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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-11-15 · 22 (15.11.1930) · p. Seite 313

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
22 (15.11.1930)
Article
Das älteste Heiligtum der Menschheit
Date
1930-11-15
Page
Seite 313 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 22 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 347 ..iiii»»»,»»»».. ARKADEN-PARFÜMERIE SÄ'“t"« Sämtliche Parfümerien des In- und Auslandes / Sanitäre Artikel „»„»»»»»IIII»,.......„„„„»»»»„„„„„„„„„»»»»»»»»»„„„»„„»»„»„„„»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»IIII,,»,'' Das Rltefte Beiligtum der Menschheit Von Dr. Erich Brandenburg (Weimar) Der folgende Aufsatz ist eine Umarbeitung der letzten Seiten einer eben erschienenen Arbeit des bekannten nichtjüdischen Archäologen Erich Brandenburg (Weimar). Über den Hauptinhalt dieser Arbeit „Die Denkmäler der Felsarchitektur und ihre Bedeutung für die vorderasiatische Kulturgeschichte" (Der Alte Orient, Bd. 29, Hess 3) wird in der „Bücherschau" der nächsten Nummer besonders berichtet. Heute ist die archäologische Erforschung der alten kanaanitischen Kultur, soweit, daß sie mit Bestimmtheit sagen kann, daß der HeiligeFels unter der Omarmoschee in Jerusalem bereits lange vor der jüdischen Zeit, etwa um 2000 vor Beginn unserer Zeitrechnung ein kanaanitischeS Heiligtum war. „Schalen" und Rinnen, die in ihn gemeißelt sind, beweisen das, welche die fromm-naive Legende des Islam als Abdrücke der Finger des Erzengels gedeutet hat. Wiederum ein halbes Jahrtausend später haben wir ein in jeder Hinsicht sehr wichtiges Zeugnis für die Bedeutung dieses Heiligtums im Pentateuch: ich meine die Abraham- Malkisedek- Episode. Aus ganz bestimmten Gründen, deren Darlegung hier zuweit führen würde, nehme ich in Übereinstimmung mit der rabbinischen Überlieferung, in der unzweifelhaft uralte Kunde enthalten ist, an, daß dieser Vorgang sich n i ch t , wie von anderer Seite behauptet wird, in Salem — Sichern, sondern in Salem — Jerusalem abspielte. Aus dem Segen des Malkisedek (schon allein dieser Name ist merkwürdig: mein König oder Gott ist Sedek; ähnlich Adonisedek, wie er auch im Sepher Hajjasar, 33, a heißt) in I. Mos., 14, 19, s. geht klar hervor, daß Abraham und Malkisedek an einen Gott glauben, in einer Auffaffung, die schon fast der reine Monotheismus ist, wie er dann in der absoluten und für alle Zeiten gültigen Form später vom großen Mose verkündet wurde und heute genau noch so verkündet wird! Gerade aus dem Umstand, daß Abraham der „große Wanderscheich", und der König von Salem ein politisches Bündnis schließen, ergibt sich ebenfalls dieses gleiche Gottesbekenntnis, denn i m AltenOrientsind Po litikund Religio neins! Und weiter dürfen wir daraus auch allgemeiner schließen, daß Jerusalem damals bereits der Mittelpunkt eines schon stark henotheistischen, wenn nicht monotheistischen Kultes war. — Die Lokalisierung desOpfersAbrah am s in Jerusalem, dieses Geschehnisses von so tiefer symbolischer Bedeutung und eindringlicher Hindeutung auf einen Gott ist zwar nicht geschichtlich nachweisbar, aber wir dürfen eS deswegen auch nicht einfach als Sage abtun! Für den, der sich sine im et studio in diese ganzen Zeiten und Fragen hineingedacht hat, werden die Stellen des Pentateuch überzeugend sein; aber es gibt ja immer Leute, die alles „prinzipiell" anzweifeln müssen, also auch hier gegen die rabbinische Überlieferung, gegen die freilich spätere Niederschrift von I. Mos. ihre Bedenken haben könnten. Diese frage ich nun aber: wenn Jerusalem um 15OO kein politischreligiöser Mittelpunkt war, wie kommt es dann, daß nur etwa ICO Jahre später, als das Land unter ägyptische Herrschaft gelangte, der Gouverneur des Pharao dort gerade seine Residenz aufschlägt?! Wir müssen bedenken, daß nach den alten Grundsätzen des Orients nur derwahrer und allgemein anerkannter Herrscher über ein Land war, dersichauchimBesitzseinerheiligenStätten desselben,seinesKultzentrumsbefand! Kulte entwickeln sich bekanntlich nicht von heute auf morgen; um aus einem Ort ein allseitig verehrtes und anerkanntes Kultzentrum zu machen, gehören lange Zeiten. Es gibt aber (wenn wir heute von den großen historischen Erinnerungen, die für uns maßgebend sind, von den Bauten Jerusalems absehen, welche damals noch nicht existierten) in Palästina manche andere Stätte, die als Residenz für den Statthalter des Pharao damals sicher bequemer und angenehmer gewesen wäre; warum erwählt er also gerade Jerusalem? Doch nur, weil dieser Ort das geblieben war, was er schon zur Abrahamzeit, schon weit früher gewesen war: ein politisch-religiöses Zentrum! Wenn wir nun den Zeiger der großen Weltenuhr wieder um vier Sekunden, für uns arme, kleine Menschlein aber um vier Jahrhunderte weiter vorrücken lassen, so schlägt die Stunde des Anfangs der jüdischen Königsmacht, der größte und zugleich politisch-gewandteste jüdische König betritt die Weltbühne, David. Obgleich er sieben Jahre in Hebron residiert hatte, obgleich die kleine Festung Ophel ohne große strategische Bedeutung war (wie mir das zwei recht kluge Generalstäbler, welche sich im Kriege mit diesen Problemen eingehend befaßt hatten, versicherten) tut David aber doch sein Möglichstes um Herr der Iebusiter-Stadt zu werden. Dorthin verlegt er nun seine Residenz, obgleich er doch als einer der besten Politiker der Geschichte (man denke nur an seine Laufbahn: vom Hirtenjungen bis zum König, der h e u t e noch in den Herzen von Millionen von Menschen lebt und für sie die Goldene Zeit versinnbildlicht!) genau wußte, wie gewagt eS für den Begründer einer neuen Dynastie war, den Mittelpunkt seiner eben erst errungenen Macht zu verändern! — Besonders auffällig aber ist, daß David dem Iebufiter A r a v n a , (eS ist die Gleichung: Aravna — Aaron — Hoherpriefter wohl mit Recht ausgestellt worden) seine „Tenne", d. h. einen K u l t o r t, (wie ich daS an anderer Stelle doch wohl bewiesen habe,) nicht einfach wegnimmt, wie er eS nach damaligem Recht ohne Weiteres hätte tun können, sondern ganz legal ab - kauft! Daß dort ein feierliches Opfer dargebracht wird, daß dort dann später derTempel erbaut wird!- So wurde David durch diesen friedlichen Kauf anstatt einer gewaltsamen Confiscation in jeder Beziehung rechtmäßiger Besitzer und zugleich auch Nachfolger AravnaS in feinem Priestertum an dieser „Tenne", d. h. dem H e i l i -

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