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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-03-15 · 6 (15.3.1931) · p. Seite 86

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
6 (15.3.1931)
Article
Israelitische Kultusgemeinde München
Date
1931-03-15
Page
Seite 86 (sequence 3)
Language
German
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86 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 amtes möchte es für sehr wünschenswert halten, wenn die Ausgaben der Gemeinde für Wohlfahrtszwecke nur in Personal- und Verwaltungsausgaben bestehen könnten, die erforderlichen Unterstützungsmittel aber von anderer Seite aufgebracht und durch die fürsorgende und beratende Tätigkeit soweit nur möglich unnötig gemacht würden. Der Posten Keren Hajessod im Betrage von 1000 RM. wird in der Gemeindevertretung gegen eine, im Vorstand gegen 2 Stimmen angenommen. Der Zuschuß für die Israelitische Religionsgesellschaft Ohel Jakob wird auf 13 000 RM. festgesetzt. Ein weitergehender Antrag Rosenthaler wird abgelehnt. J.R. Dr. Strans führt schließlich aus, daß der Finanzausschuß nach der gegebenen Sachlage den Beschluß gefaßt habe, den Ortsumlagensatz von 7 aus 9 Prozent zu erhöhen. Der Vorstand habe in seiner heutigen Sitzung beschlossen, nur eine Erhöhung von ein Prozent eintreten zu lassen und entsprechend dem Antrag der liberalen Fraktion im Mai und September eine Nachprüfung des Umlagensatzes vorzunehmen. Er habe keine Veranlassung diesem Beschluß entgegenzutreten. Es wird nach dem Antrag des Vorsitzenden beschlossen, die Umlagen für das Jahr 1931 auf 8 Prozent festzusetzen, von denen 3 Prozent als Bauumlagen zur Erhebung gelangen. Der Vorstand schließt sich als Steuerverbandsvertretung diesem Beschlüsse an. Am Schlüsse der Verhandlungen dankt ObstLGR. Dr. Neumeyer dem Finanzreferenten für die klare und umsichtige Aufstellung des Etats. Er weist nachdrücklich darauf hin, daß der Voranschlag mit weitgehender Sparsamkeit und mit vollem Verantwcrtlichkeitsgefühl für die Not der Zeit aufgestellt sei. Von Vertretern der Wirtschaft sei dem Vorstand die Anregung zugegangen, es solle von einer Steuererhöhung unter allen Umständen abgesehen werden. Tatsächlich hätten auch die anderen großen Religionsgesellschaften eine Steuererhöhung nicht vorgenommen, aber auch nicht vornehmen brauchen, da die wesentlichsten Ausgaben, wie die Gehälter der Geistlichen und Religionslehrer bei diesen Gesellschaften vom Staat getragen würden. Es müsse in aller Öffentlichkeit ausgesprochen werden, daß auch die Israelitische Kultusgemeinde München von einer Steuererhöhung absehen könnte, wenn sie wie die christlichen Kirchen ihre Gehälter nicht aus eigenen Mitteln bezahlen müßte. Es sei sehr zu hoffen, daß die Gemeinde es bei den 8 Prozent Umlagen bewenden lassen könne. Eine Gewißheit hierfür bestehe nicht. Nur durch gemeinschaftliche hingebende Arbeit und vertrauensvolles Zusammenwirken sei es möglich gewesen, diesen Etat zustande zu bringen. Er wünsche lebhaft, daß der Geist des Friedens und der Versöhnlichkeit, der sich hier ausgewirkt habe, auch ferner der Münchener Gemeinde erhalten bleibe. Schluß der Sitzung 23.30 Uhr. ttus dem Verbände Wissenschaftliche Fortbildungskurse für Rabbiner der süddeutschen Gemeinden. Nachträglich ist noch von dem Verlauf dieser wichtigen Gemeinschaftsveranstaltung Ende vorigen Jahres zu berichten, die auch von dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden regelmäßig in namhafter Weise unterstützt wird. Aus den dreitägigen Kursen in Stuttgart sind besonders die anregenden Vorträge von Prof. Dr. Paul Rießler (Tübingen) über die „Bedeutung des altjüdischen Schrifttums außerhalb der Bibel für die Erkenntnis und Erklärung der heiligen Schrift" hervorzuheben, dann von Prof. T ä u b,l e r (Heidelberg) über „Das erste und zweite Makkabäer- Buch" und von Prof. Dr. Paul V o l z (Tübingen) über „Die Bedeutung der Ausgrabungen in Babylonien und Ägypten für die Bibelerklärung". Herr Dr. Neubauer behandelte in einem halachischen Vortrag die „Enfftehung der halachischen Midraschim und der Mischnah", Pros. Dr. K n o b (Tübingen) die „Epochen der abendländischen Vildungsgeschichte", Herr Rabbiner Dr. Veerntflnn (Heilbronn) die „Talmud-Exegese Baruch Epsteins (Mekor Baruch)", Herr Stadtrabbiner Dr. Ri ege r beschloß mit seinem Vortrag „Der älteste Kommentar über das erste Buch Mose" die Reihe der wissenschaftlichen Darbietungen. Aus der Gemeinde München Religiöse Vorträge in der Synagoge „Religion als Kulturbejahun g". — „Die goldene Regel" Die Reihe der religiösen Synagogen-Borträge, die zu einer sehr beliebten Institution in München geworden sind und eine allgemein Willkommene Bereicherung des Gemeindelebens bedeuten, wurde im Februar durch die Vorträge der Herren Rabbiner Dr. Baerwald und Dr.-Freudenthal fortgesetzt. Das Thema „Religion als Kulturbejahung" wußte Herr Rabbiner Dr. Baerwald durch die begriffliche Klärung des Wortpaares „Kultur" und „Religion" und eine eindringliche Übersicht über die Kulturbedeutung des Judentums für den großen Kreis von Zuhörern ungewöhnlich anziehend zu gestalten. Der Redner erläuterte den Kulturbegriff an Definitionen Kants, Schillers und Rathenaus. „Der Anbau, eultura, seiner Kräfte, ist Pflicht des Menschen gegen sich selbst" (Kant). — „Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm behilflich sein, seinen Begriff zu erfüllen" (Schiller). — „Kultur ist der Weg zu sich selbst" (Rathenau). Ist Kultur der Ausbau der Seele, so ist Religion der Weg des Menschen zu Gott. Jener Ausbau und dieser Weg sind in vielen Stücken ein und derselbe „Vorgang". Die materielle Kultur, d. i. die Arbeit an der Welt, und die ideelle Kultur, d. i. dies Arbeit an sich selbst, werden im gleichen Maß von der jüdischen Religion gefordert. Das findet am eindringlichsten feinen Ausdruck in der Bibel: „Seid fruchtbar und vermehret Euch! — Beherrscht die Erde und macht sie Euch untertan!" Die Kulturforderungen und Kulturerrungenschasten des Judentums haben der Menschheitsgeschichte Form und Inhalt gegeben, vor allem die jüdischen Kulturforderungen auf ethischem und praktisch-sozialem Gebiet; denn im Judentum ist Gott das Sinnbild und Ideal der Sittlichkeit. Außerdem ist Gott das Urbild des Schaffens und Wirkens; feiner Schöpfung ist die Bestimmung gegeben, zu wachsen und sich beständig fortzuentwickeln. In der Einrichtung der Familie, des Sabbates, der Schaffung des menschheitseinigenden Gottesbegriffes und des sozialen Gedankens ist das Judentum allen Kulturkreisen vorangeschritten. Der Redner setzt andere Religionen, u. a. den Buddhismus (kulturverneinend), besonders das Christentum, das die jüdischen Forderungen fortbildet und darauf aufbaut, in lichtvolle Parallele zur jüdischen Religion als Kulturbejahung. Die gedankenreichen und in architektonischem Aufbau vorgetratragenen Ausführungen von Herrn Rabbiner Dr. Baerwald fanden BayerischeV ereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins Sicherheit und hohen Zins gewährleisten unsere Gold-Pfandbriefe Bank-Sparbücher Die nach dem 2. Januar 1931 fälligen Zinsscheine sind kapitalertragsteuerfrei

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