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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-12-15 · 24 (15.12.1930) · p. Seite 376

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
24 (15.12.1930)
Article
Das Chanukafest im Spiegel der rabbinischen Literatur
Date
1930-12-15
Page
Seite 376 (sequence 2)
Language
German
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376 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 allein gefeiert werden soll, die Errettung aus Glaubensnot und -Verfolgung? Dafür spricht ja am besten der Name des Festes: „Chanuka" — Weihe, Erneuerung. Von dieser Einstellung aus allein werden wir Verständnis finden für die weitergehende Theologosierung des Chanuka, die dieses Fest zum „T e m p e l w e i h f e ft" schlechthin, fast losgelöst von seinem historischen Ursprung, erhob. Beziehungen werden gesponnen bis zu der Aufrichtung der StiftShütte in der Wüste: In der Pesikta rabathi (Abschn. VI, § 5) heißt es: „Am 25. Kislev waren die Arbeiten am Heiligtum (in der Wüste) vollendet; Mose jedoch ließ das ganze Werk noch verhüllt stehen und verschob die Einweihung bis zum folgenden Frühjahrsmonat Nisan, dem Monate, in dem unser Stammvater Isaac geboren war." — „Die spätere Geschichte hat diese Tage wieder in ihr Recht eingesetzt." Dieser aggadische Bericht wird von der Halacha aufgegriffen und damit wird u. a. die Auswahl der Toravorlesung für Chanuka begründet (Orach Chajim § 684 und Kommentare dazu). Beziehungen werden auch hergeftellt zu dem ersehnten Tempel der messianischen Zeit. Hierher gehört etwa der Midrasch von den sieben Weihen, der Weihe des Schöpfungswerkes, der Weihe des Stiftzeltes, des salomonischen Tempels, des zweiten Tempels, der Mauern Jerusalems, von unserem Chanuka und der künftigen Tempelweihe in messianischer Zeit (Pes. rabb. piska chanuka: Abschn. II, § 7 und § 2, ähnlich Ialkut Melachim Abschn. VI). All diese Erinnerungen und Hoffnungen sollen Mitschwingen in unserer Seele beim Zünden der Lichter, denn bei all diesen Weihen finden wir das Lichtsymbol. So kämen wir schon hier zu dem Lichtsymbol und der fast unerschöpflichen homiletischen Literatur hierzu. Es ist im Nahmen eines solchen Ansatzes natürlich ganz unmöglich, eine Symbolik des Lichtes im Judentum auch nur mit andeutenden Strichen zu entwerfen. Es ist dies an und für sich das metaphysisch tiefste und schwerste Kapitel der jüdischen Symbolik. Aber wir können in der Ebene des allgemein Bekannten bleiben. Licht als Bild des Geistes, des heiligen Geistes. Das Licht durchbricht das brütende Chaos, um es zu gestalten am ersten Schöpfungstag; das Licht umgibt den Allmächtigen bei allen Theophanien, „bei Ihm thront das Licht" ist das immer wieder zitierte Wort des Daniel (Dan. II. 22), die Ausbreitung des Geistes, die dem Gebenden nichts von seiner Kraft und seinem Wissen nimmt, gleicht der Ausbreitung des Lichts, des Feuers, das zündet und sich verbreitet, ohne seine Kraft zu verlieren, das Strahlen aussendet, ohne scheinbar Energien zu verlieren, das körperlos auf die Körper wirkt. Wir brauchen nur an die Vision des Secharja zu denken (Kap. IV) von dem goldenen sieben- 1 Daß trotzdem auch schon in früheren Zeiten die kulinarische Festivität nicht zu kurz kam, daß die jüdische Küche durch Spezialgerichte das ihrige zur Erhöhung der Festesfreude beitrug, darüber können die Satyren des Kalonymos (Maestro Kalo) geb. 1287, am besten und launigsten belehren. armigen Leuchter zwischen den beiden Olivenbäumen, den Leuch ter, der die Olschale, die ihn versorgt, selbst als Kapitel an sein Spitze trägt - ' ntwa hy n’pTii — als Bild des von Gott Geist erfüllten Israel und seiner beiden Führer, diese Visio die selbst die Deutung des Symbols gibt: „Nicht mit Kra und nicht mit HrereSmacht, denn mit „M einem Geist" der Spruch des Herrn." Wir wollen uns auf die „Menora" als solche beschränke Von allen Kultgeräten des Tempels ist der Leuchter das ureiger jüdische. — Weder die alt-babylonischen, noch die ägyptisch« noch die griechischen Tempel kennen dieses Motiv. — Für di> Sonderstellung des Leuchters im Bewußtsein des Iudentm ließe sich auch aus der aggadischen und halachischen Literatur ei Fülle von Beweisen bringen. Ich greife nur zwei Stellen herai die auf mich den Eindruck nie verfehlen. Der Leuchter ist näml nicht wie die anderen heiligen Geräte von Mose und Beza' gebildet worden. Aus Gottes Hand selbst ist er hervorgegang Das entnimmt die hermeneutische Erklärung den kleinen, a> auffälligen Abweichungen im Wortlaut der heiligen Schr> Mose wollte das Werk nicht gelingen; da läßt ihn der Allmö tige noch einmal genau das Vorbild des Leuchters schauen darum steht gerade an dieser Stelle besonders betont und h weisend — s e h maasseh hamnora — dies ist das W des Leuchters, aber immer wieder versuchte es Mose — o! Erfolg —, da nimmt er das Gold — aus dem einen Stück, v es vorgeschrieben war — und wirft es ins Feuer und siehe Leuchter erstand von selbst —: so ist das Wort zu deuten „mimeno hoju“ (wörtlich: von ihm selbst ward er) als stü — „meazmo naassith" —, von selbst erstand er. Gott se hatte ihn gebildet; darum heißt es: „So fertigte ,Er^ d Leuchter"; nicht wie man parallel zu anderen Stellen warten sollte, so fertigte Mose den Leuchter. Das Sub dieses Satzes ist eben „Er", d. h. G o t t? Wieviel liebevol Versenkung in den Text, wieviel wundersame Poesie gehört solcher DeutungSkunft, die in ihrer Kongruenz zum Wort! . und in der Lebendigkeit der Phantasie ebenso überraschend ergreifend wirkt. — Noch bezeichnender aber das Wort aus d i selben Abschnitt des Midrasch: Die Opfer bleiben n in Brauch, so lange der Tempel steht, d Lichtzünden aber wird in allen Zeiten geü werde n? Diese Wertbetonung des heutigen Leuchters allen anderen Symbolen findet ja ihren prägnantesten AuSd in der Tatsache, daß die Menora auf Münzen, Emblemen, Katakomben, in den galiläischen Synagogen des zweiten II Hunderts als das Symbol des Judentums schlechthin — etwa heute der Davidftern — uns entgegentritt. Und nun möchte ich eine Deutung wagen: Im Talmud r nämlich berichtet (Schabboth 21h), die Pflicht des Lichtzünd am Chanuka besteht nur für den Hausherrn. Der Haus! - Bamidbar rabba, Abschnitt 15. k haus der qualii Aisstoffe | N. STARK & Cil I L MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 LUITPOLDSTRASSE i

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