Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-06-15 · 12 (15.6.1931) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
12 (15.6.1931)
Article
Über den Maler Zygmunt Menkes und sein Thorabild
Date
1931-06-15
Page
Seite 180 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2727810-2727925-2727937-2740531--07754-2740599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

180 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Über Len Maler Zygmunt Menkes und sein ThoradUL Zur Ausstellung des B i l d e s i n den Rä um c n der „C o n c o r d i a" Von Rolf Schott Das Thora-Bild von Menkes, das Rolf Schott hier zum ersten Male beschreibt, ist im Original von Mittwoch, den 17. einschließlich Sonntag, den 21. Juni von 15 Uhr ab bis zum Eintritt der Dunkelheit in den Räumen der „Concordia" (Prannerstraße 4/„) unentgeltlich ausgestellt. Der hier wiedergegebene stark verkleinerte Schwarz-Weiß-Abdruck kann auch nicht im entferntesten einen Eindruck vermitteln von der Wucht und der anziehend-abstoßenden Seltsamkeit des außerordentlichen Kunstwerks, das eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges darstellt und an Eindruckskraft nur mit der hebräischen Theater-Truppe „Habima" vergleichbar ist. Von dem Bild hat die Firma Hanfstängl soeben einen ihrer berühmten Farbenlichtdrucke herausgebracht. Red. Noch nie tft echte religiöse Kunst so selten hervorgebracht worden, wie in unserer Zeit, die, wie es scheint, ihre Inbrunst eher an technische oder sportliche Ereignisse verschwendet. Und wenn dennoch religiöse Kunst auf den Plan tritt, dann pflegt es eine konservative und eklektische Kunst zu sein, die oft von Müdigkeit angekränkelt ist und des wahren inneren Auftriebes ermangelt. Die jüdische Kultur dieser Tage machte davon, im Ganzen genommen, leider durchaus keine Ausnahme. Unlängst aber trat ein jüdischer Künstler auf den Plan, der durch seine Leistung die zeitgemäße Resignation auf ein religiöses Kunstschaffen heftig widerlegt, insonderheit durch sein großes Gemälde „Die Thora" widerlegt. Wir glauben, daß gerade dieses sein Thorabild Z y g m u n t M e n k e s zu Ansehen, ja, zu Ruhm gebracht hat. Menkes entstammt dem Osten und wuchs in ärmlichsten Verhältnissen auf. Er wurde 1896 in Lwow bei Lemberg geboren und besuchte als Fünfzehnjähriger die Lemberger Kunstschule. Mit allerlei Anstreicharbeiten mußte er sein Leben fristen. Nach dem großen Krieg kam er auf die Akademie nach Krakau. Dann verließ er Polen und versuchte es zunächst mit Berlin, wo ihn die sympathischen Arbeitsverhältnisse im Atelier Archipenkos anzogen. Das war 1922 Aber schon im folgenden Jahre ließ er sich in Paris nieder, um es sich als Wahlheimat zu erküren. Dort erregte denn auck, sein Talent Aufsehen. Ein reichen Grieche protegierte ihn und half ihm aus den kärglichen Verhältnissen heraus. Heute wird sein Arbeiten nicht nur in Westeuropa, sondern auch jenseits der Meere in steigendem Maße beachtet. Menkes Werke sind so durchaus persönlich, daß es schwer hält, aufzuweisen, welche Schuleinflüsse über ihn Macht gehabt haben. Man hat auf Renoir und Corinth geraten. Die heftige, alla prima hingehauene Malerei der letzten Jahre des deutschen Künstlers hat ihm sicher starken Eindruck gemacht. Von Renoir mag die überlegene Komposition stammen. Aber das ist franzöii^es KM. Erbe. In Frankreich hat man sich seit Jahrhunderten an die unproblematische Harmonie des athenischen Griechenlands und des ausgeglichenen Raffaello gehalten« Menkes besitzt eine Farbgebung, die in gleicher Weise wieder an alte Dinge auf neue Weise heranklingt. Seine tiefen Farbakkorde in Braun, Blau und Rot, in denen geheimnisvolle Lichter glühen, haben beinahe etwas von „Galerietönung". Er malt sehr dünnflüssig und schlägt die Leinwand förmlich mit seinen großen Pinselhieben. Wir kennen keine jüdische Kunftleiftung in dieser Zeit, die ein kultisches Ereignis so packend und inbrünstig gestaltet hatte als Menkes Thorakomposition, die übrigens in einem vorzüglichen sehr originalgetreuen großen Farbenlichtdruck eines Münchener Verlagshauses^ der Allgemeinheit soeben zugänglich gemacht 1 Bei Franz Hansstaengl. Format 100:76 ein. Preis RM. 40.—. I MAUS DER QUALITÄTSSTOFFE <1 ' N. STARK & Cil j NÜRNBERG J KARLS PLATZ 5 LUITPOLDSTRASSE 11 J BgN (MÜNCHEN

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.