Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 24 (15.12.1930)
- Article
- Das Chanukafest im Spiegel der rabbinischen Literatur
- Date
- 1930-12-15
- Page
- Seite 377 (sequence 3)
- Language
- German
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lr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 377 iniiiniHiMiHHMnHniunuuuinuunuunnnnunninninnnnunnnniuiunniuuuuuunnniiiinnnnunnimnuininuinnutnuunuuuiinutuuuuuuiuumintuttuHniiHutuuuumuuunuiiiiinisunHiuiHiiiniiniiunniniiiiuitiiuuuntmummmmiun. ARKADEN-PARFÜMERIE SÄfSSS »amtliche Parfümerien des In- und Auslandes / Sanitäre Artikel iMiiuiiiiiiiuuiumiiiiiumiHnmiiuuiiiiiiniiiMiinuiiiiiiiiiiniiumuuuimmiituuiiuuui!ittiuiiiiiiiiiii!ituiiiiiuiuiumuuiiiiiuiiiiiiiiiiuuuiui[[iiiiiuiiuiiiuiiiu[iii[[iiiiu[uuiiiiuiiiuuiiiuuuHi!uiiiuuuuiumuuuu[[ii[[!iii[iiiiuii!U!!iimiuuuuummr entzündet am Eingang, der Straße zu (in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und dem völligen Abbruch des Marktes, d. h. Verkehrsstille) jeden Tag ein Licht, die Frommen entzündeten für jedes großjährige Mitglied des Hauses ein Licht, die Allerfrömmften aber am ersten Tag ein Licht, am zweiten Tage zwei Lichter usw., bis am achten Tag acht Lichter brennen; so nach Beth Hillel, nach Beth Schammai in umgekehrter Reihenfolge. Ursprünglich meine ich, war das Chanukalicht lediglich als Illumination gedacht — vielleicht in Anlehnung an die Illumination des Tempels am Sukkotfeste, das seit der salomonischen Tempelweihe stets das Erneuerungsfest der Tempelzündung war. Als ein Ersatz des Sukkotfeftes war ja, nach den Makkabäerbüchern, das erste Chanuka gedacht, und auch die Halacha des Beth Schamai für Chanuka nimmt auf die Opferliturgie des Sukkoth Bezug. — Dieser Charakter als Illumination wird aus vielen Stellen und Vorschriften deutlich? Nach der Zerstörung des Tempels aber suchte man das Symbol der heiligen - Vielleicht erklärt sich aus der ursprünglich mehr nationalen Auffassung dieser Gedenktage, wozu ja die Pflicht der Illumination durchaus passen könnte, die Tatsache, daß Chanuka in der Mischnah keine Stätte gefunden hat? Lichtentzündung, wie sie im Heiligtum geübt ward, auf das Chanukalicht zu übertragen, daher der Brauch der Allerfrömmften, der allmählich ganz allgemein Übung wurde. Dadurch würde noch eine andere Stelle des Talmud (Schabboth 23) im eigenen Licht erscheinen. Es wird dort diskutiert, ob die eigentliche Pflicht an; Chanuka im Aufftellen der Lichter oder im Entzünden der Lichter bestehe (hanocha oseh mizwah, o hadloka offeh mizwah) und man entscheidet sich für die zweite Alternative: Das Entzünden selbst ist die Mizwoh. Die Frage des Talmud meint nichts anderes: ist nur die Illumination das Wesen der Pflicht oder die symbolische Handlung des Entzündens, gleich dem Dienst des Priesters im Heiligtum? Und die Halacha gibt uns das klarste Verständnis für den Sinn und die religiöse Bedeutung der Chanukazeremonie. Neben die frohe und stolze Erinnerung an die Heldenkämpfe der hasmonäischen Priesterfamilie soll das Bild des lichtzündenden Priesters im Heiligtume Gottes treten, der Dienst am Geist des Judentums muß — insbesondere in Zeiten innerer Krise — Pflicht für jedes Haus und jeden Juden werden, l'hadlik ner schel chanukah, in seinem Kreis, in seinem Reich, in steter Erneuerung wieder zu erwecken und weiter zu verbreiten das Licht der Erkenntnis und der Weihe. Die berliner jüdischen Semeindewahien I. Das Wahlergebnis (die Wahlen vom 30.1kovember 1930 verglichen mit den Wahlen vom Mai 1925) 30. November 1930 16. Mai 1925 Stimmenzahl Mandate Stimmenzahl Mandate Liberale Partei. 41797 24 231-86 10 Jüdische Volkspartei .... 25 836 14 16 392 7 Religiöse Mittelpartei .... 1788 1 5 543 2 Konservative Partei. 1411 — 2 902 1 Deutsche Liste. 1337 — — — Ostjüdische Liste Klal Jisroel 114 — — — Überparteiliche Vereinigung . . 2 339 1 — — Positivliberale jüd. Vereinigung 723 — — — Ostjüdisch-demokratischer Block . 121 — — — 41 21 41 21 30. November 1930 16. Mai 1926 Wahlberechtigt waren rund . . . 135 000 130000 Zahl der abgegebenen Stimmen . 77 962 50 000 Davon ungültig . . . , . . . 565 Wahlbeteiligung etwa . . . . . 60% 40% II. Die Würdigung der Wahlen durch die Parteien Als erster wertet das Ergebnis der Wahlen zur jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, im Leitartikel der „Jüdischen Rundschau". Die Wahl zur jüdischen Gemeinde, schreibt Kurt Blumenfeld, war ein zionistisches Ereignis. Der Arbeit der Jüdischen Volkspartei ist es gelungen, die Juden Berlins an der Gemeinde zu interessieren. Die beste Wahlpropaganda leistete das jetzt von allen Juden gelesene jn unserer Aera neu belebte Gemeindeblatt. Unsere Freunde in der Gemeindearbeit sind sich stets darüber klar gewesen, daß wir zunächst einmal aus völlig Indifferenten — antizionistisch interessierte Gemeindemitglieder machen werden und daß es unsere Aufgabe ist, dieses neue Entwicklungsstadium herbeizuführen, um es dann zu überwinden. Die Mehrheit der Juden ist noch nicht zionistisch, aber wer das Ergebnis dieser Wahl richtig bewertet, der muß sehen, daß der Zionismus in unaufhaltsamem Vordringen begriffen ist. Bei jeder kommenden Wahl werden wir neue Fortschritte zu verzeichnen haben. Wir sind heute in der legitimen, den Verhältnissen in Wahrheit entsprechenden Situation einer großen, ihrer Verantwortung für die Zukunft bewußten Oppositionspartei. Unsere Aufgabe wird es sein, unsere Sache in Reinheit und mit der moralischen Kraft, die uns unsere Idee verleiht, zu vertreten. Wer vorzeitig zur Macht kommt, erliegt leicht der Gefahr des opportunistischen Kompromisses. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" wertet deren Chefredakteur Bruno Woyda die Ergebnisse der Berliner Wcchlen. Er schreibt u. a.: Die Entscheidung, die am 30. November in der Berliner Jüdischen Gemeinde getroffen wurde, wird ein Echo in der gesamten jüdischen Welt und auch bei den an jüdischen Ereignissen interessierten Nichtjuden finden. Die Entscheidung besagt: Es muß Schluß gemacht werden mit der Durchführung zionistischer Experimente im jüdischen Gemeindeleben, es muß Schluß gemacht werden mit der Selbstabkapselung der Juden, mit dieser eigenen Errichtung eines neuen Ghetto... Die Entscheidung der Wähler bedeutet eine Bejahung der jüdischen Religionsgemeinde und eine scharfe Absage an die zionistische „Volksgemeinde". Die Liberalen erhielten bei den Wahlen im Jahre 1926 etwa 24 000 Sttmmen, bei der diesjährigen Wahl annähernd 42 000 Stimmen. Es gelang ihnen, über 17 000 Nichtwähler der vorigen Wahl zu aktivieren. In der „C.-V.-Zeitung" wertet Dr. Ludwig Holländer das Ergebnis der Berliner jüdischen Wahlen vom letzten Sonntag als einen vollen Sieg des deutsch-jüdischen Gedankens, des C.-V.- Gedankens. Eine Verkleisterung der vorhandenen Gegensätze wäre ein Unglück gewesen, und es ist gut, daß sie vermieden worden ist. Der Wahlkampf als solcher hat auf Zehntausende, die dem jüdischen Gemeindeleben bisher gleichgültig gegenüberstanden, aufrüttelnd gewirkt.