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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-07-01 · 13 (1.7.1931) · p. Seite 195

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
13 (1.7.1931)
Article
Werke jüdischer Volkskunst in Bayern
Date
1931-07-01
Page
Seite 195 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 195 Werke jüdischer Volkskunst in kapern Von Theodor Harburger In der stattlichen Reihe der deutschen Zeitschriften, die sich der Erforschung volkskundlicher Fragen widmen, steht die Zeitschrift „Bayerischer Heimatschutz" als Organ des „Bayerischen Landesvereins für Heimatschutz" und des „Vereins für Volkskunst und Volkskunde" in München mit an allererster Stelle. Die gegenwärtige Gestaltung der Zeitschrift, die 1930 ihren 26. Jahrgang in einem größeren Sammelbande erscheinen lassen konnte, dankt sie vorzüglich ihrem verdienten Herausgeber Dr. Jos. Maria Ritz, der als der kongeniale Nachfolger Adolf S P a m e r s bezeichnet werden kann. In der letzten Nummer von ,„Volk und Heimat", der vorzüglichen bayerischen Volksbildungszeitung (im Verlag G. Hirth in München) bespricht der Direktor der Münchener Stadtbibliothek, Hans Ludwig Held, die verschiedenen dem Heimatschutz gewidmeten deutschen Zeitschriften, vor allem die eben erwähnte bayerische Zeitschrift. Ihr ist der folgende ausgezeichnet bebilderte Aufsatz von Harburger entnommen. Hans Ludwig Held schreibt darüber in seiner Besprechung: „Ein besonders reizvoller Aufsatz sei erwähnt in Theodor Harburgers ,Werke jüdischer Volkskunst in Bayerns Arbeiten über jüdische Volkskunst kenne ich nur ganz wenige, so daß die vorliegende Untersuchung die Nachweisung einer auch dem Kenner fast ganz unbekannt gebliebenen (Sonder-)Welt bedeutet." Red. Ein bislang wenig beachtetes Gebiet künstlerischer Betätigung stellt das gestaltende Schaffen im Dienste jüdischer Religionsübung dar. Wohl hat/schon der in der Erforschung jüdischer Geschichte und jüdischen Geisteslebens hochverdiente, z. T. bahnbrechende Gelehrte David Kaufmann auch auf die Beteiligung der Juden an der Schmückung ihrer dem Gottesdienst geweihten Geräte und insonderheit an der bildhaften Auszierung ihrer Handschriften hingewiesen,^ aber unsere Kenntnis der hierher gehörigen Werke ist doch erst in den letzten Jahrzehnten gefördert und wesentlich bereichert worden. Als einen Ausfluß des bekannten altbiblischen Verbots des Bilderdienstes (II. B. M., Kap. XX, Vers 4 und 5; V. B. M., Kap. V, Vers 8 und 9) kann man es bezeichnen, daß die Juden — zum mindesten in den letzten Jahrhunderten — plastische figürale Darstellungen weitgehend vermieden, obwohl ihr Vorkommen auf manchem dem religiösen Dienste bestimmten Gerät beweist, daß frühere Zeiten unbefangen genug waren, sie nicht völlig fern zu halten. Tatsache ist aber, daß Juden als Urheber solcher Schöpfungen nicht angesprochen werden können, und daß sie selbst zu Darstellungen figürlichen Charakters nur die zweidimensionale Gestaltung heranzogen. Hierzu kam, daß die historische Entwicklung, die sie seit dem hohen Mittelalter dem Goldschmiedehandwerk entfremdet hat, ihnen nur die Möglichkeit gelassen hat, als Kunftschreiber und Miniatoren, als Erzeuger von Vorhangftickereien und als Medaillenschneider und Ziseleure ihre Kunstfertigkeit zum Ausdruck zu bringen So erMrt sich, daß derjenige, der den Spuren jüdischer Volkskunst in Bayern nachgehen will, vorzugsweise sich mit deren häufigsten und typischsten Werken, nämlich denen der Zeichenkunft im weiteren Sinne zu beschäftigen hat. 1 David Kaufmann. Gesammelte Schriften. Herausgegeben von M. Brann, Frankfurt a. M., 1908—1915, Bd. I, S. 87 ff.; Bd. III, S. 173 ff. und S. 229 ff. : 2 E. To eplitz, Von der Volkskunst. Synagogenmalerei. Aufsatz in hebräischer Sprache in Rimmon, Zeitschrift für Kunst und Literatur, 1923. Heft 3; in jüdischer Sprache in Milgroim, Zeitschrift für Kunst und Literatur, 1923, Heft 3. Eine besondere Rolle — schon wegen der Umsänglichkeit der Arbeiten — spielt dabei die Ausmalung von Synagogen. Sie begegnet uns - in Deutschland eigenartigerweise nur in einem räumlich eng umschriebenen Gebiet, in dem Teile des fränkischen Landes, der zwischen Obermain und dem Tale der Kocher sich erstreckt; sie ist tatsächlich auch nur vereinzelt und das Werk eines einzelnendes Elieser Sußmann, Sohn des Salomon, E>Z aus Brody oder Brod. Diese Herkunftsbezeichnung gibt, so ungenau sie auch noch ist, doch den Fingerzeig, aus welcher Gegend der Künstler kam, und wo wir seine unmittelbaren Vorbilder zu suchen haben. Die Juden des europäischen Ostens hatten dort, wohin sie sich nach den Austreibungen des Mittelalters aus Westeuropa geflüchtet hatten, ihr eigenes kulturelles Leben unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen weiterführen können, bis vor allem die mit dem Namen des ukrainischen Kosakenhetmans Chmielnieki verbundene Kette heftigster Verfolgungen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts diesem Zustand ein Ende bereitete. Immerhin ist trotz dieser Beeinträchtigungen noch manche beachtliche Kunftlekstung aus jüdischer Hand im gleichen Zeitraum entstanden, von der wir durch den glücklichen Zufall der Erhaltung wissen. Von den äußerlich meist einfachen, ja dürftigen Holzbauten der Synagogen mögen die meisten den Elementen und sonstigen zerstörerischen Einflüssen zum Opfer gefallen sein. Dennoch zeugen oder zeugten wenigstens bis zur Zeit des Weltkrieges die Malereien der Synagoge von Iablonow am Pruth, die etwa 1650 —1670 entstanden sind,' und das zu Anfang des 18. Jahrhunderts ausgemalte Gotteshaus von Abb. 1: Thoraschrein aus Colmberg.

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