Die ganze große freiheitliche Tradition, die die Romantik abgeschnitten und verleugnet hat, speist Zunz' Gesinnung und kämpferischen Clan. Die Mächte, gegen die die Aufklärung angegangen war: Dunkelmännerei, Pfaffentum, Intoleranz, Absolutismus sind ihm lebendige Feinde. Der im Kreise der Romantik und in der Gesellschaft von Männern, die der Reaktion die besten Waffen geliefert haben, ausgewachsenen Leopold Zunz hat sich der Romantik nicht ausgeliefert, so viel Romantisches in ihm auch umgeht. Wo die anderen abfielen, ist er der jüdische Reformer und der deutsche 48er geworden. Wo so Verschiedenes aufeinanderstieß und miteinander zusammenging, darf ausgeglichenes Wesen und abgeklärte Ruhe nicht erwartet werden. Was'in Zunz selbst im Streit lag, hat er in der geistigen und in der greifbaren Welt miteinander kämpfen sehen. Vielliecht spricht das mit, wenn Zunz sein Leben so eng mit den Ergebnissen der Weltgeschichte verband. Cr war ein leidenschaftlicher Betrachter, der überall Stellung nahm. Ein Mann, der Freunde leichter zu gewinnen als zu halten wußte. Einer, der keine Konzessionen zu machen verstand, der mit unbedingten Maßstäben an die Dinge heranging. Und zwischendurch ein verspielter Mensch. Cr hat nach großen Entbehrungen und bitteren Enttäuschungen persönliche Erfolge gehabt und hätte wohl auch ein Fortschreiten der von ihm verfochtenen Ideen beobachten können. Und doch blieb das Resümee bitter; „künftigen ehrlichen Leuten" hat Zunz sein Buch gewidmet. ver XVII. Zionistenkongretz in Bafel Die Tagesordnung sieht in der Zeit vom 30. Juni bis 10. Juli fünfzehn Sitzungen vor. Nachum Sokolow wird den Kongreß Dienstag abend, den 30. Juni, eröffnen; Ansprachen Bialiks („Palästina und seine Bedeumng für die Diaspora") und Motzkins („Zionismus und die jüdische Gegenwart") beschließen den Eröffnungsakt. Nach der Wahl des Kongreß-Präsidiums und dem Bericht über die Wahlprüfungen wird am zweiten Sitzungstag Weizmann seinen Bericht über die politische Lage erstatten. Daran schließen sich ergänzende Referate von Prof. Borodetzky über die politische Arbeit und von Ruppin über Probleme der Paläsiinaarbeit. Außer der Generaldebatte und den Berichten der verschiedenen Kommissionen werden noch Haupworttäge gehalten von Felix Rosenblueth über „Die Lage der Zionistischen Organisation und ihre Probleme", von Ussischkin über „Die Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael", von Hantke über „Leistungen und Aufgaben des Keren Hajessod" und von Arlosoroff über „Probleme der Finanzierung des Paläsiinaaufbaus". In der 15. (Schluß) Sitzung am 10. Juli werden die Wahlen der Exekutive, des Aktionskomitees, der zionistischen Derttetcr in die Organe der Agency usw. vorgenommen. Den Verhandlungen des XVII. Zionistenkongresses folgt die europäische und außereuropäische Öffentlichkeit mit gespannter Aufmerksamkeit. Die Juden aller Richtungen sind sich bewußt, daß ihr Geschick zwar nicht von den Baseler Verhandlungen abhängt und daß darüber auch nicht in Basel, London und Jerusalem entschieden wird, daß aber heute der Verlauf des jüdischen Gesamsschicksals im welthistorischen Zusammenhang (also unter weiten, der langen jüdischen Geschichte entsprechenden Perspektiven, nichü vom heutigen Tag aus gesehen) von den einmütigen und weisen Beschlüssen des Baseler Kongresses mitbestimmt wird. In Palästina selbst verliert die heute noch offizielle allgemeine zionistische Partei nach den neuesten Wahlen zusehends an Einfluß. Von den abgegebenen Stimmen (85 Prozent der 36 000 Wahlberechtigten) entfallen 61 Prozent auf die vereinigten Arbeiterparteien, die dadurch den 'Anspruch auf Entsendung von 24 Delegierten zum Kongreß haben. Die Revisionisten erhielten in Palästina 17 Prozent der Stimmen (7 Dele- Bayerische Handelsbank - Bodenkrediianstalt gesruniiet 1869 München gegründet 1869 Gold-Hypothekenbestand Ende 1930: rund GM. 2I2'600,000.— Gold-Pfandbriefumlauf Ende 1930: rund GM. 269'200,000 — 2 % ige unkündbare Gold-Hypothekenpfandbnefe, mündelsicher * stiftungsmäßig * lombardfähig, in Stücken zu 109, 200, 500,1000, 2000 und 5000 Goldmark, feit 2. Januar 4931 kapitalertragsteuerfrei. An - und Verkauf der Gold-Hypothekenpfandbriefe an unseren Schaltern Nr. 56—58 von morgens 8y2 llhr bis abends 4 Llhr durchgehend, sowie bei allen Sankstellen. Qj&deßfet/ die oomefvtie hJahnfagezwiscfien Scfxjabing und <Sng(iscf)em<Sapfen> fluffeifung und öepfzaufcfurcf Weifmonn &>£itfmannD Bauu.Jmm obitienflS. in Wunchen-'oerfinj ITIünchenJdeinstraße 8 Sesi'cfitiqung u. Auskunft durch dasBauburo UMM mm D AS PREISWÜRDIGE MÜNCHNER TUCHHAUS ■SONNE NSTRASSE PHÖBUSPALAST