Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 9 (1.5.1931)
- Article
- Kirche und Politik
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 136 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727925-2727934--07591-2740309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
136 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 „Kirche und Politik." In der Nummer vom I?. April der C.-V.- Zeitung verbreitet sich Herr Rabbiner Dr. Baerwald ausführlich über diese Frage, namentlich über die Kundgebung der bayerischen Bischöfe gegen den Nationalsozialismus. „Wer seine eigenen religiösen Angelegenheiten von fremdem Einfluß freigehalten wissen will, muß täkwoll und klug genug sein, sich nicht in fremde zu mischen;" aber hier gehe es um den großen geistesgeschichtlichen Zusammenhang, der Geist setze sich dem Ungeist gegenüber zur Wehr, und die Stimme der Kirche sei ein wichtiger Vorgang in unserem allgemeinen Kulturleben; diese Vorgänge seien auch von den Juden aufmerksam zu beobachten. „Konsequente Nassentheoretiker und -Politiker können nie und nimmer sich mit einer Religion abfinden, die die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, verkündet, die Opfersinn, Geduld, demütige Menschenliebe predigt, die sogar — horrible dictu — aus dem Judentum hervorgegangen ist und der die hebräische Bibel als Offcnbarungsurkunde gilt." Die Verlautbarungen der Kirche zerstreuen die Umnebelung dieses Tatbestandes und sprechen klar aus: Kirche und Nationalsozialismus vertragen sich wie Feuer und Wasser. „Eine Religion, der die Liebe oberstes Gebot ist, kann sich mit einer Lehre des Hasses nicht verbinden, eine Kirche, der alle Menschen gottgeschaffen sind, die allen Menschen das Heil zu bringen gewillt ist, kann niemals völkische Gedanken als berechtigt anerkennen." Die besten Vertreter der evangelischen Kirchen stimmen mit dieser Folgerung überein. Herr Rabbiner Dr. Baerwald verweist vor allem auf einen Vortrag des Kirchenpräsidenten D. Veit, des Oberhaupts der evangelischen Landeskirche Bayern; in diesem Vortrag wird das Unchristliche der völkischen Bewegung unzweideutig unterstrichen. plus der Semeinde Plugsburg Bericht aus Augsburgs Trotz der wirtschaftlichen Ungunst der Zeit war das jüdische Vereinsleben in der Gemeinde Augsburg auch in diesem Winterhalbjahr besonders rege. Ein großer Teil der Veranstaltungen dieses Winters wurde wieder vom Jüdischen Iugendverein bestritten, der sich damit erneut als wesentlicher Kulturträger im Gemeindeleben erwies. Der Vortragszyklus „Die Berufsaussichten der jungen deutschen Juden" wurde zunächst mit Vorträgen „Die Aussichten des la n dwirtschaftlichen und technischen Berufes für den jungen Juden" von Dipl.-Ing. Dir. S. Wallach und Gutsbesitzer Gustav Einstein fortgeführt. Während Dir. Wallach auf Grund eines ausführlichen Materials zu einer ziemlich ungünstigen Prognose bezüglich der Aussichten des technischen Berufes kam, setzte sich Herr Einstein, in Anlehnung an die bekannten von R.I.F. propagierten Gedankengänge, fstr eine großzügige landwirtschaftliche Berufsumschichtung unter den deutschen Juden ein. Als Abschluß dieser für die Zukunft der deutschen Juden fundamentalen Frage sprach Frau Gretel Stein über „Die jüdische Frau im Berufsleben". Frau Stein, die zunächst einige historische Aufschlüsse gab, beurteilte die Berufsaussichten des jungen jüdischen Mädchens als nicht ungünstig. Die Einzelvorträge des Jüdischen Iugendvereins, zu denen ebenfalls Einladungen an sämtliche Mitglieder der Gemeinde ergingen, waren vorwiegend literarischen und historischen Fragen gewidmet: Der junge jüdische Dichter Manfred Sturmann sprach in fesselnder Weise über „Die Iudenfrage in den Büchern Kafkas, Arnold und Stefan Zweigs". Wenn auch Sturmann der spezifischen Iudenfrage verhältnismäßig geringen Raum widmete, so war doch dieser Vortrag deshalb um so bemerkenswerter, weil eine selbst im künstlerischen Schaffensprözeß stehende Persönlichkeit erkennmisreiche Aufschlüsse über drei bedeutende deutsch-jüdische Dichter der Gegenwart gab. Kafkas dichterisches Schaffen bezeichnete Sturmann als Sehnen der Juden nach einer natürlichen Daseinsform, Arnold Zweig als den Dichter der Wirklichkeit und Humanität und Stefan Zweig, den Vorkämpfer des Friedens, als einen hervorragenden Gestalter jüdischer Stoffe (Jeremias, Untergang eines Herzens) —. In einem Vortrag „D erNationalismus der Völker und die Juden" vermittelte Dr. Raphael Straus (München) interessante Aufschlüsse über die wechselvollen Beziehungen der Juden zu ihrer jeweiligen Umwelt, insbesondere über die Situation des mittelalterlichen Juden als der Träger des wirtschaftlichen und finanzpolitischen Aufbaues im frühen Mittelalter. Auch die besonders aktuelle Frage: Kulturnation oder Staatsnation, würde hierbei, insbesondere vom jüdischen Standpunkt, erörtert. — In einem Lichtbildervortrag „Josef Israels als Erzieher" gab Dr. Jacques Waitzfelder (Stuttgart) rin Bild der Persönlichkeit und des Schaffens des bekannten holländisch-jüdischen Malers. Die Gestalt Josef Israels diente als Ausgangspunkt für die Erörterung einer Reihe von Fragen der modernen jüdischen Problematik. — über „Neue Erziehung" sprach Dr. Ernst Löwenberg (Hamburg), der als Lehrer an der Lichtwark-Schule in Hamburg wirkt. Neben dem Bericht über diesen interessanten Versuch einer neuen Erziehung wurde das gegenwärtige Crziehungsproblem grundsätzlich untersucht und Versuchsmöglichkeiten aufgezeigt. — Anläßlich der diesjährigen Generalversammlung sprach cand. theol. Harry Heimann über „D as Ringen der jüdischen Seele" (Wassermann, Heine, Mendelssohn). Neben grundsätzlichen Darlegungen über die Beziehungen zwischen Milieu und Anlage beim modernen jüdischen Menschen wurde die Problematik des jüdischen Dichters und Denkers im deutschen Kulturkreis untersucht. Im Nahmen einer internen Arbeitsgemeinschaft „W a s antworten wir den Nationalsozialisten?" wurden folgende Vorträge gehalten: Nabb. Dr. Jakob über „Die Stellung der jüdischen Parteien zum Antisemitismus und die Methoden der Abwehr", Helmut Feist: „Vorwürfe gegen die wirtschaftliche Betätigung der Juden", cand). theol. Heinrich Lemle über „Angriffe auf die jüdische Religion und das jüdische Schrifttum". Weiter verdienen hier noch Erwähnung eine für die Iunggruppen des Jüdischen Iugendvereins veranstaltete Feier anläßlich der Nadelverleihung sowie ein „Geselliger Nachmittag", der aus allen Teilen der Gemeinde zahlreich besucht war und der einen besonders gelungenen Verlauf nahm. Die Vereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Augsburg, veranstaltete in diesem Winterhalbjahr zwei Vortragsabende. An dem ersten dieser Abende sprach Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann (Frankfurt a. M.) über „Die Zukunft des Judentums". Nach einer Auseinandersetzung mit Orthodoxie und Zionismus betonte Dr. Seligmann, unter Hinweis auf die Zukunftswerte des jüdischen Liberalismus, daß es besonders darauf ankäme, den Kindern der gegenwärtigen Generation jüdischen Zukunftsglauben und -willen zu vermitteln. An dem zweiten Abend referierte Iustizrat Gun-z über „Recht und Macht", der auf eine Reihe von zeitgeschichtlichen Fragen einging. In der Zionistischen Ortsgruppe sprach Redakteur Moses Wald mann (Berlin) über „Jüdische Iahresb i l a n z". Der Vorttag von Herrn Waldmann war eine Bilanz der gegenwärtigen jüdischen Situation in der Welt, die besonders vom wirtschaftlichen Standpunkt ausgiebige Erörterung fand. Schließlich verdienen ein Teenachmittag des Jüdischen Frauenvereins, an dem Frau Annie Jacob u. a. Gedichte von Jacob Löwenberg vortrug, Frau Edith Buxbaum eine Reihe von Liedern sang und Frau Lübeck den Nachmittag mit einem Klavicrvortrag einleitete, sowie ein vom Verein Eintracht anläßlich Purim veranstalteter, wohlgelungencr Kabarett-Abend Erwähnung. Auf vereinsorganisatorischem Gebiete ist noch zu berichten, daß Herr cand. jur. Walter Deutsch und Herr Heinrich Schwab die Leitung des Jüdischen Iugendvereins übernommen haben; zum 2. Vorsitzenden der Vereinigung für das Liberale Judentum, Ortsgruppe Augsburg, wurde Herr Iustizrat Dr. Teutsch gewählt. Dr. M. 1 Vgl. dazu auch „Bayer. Isr. Gemeindezeitung" 1930, S. 364. Warum eigentlich...? bildet das Sporthaus Schuster, München 2 C 7,. Rosenstraße 6, eine alleinstehende Eigenart als Bekleidungs- und Ausrüstungs-Fachgeschäft für Bergsport, Wandern und Reisen. Weil das Haus durch die sportliche Bedeutung und die fachlichen Kenntnisse seines Gründers und Inhabers in jahrzehntelanger ständiger gründlicher Forschung eigene Erfindungen, Neuerungen und Verbesserungen in Rüstzeug und Kleidung geschaffen hat, die im ganzen Weltall vorbildlich sind. — Der soeben erschienene neue Katalog a) für Bergsport, Wandern und Reisen, dieses weltberühmten Fachgeschäftes ist ein bedeutendes lehrreiches Werk, das Jedermann auf Verlangen kostenlos erhält. Gleichzeitig auf Anforderung werden ebenfalls kostenlos die Kataloge: b) Auto- und Motorbekleidung, c) Tennis, d) Bade-Artikel, Turnen und Leichtathletik, e) Wintersport zugesandt. Schreiben Sie noch heute — Postkarte genügt — die gewünschten Kataloge kommen sofort unverbindlich und Sie sparen durch die gewaltigen Preissenkungen viel Geld im Einkauf. ) vu "•