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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-05-01 · 9 (1.5.1931) · p. Seite 132

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
9 (1.5.1931)
Article
Jüdische Kultur und Geschichte im neuesten jüdischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-05-01
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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132 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 der zu üben und den Lichtgcist zu beschwören weiß. Naftali bittet den Maggid um sein Geheimnis, und als er cs von diesem nicht erfährt, listet er cs ihm ab. Das Ansehen Nastalis steigt, er erhält einen Ruf nach Frankfurt, setzt dort sein Wirken fort, verehrt und geliebt von den Frommen der mächtigen Gemeinde. Aber er kommt nicht zur Ruhe, er verlangt nach letzter Weisheit, er beschwört entgegen der Warnung des großen Maggid, den Lichtgeist. In dieser Sekunde bricht Feuer in seinem Hause aus, das die Iudenstadt vernichtet und Naftali die Gattin und einen Sohn raubt. Man bezichtigt den ehedem geachteten Rabbi als Brandstifter, die Gemeinde wendet stch ab von ihrn, krank und verzweifelt, gefolgt von seinem anderen Sohn, tritt er die Heimreise nach der Ukraine an, um in den Armen des geliebten Maggid zu sterben. Diese Fabel erzählt Strauß in einer zuchtvollcn Sprache, die vorn ersten bis zum letzten Wort edel und leuchtend ist. Cin gebändigtes Feuer, ein herrliches Maß verrät diese Erzählung. Sie gehört wohl zu den besten und schönsten, die während der letzten Jahre in deutscher Prosa geschrieben wurden, und steht uns doppelt nahe, da cin ergreifend jüdischer Stoff sie beherrscht. jüöijcbe flrcbaeologie D i c M i t t e l in c c r k u n st in B o s s c r t s G Tausend Jahre schon stand Ägypten im hellen Lichte der Geschichte, als das Dunkel der Frühgeschichte von Palästina und Syrien stch zu lichten beginnt. Zwischen 1800 und 1500 v. Chr. setzen große Völkerwanderungen im Gebiete des östlichen Mittelmeeres und der nördlich angrenzenden Länder ein. Der Schub kommt vom Norden her, bisher unbekannte Volksmasten drängen von Kleinasien und aus den Kaukasusgegcnden, wie man heute annimmt auf einen Druck vom ferneren Norden her, in die Mittelmeerwelt. Wahrscheinlich muß man die Bewegungssront stch breit vorstellen, denn auch Völker westlich — aus der Aegaeis kommend — und Völker, die östlich von Syrien und Palästina sitzen, kommen in Bewegung. Im Verfolg dieser Völkerverschiebungen — Hyksos Einfall in Ägypten, Kastiten-Einfall in Mesopotamien, Vorstoß der Hettiter nach Syrien, Auftreten der Philister in Palästina — treten auch die Israeliten in die Geschichte ein. Die Geschichte dieser großen Völkerwanderung zu erhellen, ihrem Ursprung nachzuspüren und Einblick in die Herkunft der wandernden und in den Mittelmeerkreis einbrechenden Völker zu bekommen, ist deshalb auch vom engeren Standpunkt der Urerforschung unserer Geschichte aus wichtig. Während vorzüglich die Sprachdenkmale und die sonstige literarische Überlieferung die Hauptquelle dieser Forschung war (Höhepunkt nach Auffindung der Tel-Amarna- Briefe), setzt neuerdings eine Bereicherung unseres Bildes durch die Auswertung der zahlreichen Ausgrabungen im Vorderen Orient ein. Schon bekommen wir (besonders durch die Ausgrabungen in Tel Halaf) deutlichere Vorstellung über die Hettiter; die Kanaanäer selbst und ihre Vorgeschichte, Philister und Phönizier und auch die frühen Israeliten sehen wir schärfer als vor einer Generation. Die Bekanntgabe und Abbildung des neuen Materials, möglichst zusammen mit schon bekannten, publizierten und gedeuteten, verwandten oder nahestehenden Stücken ist deshalb von größter Wichtigkeit. So muß man ein Unternehmen wie die Herausgabe einer umfasienden Geschichte des Kunstgewerbes begrüßen, die reich illustriert auch dem Laien erlaubt, die heute in der Tagespresie nicht seltenen Berichte über Ausgrabungen und das Erschließen neuer geschichtlicher Zusammenhänge zu verfolgen. Cs erscheint eben der für unser Gebiet bedeutsame Band IV dieser von H. Boffert herausgegebenen „Geschichte des Kunstgewerbes" (Verlag Ernst Wasmuth, Berlin). In ihm ist vor allem die Mittelmeerkunst behandelt; an dieser Stelle interessieren besonders die Abschnitte, die das ägyptische, phönizische, palästinensische, altarabische und islamische Kunstgewerbe behandeln und die die gute Hälfte des umfangreichen, sehr gut und reich illustrierten Bandes ausmachen. Da sehr viel bisher abseits liegendes oder noch nicht publiziertes Material damit handlich faßbar ist, gehört dieser Band in die Arbeitsbibliothek des jüdischen Archäologen und Kulturforschers. Der Beittag über das ägyptische Kunstgewerbe beschäftigt sich eingehend mit den alten Techniken, was in Anbettacht der zahlreichen äsiethetischen Würdigungen ägyptischer Kunst angenehm ergänzend wirkt. Erwähnt sei die gute Abbildung einer Fayencekachel mit der Darstellung eines Hettiters (ca. 1200 v. Chr.). Die Hettiter werden heute als das Volkselement angesehen, aus dem die Aramäer, eine der Komponenten des Volkes Israel, stammen (vergleiche die kurze Einführung über das c s ch i ch t c des K unst g e we r b c s Werden des Volkes Israel bei A. Ruppin, Soziologie der Juden, Bd. I, Berlin 195O). In dein Kapitel über die Phönizier und ihre Kunst (von Val. Müller) werden die Phönizier den sonst als Kanaanäern bezeichnetcn Bewohnern der Küstenstriche Palästinas gleichgesetzt und ihre guten kommerziellen Eigenschaften dem nichtscmitischen Volkseinschlag zugeschrieben. Im übrigen werden die besonders durch die griechische Überlieferung überschätzten Seeleistungen der Phönizier eingeschränkt, was heute als erwiesen gilt (vergleiche A. Köster, Schiffahrt und Handelsverkehr des östlichen Mittelmeeres im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr., Leipzig 1924). So ist auch die Kunst, die in den Küstenstrichen entsteht, und das ist das, was die jüdischen Stämme bei ihrein Eindringen vorfinden, absolut abhängig vor allem von der ägyptischen Kunst. Das zeigen deutlich die Abbildungen zu diesem Kapitel. Ansätze zu einer eigenen Ausdrücksweise wie der Sarkophag des Ahirain, Königs von Byblos (ca. 1200 v. Chr.), wirken der zeitgenössischen ägyptischen Kunst gegenüber sehr primitiv und altertümlich. Um diese Zeit macht sich schon der westliche Einfluß durch den Handel mit Kreta und den Griechen bemerkbar. Aus dem 12. Jahrhundert stammen zwei ägyptische Faycnceplattcn, stilistisch der eben erwähnten Platte mit der Hettiterdarstcllung nahestehend, die Semiten in außerordentlich bunter Drappierung, bärtige Männer, deutlich zwei verschiedenen Volkstypen angehörend, darstellen. Man möchte glauben, daß eine fortschreitende psychologische Forschung aus solchen frühen und authentischen Darstellungen neue Erkenntnisse schöpfen kann. Die vielfachen späteren Einflüsse aus verschiedenen Räumen des Mittelmeergebietes, die ferner auf die palästinensische Küste einwirken, schaffen künstlerisch recht ähnliche Mischschöpfungen, wie wir sie aus der etruskischen Kunst schon kennen. Val. Müller schreibt auch das Kapitel: Das palästinensische Kunstgewerbe. Hier ist zuerst ein paläolitischer Fund aus der Nähe von Haifa, eine in einen Knochen geschnittene Stierform abgebildet, die wohl indogermanischen Ursprunges ist. Vorzüglich auch sind die weiteren Abbildungen einiger Goldfunde, eines jüdischen Siegels „des Dieners Ierobeams" aus Jaspis (8. Jahrhundert v. Chr., assyrisch beeinflußt) und einer Knochenkiste (Ossuarium) aus Kalkstein (1. Jahrhundert n. Chr., Kerbschnitt-Technik, die letzten Endes auf westasiatische Nomadenkunst zurückgeht). Sehr gering noch sind unsere Kenntnisse über die altarabische Kunst. Grabungen in Arabien scheiterten an der feindseligen Haltung der Wüstenbewohner. Denkt man an den Besuch der Königin von Saba bei Salomo (10. Jahrhundert v. Chr.), so ist man auf die vielgerühmtc sabäische Kunst neugierig. Etwa ein Dutzend Abbildungen kommen auf das kurze Kapitel darüber, aus der Feder des Herausgebers Bossert selbst. Das Werk schließt mit Glücks letzter, leider unvollendeter Arbeit, einern Aufsatz über das islamische Kunstgewerbe, wie alles, was Glück schrieb, kenntnisgedrängt auf aufschlußreich. Obwohl er direkt für unser Thema nicht zu zitieren wäre, ist er doch wichtig, dettn aus dem islamischen Kunstbecken, einer Sammelstätte naher und ferner östlicher Kunstäußerung, schöpft noch heute, leider sehr dünnn und nur formelhaft, die offizielle jüdische synagogalc Ornamentik. Dr. Ernst Weil. I GROSSE AUS WAHL VON BESTEM KUNSTGEWERBE | S5 KUNST- GEW ERBE-HAUS | ANERKANNTE QUALITÄT UND BILLIGSTE PREISEI

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